Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

L’Arnsbourg

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Untermuhltal in Baerenthal – hinter diesen scheinbar unwirklichen Ortsangaben verbirgt sich ein kulnarisches Paradies allerhöchster Güte; mitten im Wald. Hier, im L’Arnsbourg im Elsass, kreiert Jean-Georges Klein avantgardistische Gerichte von höchster Kreativität und einem Genusserlebnis, an das meine Begleitung und ich uns lange erinnern werden.

Das Menu Découverte besteht – zählt man auch alle Amuse-Bouches (Petits Savoureux Apéritifs) und sonstigen außerordentlichen Aufmerksamkeiten hinzu (und das kann man bedenkenlos tun) – mindestens aus 25 Gängen. Klein kombiniert dabei Erkenntnisse aus der „molekularen“ Küche mit Traditionellem auf eine Art und Weise, wie ich sie bei Adrià vermisst habe. Die Gerichte bei Klein sind allesamt unglaublich köstlich – und reichhaltig; ich war in den letzten Jahren wirklich selten gleichermaßen so gesättigt wie zufrieden von einem Essen.

Besonders reizvoll bpsw. die Découpe de Langoustine en Graduation et son Croustillant – eine Art Langustinentartar, angerichtet in Achteln eines Kreises, jeweils mit einem farbigen Tupfer von konzentrierter Früchtereduktion (u. a. Orange, Pampelmuse, Yuzu, Limone, Passionsfrucht).

Reichhaltig und schmackhaft im Anschluss die Gnocchi de Pommes de Terre Soufflé, Raviole de Beurre de Baratte, Bouillon à l’Infusion de Muscade: In einer Bouillon, die angenehm leicht nach Muskat schmeckt, schwimmen drei sphärisierte Gnocchi, zu denen sich jeweils eine Butterflocke gesellt.

Es folgten Rouget à la Plancha, Gel de Rhubarbe, Purée d’Olives Noires et Huile à l’Infusion de Verveine und Œuf Mollet à l’Asperge Blanche, Crème Légère aux Morilles. Letzteres faszinierte u. a. durch ein handwerklich aufwändiges Ei(gelb) in einer Spargelhülle, das in Summe aussah wie ein gewöhnliches Ei.

Großartig danach die Grillade de Foie Gras de Canard, Févettes et Fraises, Bouillon au Kaffir: eine leicht gegrillte Entenstopfleber, dazu, für die Süße, eine Gelee von Erdbeeren. Grüne Saubohnen sorgen dabei auch für einen optischen Kontrast. Abgeschlossen wird der Gang mit einer Bouillon von der Kafir-Limette.

Es geht weiter mit Homard Bleu ‚Rockefeller‚, einem Cornet ‚Waldorf‘, einem Milchlamm (das als einziges Gericht leider relativ gewöhnlich war) sowie einem Cappucino de Pommes de Terre et Truffe, einer Invitation à la Découverte und Petites Gâteries de Fin de Repas sowie einer, uns ans Herz gelegten, Käseplatte mit großartigen Rohmilchkäsen.

Hier wird man satt und glückselig. Hinzu kommt ein auf diesem Niveau sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis: 140 Euro für das große Menü – da hat der „Feinschmecker“ recht, indem er sagt, dass man hierfür in Paris (auf dem Niveau) nicht mehr viel bekommt. Stimmt – bei Pierre Gagnaire kosten einige Vorspeisen mehr.

Angeschlossen an die Gastronomie, nur wenige Meter zu Fuß entfernt auf einer Anhöhe, befindet sich das erst kürzlich eröffnete „Hotel K“, das eher wie ein Apartmenthaus wirkt als ein Hotel: Die Zimmer sind modern, sehr geräumig und von einer teilweise japanisch anmutenden Schlichtheit geprägt. Ein offenes Bad; ein großzügiger Schlafbereich und eine geräumige Terrasse mit Blick auf den Wald.

An diesem Ort scheint es, als hätte sich hier jemand (Jean-Georges Klein) einen großen Traum erfüllt, den er mit Leidenschaft lebt – ungeachtet aller Kosten und Mühen – mit dem charmanten Nebeneffekt, den Reisenden zu verzaubern.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: L’Arnsbourg (→ Website)
Chef de Cuisine: Jean-Georges Klein
Ort: Baerenthal, Frankreich
Datum dieses Besuchs: 21.06.2008
Guide Michelin (F 2008): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 9

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