Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Falco – im Tiefflug über Leipzig

„Die heute im deutschen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung Turmfalke weist darauf hin, dass Turmfalken auch menschliche Bauwerke als Brutplatz nutzen und dabei bevorzugt in den obersten Regionen nisten.“ (Quelle: Wikipedia)

Wer sich hiervon überzeugen möchte, der sollte im Restaurant „Falco“ des Hotels Westin Leipzig einkehren — auch, wenn einen das Äußere des Hotelgebäudes zweimal darüber nachdenken lässt, ob man nicht lieber einen großen Bogen darum machen sollte.

Oben, im siebenundzwanzigsten Stock, nisten tatsächlich die imposanten Greifvögel in einem außen angebrachten Verschlag. Während der Brutzeit kann man dann in der Bar des Restaurants das gefiederte Spektakel bei einem Glas Champagner auf einem Monitor betrachten. Heute Abend ist keine Brutzeit, doch ein schlafender Falke ist später dennoch auf dem Sims in schwindelerregender Höhe auszumachen.

Der Empfang im Restaurant ist herzlich und das gesamte Personal von Beginn an unkompliziert, charmant und professionell. Nahezu jeder Tisch offenbart dem Speisenden eine Aussicht über das nächtliche Leipzig, wie sie sonst nur Vögeln gegönnt ist. Während diese jedoch für ihre Beute nichts zahlen, muss der Gast im Falco dafür recht tief in die Tasche greifen (z. B. € 288,- für das dreizehngängige(!) große Degustationsmenü). Dafür ist die Weinkarte wiederum äußerst fair. Es ist möglich, fast beliebige Weine glasweise verkosten; gern öffnet der kompetente Sommelier die gewünschte Flasche. Ich ziehe meinen (imaginären) Hut vor diesem mutigen, aber einzig schlüssigen Konzept. Essenspreise hoch, Weinpreise runter – das halte ich in vielen Restaurants für angemessen und nachvollziehbar. Ich zahle lieber dreihundert Euro für ein Essen, das ich niemals selbst zubereiten könnte als dreihundert Euro für eine Flasche Wein, die ich für fünfzig selber im Keller habe. (Aber diese ganze Preis-Diskussion bedarf beizeiten mal einer eigenen kleinen Abhandlung.)

Zum Champagner (Mailly Rosé Grand Cru) werden eine Reihe Amuse-Bouches serviert. Der Langustinen-Beignet à la Puttanesca ist saftig, kross und leicht pikant; die Schieferplatte offeriert mit Haferflocken-Creme, Bergamotte, Mozarella pulverisiert; Aal/Gurke & Hendrick’s Gin sowie Hühnertee & Kräcker „thailandaise“ außer des hocharomatischen Süppchens nichts wirklich Begeisterndes.

Sehr gut finde ich das Angebot vom Sommelier, nicht nur mir, sondern auch meiner Begleitung die Weinkarte zu reichen. Auf diese Weise langweilt sich während der Auswahl niemand, und man kann gemeinsam darin stöbern. Eine einfache und erfrischende Idee.

Es werden jetzt einige Teigerzeugnisse und Beilagen auf dem Tisch platziert, die offenbar als Substitut für herrlich duftendes Brot und gesalzene Fassbutter herhalten sollen. Es handelt sich dabei um eine Art Teigskulptur (steinhart und ungenießbar), dazu weiteres Gebäck in Stäbchenform (auch ziemlich trocken), eine Steinpilzcreme (äußerst unpassend) und geleeartige Drops, an deren Zutaten ich mich nicht mehr erinnern kann (Frischkäse/Yuzu?). Ich sehne mich nach dem Duft und dem Biss hausgemachten Brotes… Schwamm drüber, es kann nur besser werden und hat ja nicht einmal richtig begonnen.

