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Seven Seas – hoch hinaus in Hamburg

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Mit Spannung blicke ich auf den Abend vor mir, den ich in 75 m Höhe im Restaurant „Seven Seas“ auf dem Süllberg in Hamburg verbringen werde. Ob es sich jedoch auch um einen gastronomischen Höhenflug handelt, gilt es heute, herauszufinden.

Erwartet hatte ich eine an die, sagen wir, diesem Stadtteil eher traditionell-gehobene Klientel angepasste Atmosphäre des gesamten Hauses. Zu meiner Erleichterung ist das Gegenteil der Fall: Der Service jung, charmant und offenherzig, und das Ambiente im kleinen Speisesaal im Türmchen des Hauses könnte man mit moderner Gemütlichkeit beschreiben. Ich fühle mich auf Anhieb wohl am Tisch. Leider ist es an diesem Abend im Spätherbst bereits so dunkel, dass man die schöne Aussicht auf die Elbe nur erahnen kann.

Vergleiche zum Jacobs liegen an diesem Abend nicht nur der Lage wegen auf der Hand, sondern auch, weil ich bis dato Thomas Martins Gerichte für die besten in Hamburg halte, knapp gefolgt von Wahabi Nouris Piment, und somit nur noch dieses Restaurant den anderen zweien den Rang innerhalb des Ein-Sterne-Niveaus ablaufen könnte.

Über das Amuse-Bouche habe ich keine Notizen und keine Fotos. Es waren drei oder vier kleine Häppchen, die alle gut waren.

Die Vorspeise, Lauwarmer Salat von der Königskrabbe mit Fenchel und Emulsion von Zitrusfrüchten (€ 36), ist ebenfalls ein guter Einstieg, an den ich jedoch, darüber hinaus, keine weitere Erinnerung habe.

Die folgende Velouté von französischen Berglinsen mit zweierlei vom Kaninchen und Herbsttrüffel (€ 22) habe ich trotz – oder gerade wegen – des erst kürzlich erlebten Kaninchen- und Trüffel-Debakels gewagt, zu bestellen. Mein Mut zahlt sich aus in der erfüllten Hoffnung, dass keinerlei der zweierlei vom Kaninchen ein Carpaccio ist und die Velouté nicht mit Trüffelöl aromatisiert wurde. Ein winterliches, herzhaftes und doch feines Gericht. Sehr gut.

Derweil hatten wir ein sympathisches Gespräch mit dem Sommelier, der uns – bei unserer anfänglichen Suche nach einem Saint-Emilion – auf den erst kürzlich eingetroffenen 2000er Pontet-Canet hinweist, den wir freudig bestellen. Klar, noch ein Baby, aber bei Pontet-Canet werde ich schwach, und das Preis-Leistungs-Verhältnis ist ausgesprochen fair mit ca. € 130 für die Flasche.

Vorweg vergnügen wir uns jedoch mit einem 2005er Newton Unfiltered Chardonnay aus Napa: Die Sonne spürbar im Glas, begeistert der Wein mit Aromen von Brioche, Birne und Guave, dezentem Einsatz von Holz und durch seine unglaubliche Dichte, ohne dabei aufdringlich zu sein. Der Wein passt hervorragend auch zum jetzt folgenden Neuseeland-John-Dory mit Limone confiert mit Baby-Pak-Choy und Karotten-Textur (€ 36). Der Petersfisch ist nicht von herausragender Qualität, aber gut; die Kombination insgesamt gefällt.

Das Filet vom Bison und Gänseleber geschichtet mit Bohnen-Cassoulette und Kartoffelvariation (€ 42) ist geschmacklich sehr gut, allerdings etwas ungünstig zu handhaben. Das Cassoulette muss man regelrecht demontieren, da die Bohnen erfolgreich fest zusammenhalten, und die gebratene Gänseleber gehört natürlich auf das Bisonfilet und nicht darunter; so muss man umschichten. Auch etwas mehr Sauce hätte das Gericht gut vertragen können. Die Qualität des Fleischs ist exzellent.

Bis hierhin ziehe ich eine sehr gute Zwischenbilanz, und allein der angenehmen Atmosphäre wegen ist dieses Restaurant in Hamburg mit Sicherheit eine Alternative zum Jacobs und verdient seinen Stern, wenngleich Thomas Martin mit seinen wundervollen Saucen und Produkten in teilweise deutlich überlegener Qualität so manche Gerichte übertrumpfen kann.

Der Gruß aus der Patisserie ist nett, aber belanglos. Die folgende Geeiste Lasagne von Valrhona-Schokolade mit Passionsfrucht, Wild Rosella und Litschi-Eis (€ 18) ist gut, aber meine Erinnerung daran nur noch vage – mittlerweile ist schließlich auch der Pontet-Canet am Ende.

Ich freue mich auf diese weitere sehr gute Adresse in Hamburg und auf einen nächsten Besuch an einem lauen Sommerabend auf der Terrasse.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Seven Seas (→ Website)
Chef de Cuisine: Karlheinz Hauser
Ort: Hamburg, Deutschland
Datum dieses Besuchs: 03.12.2009
Guide Michelin (D 2010): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 7

2 Antworten zu “Seven Seas – hoch hinaus in Hamburg”

  1. Tobias Durda

    Die Bildqualität ist ja nicht die beste :D
    Hat der Wein dort seine Arbeit getan?

    Gruß Tobi

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