Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Auberge du Soleil

Im hügeligen Hinterland bei Rutherford liegt die Auberge du Soleil, ein Relais&Châteaux-Resort mit einer grandiosen Aussicht auf das Napa Valley. Das Restaurant beherbergt eine großzügige Terrasse mit Blick auf das Tal und – idealerweise – auch auf den Sonnenuntergang. Leider spielt das Wetter an diesem Abend nicht ganz mit, und so sitzen wir innen. Dank der vollflächig verglasten Fensterfront ist das mit dem fehlenden Ausblick allerdings nur halb so schlimm.

Das Interieur ist mediterran, erdfarbene Töne und Holz dominieren, und auch der Service ist sehr zuvorkommend. Hier stehen voll und ganz die Entspannung und das Wohl der Gäste im Vordergrund.

Ich entscheide mich für das viergängige Menü ($ 105), das man sich flexibel aus der Karte zusammenstellen kann.

Eine halbe Flasche Staglin Chardonnay 2007 ($ 83) ist Aperitif und Begleiter der ersten Speisen zugleich: zunächst das Amuse-bouche, mit Krebsfleisch, Paprikasauce und Estragon.

Ein gelungener, frischer Auftakt, der elegant mit den etwas süßlichen und fein säuerlichen Aromen spielt. Es folgt der erste Gang.

Das Poached Lobster Tempura, Young Coconut, Mango, Lime Vinaigrette, ist ähnlich konzipiert, spielt aber mehr mit Texturen und ist insgesamt sehr harmonisch.

Die Sautéed Foie Gras, Poached Rhubarb, Pain Perdu, Pistachios, Licorice Sauce ist ein Paradebeispiel gebrantener Gänseleber und beinhaltet alles, was ein solches Gericht braucht, um glücklich zu machen: die unterstützende Süße des Brioche-Brots, herzhafte Kontraste durch den Rhabarber und die (dezente) Lakritz-Sauce.

Der Chardonnay hat derweil ausgedient, und ich bestelle als nächstes einen Shafer „One Point Five“ Cabernet Sauvignon 2006 (halbe Flasche, $ 75). Der Wein ist gut, aber man muss keine großen Worte über ihn verlieren.

Das Grilled Veal Chop, Morels, Bloomsdale Spinach, Crispy Onions braucht zwar zwei Anläufe (das erste Mal musste ich das Gericht zurückgehen lassen, da es erkaltet war), kann dann aber alle Trümpfe ausspielen: ein Kalbskarree von einer Güte, bei der man nicht mehr sehr viel tun muss, damit es hervorrragend schmeckt; knupsrige, herzhafte Zwiebeln; Morcheln; frischer Spinat und eine all das unterstützende, würzige und gleichzeitig elegante Sauce. Ein Gericht mit sehr hohem Genusswert.

Ausreichende Zeit später, vor dem Dessert, wird ein Tamarind Spritzer with Coconut Cream serviert, der ein wenig die „Geschmacksnerven reinigt“, aber sonst nicht viel zu bieten hat.

Das Dessert, Crisp Filo Wrapped Chocolate Dumplings, Tarragon Ice Cream, Arbequina Olive Oil, ist wieder köstlich. Auch, wenn ich – entgegen dem Trend – Olivenöl lieber bei Fisch und Gemüse wiederfinde, passt es hier doch sehr gut zu üppiger Schokolade und dem Estragoneis. Das Dessert schmeckt ausgezeichnet, ist nicht zu süß, und selbst die mittlerweile erhärtete Schokoladendekoration versuche ich, vom Teller zu kratzen.

Chefkoch Robert Curry und sein Team präsentieren eine unprätentiöse Küche, die Spaß macht, sich wohlfühlen lässt und richtig gut schmeckt. Die Gerichte möchten dabei weder besonders raffiniert noch sehr vielschichtig sein, begeistern jedoch durch ihre klare Art und die frischen Zutaten.

Das nächste Mal – ich hoffe darauf – ist die Sonne der Auberge nicht nur im Namen und auf dem Tisch, sondern auch noch auf der Terrasse.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Auberge du Soleil (→ Website)
Chef de Cuisine: Robert Curry
Ort: Rutherford, Napa Valley, USA
Datum dieses Besuchs: 26.04.2010
Guide Michelin (SFO 2010): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,9

Schreibe einen Kommentar

Einfaches HTML ist erlaubt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diesen Kommentar-Feed über RSS abonnieren