In der Tat ist der weitere Gruß, Lachs roh, gehacktes Eigelb, Hüttenkäse, Litschi, Emulsion von Haselnussöl mit Pfefferminze und frischem Meerrettich um Längen besser. Der Lachs ist von sehr guter Qualität und ergibt mit den weiteren Zutaten ein kleines, aber feines harmonisches Ganzes. Ein Hauch Meersalz hätte indes noch für einen kleinen „Anschub“ sorgen können.

Als nächstes folgt ein weiteres Gericht vor dem eigentlichen Menü – geräucherte Entenstopfleber mit grüner Olivencreme, Mais-Crunch und Erdbeer-Gel. Die Präsentation wirkt etwas unbeholfen, aber die aromatische Komposition gefällt. Die Erdbeere ist ein gelungener Mitspieler der Foie Gras, und die feinen Maisbrösel sind angenehm kross dazu. Nicht hervorragend, aber gut.

Bei dem dreizehngängigen Menü, das erst mit dem nächsten Gericht beginnt, lasse ich mir von vornherein offen, eventuell den einen oder anderen Gang auszulassen, denn bereits die Speisekarte suggeriert durch die dargebotene Vielfalt und Produktauswahl, dass es sich nicht um minutiöse Portionen handeln wird. Den Beginn der Reise macht Knusprige rote Bete mit Kokosnuss und Kaviar Prunier Héritage.

Eine Schieferplatte zieren zwei mit Kokosnussschaum gefüllte und mit Kaviar getoppte Röllchen, die aus dehydrierter roter Bete bestehen. Wenn man die richtige Dosierung der einzelnen Komponenten auf seine Gabel bekommt (was nicht ganz einfach ist, da man das Ganze etwas umständlich dekonstruieren muss), ergibt sich ein überzeugender Gesamteindruck, bei dem verschiedene Texturen und Aromen gut harmonieren. Es gelingt (mir) jedoch nicht immer, diese richtige Kombination zu finden, und immer dann überwiegt der eher unvorteilhafte Eindruck einer etwas zu süßen Kokoscreme, löschpapierartiger roter Bete, die lästig am Gaumen klebt und Kaviar, der in alldem geschmacklich unterzugehen droht. Ein Gericht, das nur dann überzeugt, wenn man „alles richtig macht“.

Das Kaninchen-Sandwich (Leber und Niere in Pistazienöl pochiert) mit Calamaretti à la plancha, Birnen-Relish scharf und Brioche-Eiscreme lasse ich nach einigem Probieren fast komplett stehen. Die Innereien sind mir zu „schmierig“ (was in ihrer Natur liegen mag), und die anderen Zutaten sind trocken, bröselig, unpassend (Birne? Eis??) und teilweise bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Auch habe ich mir selten eine gut gemachte, klassische Sauce mehr herbeigewünscht als hier. Leider für mich ungenießbar.

Nur marginal besser ist das Gericht Taschenkrebs-Keks façon „Oreo, Entenstopfleber in Malzbier gegart, cremierter Bohnensalat mit Speck, Kiwi und kandiertem Ingwer. Die Kekse bestehen aus einem zu harten Teig und einer monotonen Füllung, die Stopfleber ist allenfalls gewöhnlich, und das sonstige Gemüse wirkt verloren und uninspiriert. Von Harmonie und Wohlgeschmack keine Spur, und abermals ist das Gesamtempfinden sehr trocken.

Spätestens jetzt haben sich hinsichtlich des Essens Frustration und Hoffnung eingestellt. Zwar tragen der charmante Service, der gute Wein und die tolle Aussicht dazu bei, die Stimmung des Abends nicht allzu sehr zu trüben, doch kulinarisch ist das schon recht enttäuschend. Mit Genuss hat das bisher alles nichts zu tun — und das ist zumindest für mich der zentrale Anspruch an jedes Restaurant, vor allem auf diesem Preisniveau.

