Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Le Canard nouveau – aalglatt

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„Nouveau“ ist das Restaurant mit Küchenchef Ali Güngörmüs schon länger nicht mehr, sondern eine gut etablierte Größe an der Hamburger Elbchaussee. Mein letzter Besuch ist über zwei Jahre her, und damals wurden nahezu alle Gerichte des Menüs mit penetrantem Trüffelöl entstellt, was mich nicht so schnell wieder an eine Rückkehr denken lassen wollte.

Doch am heutigen Abend erscheint mir der Abstand groß genug, die Speisekarte einladend, und so sitze ich erneut in dem charmanten, runden Speisesaal mit Blick auf den wie zu jeder Zeit eindrucksvoll illuminierten Containerhafen.

„Haben Sie auch Champagner?“, frage ich berechtigt, wird uns zum Aperitif „zum Beispiel ein Sekt oder ein Sherry“ offeriert, doch wenig später steht tatsächlich ein Glas Philipponnat Rosé zu vergleichsweise fairen € 14 auf dem Tisch. Faire Preise zeichnet auch die Speisekarte aus, wenn man bedenkt, dass man vier Gänge für € 68 erhält und selbst das größte Menü mit sieben Gängen sich noch (knapp, aber immerhin) im zweistelligen Bereich befindet – eine Rarität in den meisten Restaurants mit Stern, auch in der Hansestadt. Ich entscheide mich für eine sechsgängige Variante (€ 88).

Die Gerichte des Abends zeichnen sich durch eine gewissenhafte Zubereitung und gute Zutaten aus. Alles schmeckt gut, es gibt keine Fehler, kein erneutes Trüffelölfiasko – aber auch keinerlei Überraschungen oder herausragende Akzente. Das Menü ist „aalglatt“, könnte hier oder an jedem beliebigen anderen Ort der Welt serviert werden, und das klingt negativer als es gemeint ist.

Lediglich der Sommelier hat heute nicht gerade die Sympathie mit Löffeln gegessen. Als wir ihm nach seiner Frage, wie das Amuse-bouche geschmeckt hätte, versuchen, zu erläutern, dass das Linsensüppchen viel zu heiß war und dies ruhig einen Hinweis zugunsten unserer und vielleicht noch anderer Gaumen wert gewesen wäre, wendet er sich während unserer Erklärung einfach murmelnd und offensichtlich belustigend von uns ab. Solche Attitüden sind einfach fehl am Platz.

Die Gerichte dieses Abends:

Tatar vom Bio-Galloway-Rind „orientalisch“, Raz-el-Hanout-Joghurt und Aubergine. Sehr frisch, angenehm pikant und würzig und mit angenehm orientalischen Akzenten, die an Wahabi Nouri erinnern.

Danach Wildessenz mit Champignon-Lauchtarte: Eine vorbildlich umgesetzte, sehr aromatische und feine Essenz; das Törtchen dazu ist leicht und passend. Nur die Portion könnte ggf. etwas geringer ausfallen – so ist das doch schon sehr aufheizend.

Räucheraal lauwarm mit Roter Bete, Apfel, Meerrettich und Röstzwiebeln

Dies ist ein Gericht, das mit einfachen, aber angenehm herzhaften Aromen irgendwie an Hotdog erinnert. Das meine ich gar nicht herablassend, denn so ein Wurstbrot mit Röstzwiebeln kann ja in bestimmten Momenten durchaus befriedigend sein. Die Parallele entsteht sowohl auf textureller Ebene durch die Röstzwiebeln in Verbindung Brot und Aal als auch auf aromatischer. Eine vielleicht überhaupt nicht beabsichtigte Parallele, aber dennoch eine schmackhafte.

Dorade auf der Haut gebraten mit Nudelfetzen, Safranfäden und Gemüse im Sud

Gut gebraten, gut gewürzt, angenehm mediterran, aber etwas „zu sehr aus dem Lehrbuch“.

Ravioli von der Bio-Pommerngans mit Balsamico-Gänseleberlinsen und Spitzkohl

Herzhaft und ausgewogen.

Rosa gratinierter Rücken und geschmorte Backe vom Kalb mit Karotten‐Orangencreme und Rosenkohl

Das eindeutig beste Gericht des Abends zeichnet sich durch vorbildlich geschmortes, hocharomatisches Fleisch aus und einer feinen Zusammenstellung kleiner, frischer Gemüse und der exzellenten Karotten-Orangencreme. Auch die sehr gute Sauce bringt alle Komponenten angenehm zusammen, ohne aufdringlich zu sein. Ebenfalls wie aus dem Lehrbuch, aber wenn das alle so lernen würden – umso besser.

Für Käse und Dessert soll heute kein Platz mehr sein – außerdem ist die Feigen-Senf-Sauce sowieso mal wieder die von „Wolfram Berge Delikatessen“, das kann ich auch zu Hause essen.

In Summe war dies ein durchweg gutes, sorgfältig zubereitetes Menü, das jedoch ohne Emotionen daherkommt – aber die kommen schließlich dank Hafenkulisse, Tischgesprächen und gutem Wein ohnehin nicht zu kurz.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Le Canard nouveau (→ Website)
Chef de Cuisine: Ali Güngörmüs
Ort: Elbchaussee 139, Hamburg
Datum dieses Besuchs: 05.02.2011
Guide Michelin (D 2011): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,9

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