Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Alle Jahre wieder kommen sie: die Sterne und die Spekulationen. Spekulieren möchte (und kann) ich nur äußerst eingeschränkt, da ich die meisten Sternerestaurants in der Bundesrepublik nicht kenne (geschweige denn dieses Jahr besucht habe) ‒ da kann ich noch so viel essen gehen. Auch für die Drei-Sterne-Restaurants wage ich für 2013 keine Prognose, denn ich war in diesem Jahr lediglich im Aqua, wo Sven Elverfeld getrost einen Haken hinter die höchste Auszeichnung machen kann (selbst wenn mein Besuch im April (kein Bericht) der schwächste meiner insgesamt fünf Besuche dort war). Nach dem, was ich von Anderen gehört und gesehen habe, müssen Wissler, Wohlfahrt, Bühner & Co. auch nichts befürchten; was Nils Henkel betrifft, hörte ich nur viele solidarische Hoffnungsbekundungen auf die “Rückgabe” des dritten Sterns, aber nichts Fundiertes. Ein neuer Drei-Sterner: eher unwahrscheinlich. Wobei z. B. Dirk Luther in der Meierei durchaus das Zeug dazu hätte… Und übrigens auch Christian Lohse im Berliner Fischers Fritz, das ich dieses Jahr ohne mit der Wimper zu zucken in den Küchenolymp durchwinken würde.

Glasklar sind aus meinem Essens-Fundus wie immer auch die zwei Sterne vom Le Moissonnier in Köln, die ohne Zweifel auch in 2013 hell leuchten werden. Tim Raue sowie Michael Hoffmanns Margaux kratzen an zweien. Eine klare Sache ist das bei weitem nicht. Wer das glaubt, der esse zum Vergleich mal beim bereits oben genannten Dirk Luther, oder einfach im Ausland: noma, The Square, momofuku ko oder die Ateliers de Joël Robuchon lassen für einen Vergleich herzlich grüßen.

In meiner Heimatstadt Hamburg bin ich naturgemäß etwas umtriebiger, und war auch in 2012 in fast allen Sternehäusern mehrfach zu Gast (häufig ohne Bericht). Meine Meinung zur gehobenen Gastronomie hier hat sich nicht verändert. An der Spitze des in Hamburg offensichtlich Machbaren stehen für mich wie immer das Haerlin, das Piment und das Jacobs Restaurant, und zwar genau in der Reihenfolge. Alle drei kochen sehr gut bis hervorragend. Gerade der fehlende zweite Stern vom Piment im Vergleich zum Jacobs erschließt sich mir nicht.

Das Niveau unterhalb dieser drei Restaurants decken dann in Hamburg aus meiner Sicht die weiteren (derzeitigen) Ein-Sterne-Restaurants ab: Landhaus Scherrer, Le Canard nouveau, Prinz Frederik, Sgroi, Küchenwerkstatt und Seven Seas, wobei nach meinem Geschmack der eine Stern bei allen genannten viel zu häufig wackelt. Aber von allen weiteren Restaurants der Stadt brauchen wir nicht ernsthaft zu reden, daher nehmen die Besternten eine nachvollziehbar hervorgehobene Stellung im Guide ein. Man könnte aber auch einmal kräftig auf den roten Restaurantführer draufschlagen und gucken, ob in Hamburg fast alle Restaurants eine Stufe runterrutschen: raus mit allen Unbesternten, die Ein-Sterner werden Empfehlungen, das Jacobs bekommt einen Gnadenstern und Piment und Haerlin zwei. Ich wäre dabei.

Aber, wie man so schön sagt: es nützt ja alles nichts. Warten wir es ab! In ein paar Tagen sind wir alle schlauer. Bib, Bib, Hurra!

4 Kommentare zu “Michelin Deutschland 2013 ‒ Lose Gedanken”

  1. Peter

    Mit der Aussage; “das Jacobs Restaurant hat lediglich einen Gnadenstern verdient” und das Piment von Wahabi Nouri kocht auf 2 Sterne Niveau, zeugt von absoluter gastronomischer Unkenntnis und Arroganz.

    Antworten
  2. duni

    mein problem mit den sternen: nach einem besuch bei den *** wirkt die sog.” normale” gastronomie besonders trist und unerfreulich. das niveau ist mittlerweile bei den besten verdammt hoch. darueber hinaus finde ich es spannend, welche vielfalt an stilen sich etablieren konnte und welche individualitaet moeglich ist.

    Antworten
  3. Mark

    Die Hamburger Drei seh ich ganz genauso,… das Piment wird es aber immer schwer haben, mit den beiden anderen, die einfach lange nicht so wirtschaftlich arbeiten müssen, mitzuhalten

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Einfaches HTML its erlaubt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Kommentare mit RSS abonnieren