Die Jakobsmuschel (roh / gegrillt) und Périgord-Trüffel mit Blaukraut-Entenleber-Flan, Wintergemüse dehydriert und Yuzu-Nage ändert am bisherigen Eindruck nichts. Hier wird der Esser konfrontiert mit einem auf dem Teller aufgemalten lila Streifen, dehydriertem (pappigem) Gemüse, einer gewöhnlich gegrillten, hoffnungslos verlorenen Jakobsmuschel, einem fast neutral schmeckenden „Stab“ aus bis zur Unkenntlichkeit verfremdeten Ingredienzen und einem einigermaßen akzeptablen Arrangement aus roher Jakobsmuschel, Trüffeln und – endlich mal – einer Sauce, die dieser Komponente etwas Halt gibt. Ich klammere mich an Strohhalme.

Der Winterkabeljau (Skrei), belgische Endive in Sobrasade-Öl konfiert mit Limonenkresse und Datteln, abgeschmeckt mit Fenchelsamen ist dann sehr gut. Ihn zu essen fühlt sich für mich in etwa so an, wie es einer Pflanze ergehen muss, die nach Wochen der mediterranen Hitze endlich wieder von einem Regenschauer zehren kann. Es gibt Sauce! Es gibt gut gebratenen Fisch von hervorragender Qualität! Die Aromen sind harmonisch und authentisch, Texturen wechseln sich gekonnt ab – das schmeckt richtig gut und ist so schnell verputzt wie das Regenwasser in der porösen Erde versickert wäre. Geht doch.

…Oder? Der St. Petersfisch mit Gemüsetartar von elf Gemüsen, Ananas-Taboulé mit Naan-Malto – abgeschmeckt mit Achiote-Gewürz – und Garam-Masala-Vinaigrette ist trist. Trotz einer abermals beeindruckenden Liste an Zutaten und Ideen auf dem Papier, fällt das Erlebnis auf dem Teller unbefriedigend aus. Der Fisch ist übergart, und das Gemüseallerlei schmeckt schlicht nach einer erkalteten Ratatouille mit indischer Gewürzmischung. Das kann man zwar essen, aber nicht genießen.

Der Blaue Hummer mit Corail-Biskuit, Tamarillo-Fruchtfleisch, Lauch-Staub, Lardo-Schmalz und Kamille-Crunch ist konsequent trivial. Der Hummer ist von guter, aber nicht überragender Qualität, die Saucen sind schwach, und der „aufgeschwämmte“ Corail ist nicht nur mit „Lauch-Staub“ bedeckt, sondern schmeckt auch so. Wie gut wäre jetzt eine klassische, intensiv aromatische Hummer-Bisque…

Es folgt Wagyu-Beef à la Teppanyaki, aus der Schulter geschnitten/private selection mit Steckrübenkraut, Chorizo-Kirsch-Tapenade, Schwarztee-Mango-Aroma und Blumenkohl-Cous-Cous mit bitterer Kuvertüre Valrhona 100 %. Was für ein Titel. Doch was für eine Enttäuschung. Wo das Fleisch der Wagyu-Rinder ansonsten durch die hohe Fettmaserung einen typischen nussig-buttrigen Geschmack aufweist und jeden Bissen nahezu im Mund schmelzen lässt, ist dieses Fleisch mager und säuerlich. Die weiteren Zutaten würden gut dazu passen, bieten jedoch wenig Freude, wenn schon der Protagonist nicht überzeugt.

Einzig erfreulich ist in dieser Situation der 1999er Morey-Saint-Denis von Dujac, den wir mittlerweile glasweise verkosten (und später doch noch die Flasche schaffen).

Trotz meines hohen Sättigungsgrads und dem Auslassen einiger Gänge, schiebe ich jetzt noch einen kleinen Käsegang ein — ich brauche jetzt etwas Authentisches —, bevor ich mir ein Bild der Patisserie verschaffen kann.

