Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Restaurant Prinz Frederik im Hotel Abtei

Hinweis: Dieses Restaurant ist inzwischen geschlossen.

Das kleine Restaurant und Hotel in der gediegen-noblen Abteistraße in Hamburg gehört mit seiner stilvollen Einrichtung ohne Zweifel zu den schönsten kulinarischen Adressen der Hansestadt. Die intime Atmosphäre im Kaminzimmer lädt vorab zum Stöbern der Speise- und Weinkarte bei einem Glas Champagner (Pommery Rosé NV) ein.

Drei Menüs, zwischen € 70 und € 95 stehen zur Auswahl. Meine Wahl fällt auf „Jochen Kempfs Menü“, mit Ausnahme des zweiten Gangs, den ich durch ein anderes Gericht ersetze.

Der Gruß aus der Küche beinhaltet eine Wachtel-Mousse und Kaninchen-Carpaccio(!) und gefällt geschmacklich gut. Dessen ungeachtet wird rohes Kaninchenfleisch ab sofort ganz sicher nicht weit oben auf meinem Speiseplan stehen. Ferran Adriàs fritierte Hasenohren empfand ich als weniger gewagt.

Der erste Gang, Gâteau und Crème Brûlée von der Gänseleber, Kakaobohnen und Apfel, dazu ein Stück Brioche, ist handwerklich gut ausgeführt, kann jedoch nicht überraschen. Die Sauce aus Tonkabohnen und der Apfel bilden eine bewährte süße Einheit mit der Foie-Gras-Terrine. Der karamellisierte Zucker der als Löffeldegustation präsentierten Crème Brûlée, ist zu dominant für die feine Foie Gras. Ein herzhafter Gegenpol hätte hier stattdessen für mehr Spannung gesorgt.

Wir begleiten diesen Gang und den folgenden mit einem 2001er Gewürztraminer Cuvée des Seigneurs de Ribeaupierre aus dem Hause Trimbach (€ 48).

Der nächste Gang, Spinatravioli mit Parmesansauce, sautierte Froschschenkel und schwarzem Knoblauch sieht sehr schmackhaft aus und suggeriert etwas Fein-herzhaftes, enttäuscht jedoch vor allem durch die Sauce, die insgesamt zu wässrig und fad ist und es dadurch nicht schafft, das Gericht aufzuwerten. Gerade bei den von Natur aus etwas „langweiligeren“ Hauptzutaten wie Froschschenkel und Spinatravioli wäre eine Unterstützung durch eine gute Sauce wichtig.

Ich erhoffe mir ab jetzt eine signifikante Aufholjagd des Niveaus ab dem nächsten Gang, Filet vom Kabeljau mit Zitronengelee und Portwein-Verjus-Sauce.

Der Kabeljau hat eine schöne goldgelbe Kruste, ist gut gewürzt, wurde jedoch einen Hauch zu lang gegart. Das Zitronengelee und der kleine grüne Spargel passen gut zum Fisch, jedoch missfällt erneut die Sauce, die auch hier von zu flüssiger Konsistenz ist. Zudem nimmt ihr der Verjus eine Süße, die das Gericht gut ergänzt hätte. Ein Schwung eiskalter Butter hätte der Sauce bestimmt ebenfalls nicht geschadet und ihr den erforderlichen Glanz verliehen.

Wir gehen nun über zu einem 2003er Spätburgunder Centgrafenberg „R“ vom Weingut Fürst aus Franken, den ich im Jahrgang 2005 für einen großen deutschen Burgunder halte, und der hier in 2003 jedoch deutlich hinter seinem jüngeren Bruder stehen muss (€ 98).

Im Übrigen bietet die Weinkarte nicht viel Spannendes, und Burgunder und Bordeaux sind maßlos überteuert (1986er Les Ormes de Pez für € 160!?).

Beim Filet vom US-Beef mit Langpfeffersauce und Mangold und der danach von uns noch zusätzlich, in Hoffnung auf wenigsten einen sehr guten Gang, bestellten Wildente werden abschließend die Schwächen des eigentlich sehr sympathischen und ohne Zweifel sehr bemühten Restaurants mit seinem freundlichen Personal deutlich: Bei fast allen Gerichte dominiert eine Hauptzutat neben wenigen offensichtlichen Beilagen. Nach wenigen Gabeln besteht der Teller vor einem nur noch aus dieser Hauptzutat und einer Sauce. Wenn nun schon keine ergänzenden Zutaten mehr auf dem Teller vorhanden sind und die jeweilige Hauptzutat dann nicht von solch außergewöhnlicher Qualität ist, dass sie den Gast in fassungsloses Staunen versetzen kann, dann muss zumindest die Sauce hier unterstützend zum Einsatz kommen.

Auch eine noch außerhalb des Menüs bestellte Wildente ist langweilig und ist die zusätzlichen 30 Euro leider beim (tatsächlich vorhandenen) besten Willen nicht wert. Die Patisserie ist gut, aber weder überraschend noch überragend.

Der sehr mächtige Gruß aus der Patisserie und das Dessert, Gebackener Schokoladenbeignet, Pralinécreme, Clementinensorbet und Lakritz, bringen keine Wende.

Aufgrund der charmanten, leger-professionellen Art des Teams, des Wolhfühl-Ambietens und der trotz aller Schwächen sichtbaren Mühen der Küche, würde ich bei diesem Restaurant viel lieber ein positives Fazit ziehen wollen, jedoch überwiegen die Schwächen der Gerichte zu deutlich.

Für ein romantisches Tête-à-tête bietet dieses Restaurant bestimmt einen schönen Rahmen, kann jedoch von der Küche, zumindest heute Abend, leider nicht überzeugen.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Prinz Frederik (→ Website)
Chef de Cuisine: Jochen Kempf
Ort: Hamburg, Deutschland
Datum dieses Besuchs: 19.11.2009
Guide Michelin (D 2010): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,5

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