Die Desserts, die folgen, reihen eine Enttäuschung an die nächste. Die Luftschokolade mit Malz-Steinen, Tomatenkernen, Pfefferminz und schwarzem Knoblauch erfüllt zumindest demjenigen, der sich jetzt auf süße Frivolitäten freut, keinen Wunsch. Die skurrile Aneinanderreihung von salzig-herzhaften Komponenten und Schokolade schmeckt grauenhaft (und ich verwende solch drastische Adjektive wirklich äußerst ungern) — genauso wie Petersilien-Haferflocken mit Nougat, Zitronen-Mayonnaise und Avocado-Bananen-Eiscreme, das geschmacklich an eine Portion Nutella mit Kellogg’s Smacks erinnert und auch optisch wegen der stark gelierten Zutaten bereits Skepsis statt Vorfreude aufkommen lässt. Und auch die pappigen Schwämme sind wieder da.

Schluss- und Tiefpunkt des Menüs bildet das weitere Dessert Red (Hibiskus / Rote Bete), White (weiße Amadei-Schokolade / Zitronengras / Gewürzjoghurt pulverisiert), das ich als regelrechte Zumutung empfinde. Die roten „Schwämme“ sind dieses Mal nicht pappig, sondern steinhart — das ist wohl Absicht —, und die sonstigen pulverisierten Zutaten sind so staubig und trocken, dass man aufpassen muss, sie nicht zu inhalieren. Auch die rote Bete dazu ist nicht automatisch gut, weil sie als Zutat in einem Dessert ungewöhnlich ist, sondern schlicht und einfach völlig unpassend. Das ganze Gericht ist hart, staubig, bitter und alles, nur kein Dessert. Ich lasse fast alles stehen und träume vom Schlaraffenland.

Traurig aber wahr — auch bei den Pralinen wurde strikt auf alles Bewährte verzichtet, und man muss Zutaten wie Wasabi, Balsamico, Ziegenkäse-Curry und Tomate über sich ergehen lassen.

~~~

Regelmäßige Leser meiner Beiträge werden wissen, dass ich modernen Zubereitungsmethoden und ungewöhnlichen Kompositionen grundsätzlich sehr offen gegenüberstehe. Ich halte eine Trennung zwischen „modern“ und „klassisch“ sogar nicht einmal für besonders relevant, da „modern“ schlicht „zeitgemäß“ bedeutet. Und eine gute zeitgemäße Küche nimmt für sich nicht in Anspruch, mit allem Bewährten brechen zu müssen, sondern neue Erkenntnisse und Möglichkeit so einzuarbeiten, dass sie dem Gast gustatorische Vorteile verschaffen.

Doch im heutigen Menü sah das leider völlig anders aus. Da wurde derart krampfhaft pulverisiert, aufgeschwämmt, dehydriert, „ungewöhnlich“ kombiniert und auf Bewährtes verzichtet, dass die wichtigsten Aspekte eines genussvollen Essens konsequent auf der Strecke blieben: Wohlgeschmack und Authentizität. Die einzigen zwei Gerichte, die gut waren (das Lachs-Amuse-Bouche und der Winterkabeljau), waren die am wenigsten manipulierten.

Warum nur serviert man anstelle von Brot ein ungenießbares Gebilde aus Teig? Warum verwendet man in Desserts überwiegend herzhafte Zutaten? Und warum verwandelt man irgendwelche Zutaten zu Schwämmen, wenn all dies nicht in allererster Linie dem Wohlgeschmack dient? Eine plausible Antwort fällt mir hierzu nicht ein.

Und zu guter Letzt sollte sich auch noch mal jemand über die Semantik der Speisekarte Gedanken machen. Diese ist nämlich durch wirre Interpunktion und unzählige Rechtschreib- und Grammatikfehler äußerst schwer zu entziffern, was sehr schade ist, da man sie während des Essens häufig als Legende einsetzen muss — sonst wüsste man in großen Teilen nicht, was da vor einem auf dem Teller liegt.

Trotz dieses kulinarischen Tiefflugs haben Atmosphäre und der nette, kompetente Service unter der Leitung von Oliver Kraft den Abend jedoch insgesamt heiter und kurzweilig gestaltet. Welch teures Vergnügen.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Falco (→ Website)
Chef de Cuisine: Peter Maria Schnurr
Ort: Gerberstr. 15, Leipzig
Datum dieses Besuchs: 12.03.2011
Guide Michelin (D 2011): **
Meine Bewertung dieses Essens (?): 5

11 Antworten zu “Falco – im Tiefflug über Leipzig”

  1. Stephan Kündiger

    letzte woche mit meiner freundin im falco gewesen … menu passion für 188 euro pro person – wir haben nicht gegessen, wir haben zelebriert und einfach genossen, vom ersten bis zum letzten bissen

    das ist haute cuisine auf allerhöchstem niveau und sämtiche restaurantkritiker, die etwas von ihrem job verstehen, bestätigen dies. immerhin ist das falco das einzige restaurant ostdeutschlands (ausgenommen berlin), das mit zwei sternen des guide michelin ausgezeichnet wurde und das zu recht

    … und wenn man die kritiken liest, wird der dritte stern wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen

    wer immer diesen verfälschten bericht hier geschrieben hat, er ist einfach unwissend und hat sich anscheinend selbst zum restaurant-kritiker ernannt – ein guter, bzw. gesagt objektiver ist er zumindest nicht, im gegenteil

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Interessant, dass Sie diesen mittlerweile über zwei Jahre alten Bericht kommentieren, obwohl Sie diesen Blog gar nicht kennen (sonst wüssten Sie ja, „wer diesen […] Bericht geschrieben hat“). Da Sie also weder meinen Blog kennen noch meine Einstellung zu diversen kulinarischen Themen, sind Ihre Vorwürfe natürlich völlig haltlos.

      Dies hier ist keine allgemeingültige Restaurantkritik über das „Falco“, sondern ein Bericht über das Essen eines Abends dort, an dem Sie gar nicht zugegen waren. Oder hatten Sie nach über zwei Jahren tatsächlich dasselbe Menü? Das wäre ja erschreckend.

      Anstatt leere Phrasen hinauszuposaunen („Haute Cuisine auf allerhöchstem Niveau“), wäre es viel interessanter (und sachlicher) gewesen, hätten Sie beschrieben, ob sich hinsichtlich der Kritikpunkte an meinem Menü inzwischen etwas geändert hat. Gibt es immer noch diesen harten Stein als Brotersatz? Wimmeln die Teller vor dehydrierten Molekularzeugs? Waren die Produkte gut, und welche Vergleiche können Sie dafür heranziehen? Usw.

      Aber für jemanden, der nicht einmal der Groß- und Kleinschreibung mächtig ist, mag eine derartige Aufgabe vermutlich überfordernd sein.

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  2. steinway

    Lieber Herr Walther, mein erster Gedanke nach dem Lesen Ihres Berichtes war: wer hat dich denn bezahlt?
    Inzwischen ist mein Entsetzen über Ihre Kleinkariertheit und Inkompetenz der Nachsicht gewichen, daß Sie das Angebot des Teams vom Falco um Küchenchef Peter Maria Schnurr einfach nicht verstanden haben und es wundert um so weniger, daß Hamburg noch immer mit ein-Sternern dümpelt. Wenn es für Sie bedauerlich war, für dieses grandiose Menü, welches ich selbst in erstklassigster Weise genießen durfte, seinen in diesem Niveau üblichen Preis zu zahlen, ist es um so bedauerlicher, daß Herr Schnurr für kulinarische Tiefflieger und Verweigerer wie Sie kochen mußte! @ Herrn Schnurr: bleiben Sie sich treu! Klasse setzt sich durch

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Sehr geehrter Herr Fischer,

      kurz zu Ihren Punkten:

      Dass Sie mir (in Hamburg in der Tat im gastronomischen Bereich zu Hauf anzufindende) Kleinkariertheit unterstellen, zeigt nur, dass Sie kein regelmäßiger (oder aufmerksamer) Leser meiner Beiträge sind, denn dann wüssten Sie, dass ich dies regelmäßig in der Hansestadt beklage.

      Im Übrigen scheinen Sie auch diesen Bericht nicht sehr aufmerksam gelesen zu haben, was bspw. Ihre Aussage über das von mir angeblich beklagte (tatsächlich jedoch gelobte) Preisniveau zeigt.

      Und das mit der Inkompetenz und dem angeblichen Unverständnis gegenüber der an dem hier beschriebenen Abend servierten Küche zeigt mehrere Dinge: Erstens, dass Sie offenbar eine andere – Ihnen gegönnte, aber in meinen Augen falsche – Meinung davon haben, wo die Prioritäten in einem Restaurant in Bezug auf den Gast liegen sollten. Sobald man nämlich Menüs mehr „verstehen muss“ als sie wohlschmeckend sind, mehr „neuartig“ sind als authentisch und harmonisch, ist aus meiner Sicht der Fokus falsch gesetzt. Wollen Sie allen erstens behaupten, dass löschpapierartige Komponenten, harte Teigskulpturen, unaromatische Schwämme usw. Verständnis bedürfen, um diese genießen zu können? Dass man solche Ideen auch dem Genuss zuträglich umsetzen kann, zeigen viele der besten Köche eindrucksvoll. Kompetenz und kulinarisches Verständnis sind aus meiner Sicht immer nur ein „erweiternder“ Teil des gesamten Genusserlebnisses (und ermöglichen dem Esser dadurch im Idealfall eine Genussmaximierung), deren unverzichtbare Grundlage jedoch Wohlgeschmack und aromatische Ausgewogenheit ist. Wenn diese ausbleiben, ist kein Verständnis dafür mehr erforderlich oder angebracht. Ganz von Ihren Vorwürfen abgesehen, respektiere ich andere Meinungen darüber vollkommen.

      Viele Grüße,
      J. Walther

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  3. Auch-Esser

    Hallo Herr Walther,
    ich habe einige Gänge Ihres Menüs vor einigen Wochen auch gegessen (Jakobsmuschel, Skrei und die ersten beiden Desserts) und einen vollkommen anderen Eindruck gehabt.
    Ich habe für mich spannende Kombinationen entdeckt (Jakobsmuschel-Blaukraut, Bitterkeit des Chicorée in Kombination mit Süße und Fisch als Hauptprodukt und die Komponenten die Nougat-Desserts). Die Qualität der Zubereitung war darüber hinaus bei mir tadellos.
    Für mich – und basierend auf meinen bisherigen Erfahrungen in der deutschen Spitzengastronomie – war es ein besonderes Erlebnis und manches 3-Sterne-Restaurant hat es bei mir nicht geschafft, derartig starke Eindrücke zu hinterlassen.
    Aber gleichwohl ist Ihre Kritik nachvollziehbar. Die Küche des Falco ist in ihrer Weise kompromisslos und extrem. Ich habe sie in zwei Besuchen auch als wohlschmeckend erlebt, kann aber gut verstehen, dass dies nicht jeder Gast so empfinden wird. Ich denke, dass das Team im Falco damit leben muss, weil die Linie des Restaurants eben speziell ist, dass sie manche Gäste nicht für sich gewinnen kann und das hat gar nichts mit kulinarischem Verständnis zu tun, sondern vielleicht eher über welche kulinarischen Zugänge man so „funktioniert“. Und da ist eben der Punkt, den Ihre Kritik auch enthält und wo sich unsere Eindrücke vielleicht treffen, nur dass sie eben zu ganz unterschiedlichen Bewertungen führen. Sicher haben Sie recht, wenn Sie eine gewisse Überambitioniertheit der Küche des des Falco feststellen, für mich ist es aber auch ein Aspekt, der sie für mich so interessant macht.
    Ehrlich gesagt, wundert es mich, nach dem Studium Ihres lesenswerten Blogs, bei dem sich – soweit es Übereinstimmungen bislang gab – Ihr und mein Eindruck oft gedeckt haben, es Ihnen im Falco nicht so gut gefallen hat. Trotzdem freue ich mich auf Ihre künftigen Berichte.

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  4. Leisler

    Bei allem Respekt davor, ein Restaurant auf dem Niveau des „Falco“ im nicht unkomplizierten Leipziger Markt erfolgreich zu führen, muß ich mir doch immer wieder das Kinn reiben, was die Philosophie des Hauses angeht.

    Die ebenso prätentiöse wie banale Bezeichnung der Küche Peter Maria Schnurrs als „Cuisine Passion Légère(c)“ (!) – meinetwegen, (auch teilweise sinnbefreites) Klappern gehört nun mal zum Handwerk.
    Die enorm selbstbewußten Preise – von mir aus, Überdurchschnittliches kostet eben im Normalfall auch mehr als der Durschnitt.
    Doch was ich nicht so einfach abhaken kann sind das unklare kulinarische Konzept (das sich – in meinen Laien-Augen – vor allem durch Aufwand und teilweise krampfhaften Modernismus bzw. Originalität auszeichnet) und die völlig überholte Haltung in Bezug auf das Produkt – den Spargel aus Frankreich zu importieren ist dieser Tage „so 1990s, darling“.

    Was diesen Bericht angeht, erkenne ich keinerlei Mangel an Respekt. Der Autor hat für viel Geld einen Abend verbracht, den er als Enttäuschung verbuchen muß. Doch statt eines boshaften Verrisses wird hier eine sachliche Erklärung für diese Enttäuschung geliefert, was ich im Gegenteil als sehr erwachsenen Umgang mit diesem Sachverhalt ansehe.
    Wer das nun als beleidigend empfindet, sollte besser keinen „Gault Millau“ aufschlagen.

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  5. Stephan

    Ein wirklich guter und fundierter Bericht, wie immer!

    Respektlos wäre es, wenn polemisch und ohne nähere Begründung das Falco verrissen würde. Beim Lesen des Berichts ist es aber nachvollziehbar begründet, warum es dem Autor nicht gefallen hat. Es ist ja von einem Spitzenrestaurant nicht zu viel verlangt, dass man Produkte der Natur, die hoffentlich von allerbester Ausgangsqualität waren, auch als solche identifizieren und schmecken kann. Auch jedenfalls ein Mindestmaß an Harmonie ist m.E. keine ungebührliche Erwartung.

    Deshalb, ein ausdrückliches Dankeschön von mir für diese Eindrücke.

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  6. Alex

    Hallo,

    Da alles im Detail beschrieben wurde finde ich diesen Beitrag viel wertvoller als irgendeine Kritik die nur mit Punkten um sich wirft. Auch der ehrwürdige Michelin-Führer verrät nicht so viel über die Gründe seiner Berwertungen.
    Und die zwischenzeitliche Aufregung die in dem Text durchklingt, kann ich gut nachvollziehen. Weiter so! Alex

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Hallo, blablanix,

      mit solchen Reaktionen ist natürlich zu rechnen. Doch mit fehlendem Respekt hat das tatsächlich nichts zu tun. Ich respektiere und bewundere sehr wohl die aufwändige und anstrengende Arbeit in der Küche eines Restaurants – doch das ist eben nicht automatisch ein Garant dafür, dass es dann auch jedem schmeckt. Warum es mir persönlich an diesem Abend nicht geschmeckt hat, steht ausführlich, aber an keiner Stelle respektlos, im Bericht.

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