Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

The Spotted Pig – saugut!

The Spotted Pig ist einer dieser Läden, die man gerne in seiner Nachbarschaft hätte. Für die Bewohner des New Yorker West Village ist dieses Privileg Realität.

In der zweistöckigen Eckkneipe ist es selbst an diesem Mittwochmittag quirlig und belebt. Menschen aller Couleur sitzen hier an eng aneinandergereihten Tischen oder am Tresen, das Personal trägt T-Shirts und Turnschuhe. Jeder scheint guter Dinge.

Auf der Mittagskarte findet man herzhafte und deftige Snacks und Hauptgerichte sowie verlockende Desserts; das meiste davon mit französischem und englischem Bistro-Einschlag. Mehr als 18 Dollar (ca. 14 Euro) kann man hier für kein Gericht ausgeben. Die Weinkarte ist umfangreich, bei uns kommt ein 2009 Antica Terra Pinot Noir aus Oregon auf den Tisch ($111).

Den Tisch ziert wenig später ein Teller mit hausgemachtem Hasenrillette, Cornichons, körnigem Senf und eingelegten roten Perlzwiebeln (außerhalb der Karte). Dazu gibt es sehr gutes getoastetes Weißbrot. Kurzum: das schmeckt so hervorragend wie so etwas nur schmecken kann.

Der großzügig portionierte Teller mit Linsen, Rauke, Pastinaken-Chips und Crème fraîche (Spiced Lentils with Arugula & Parsnip Chips) ist frisch, würzig und angenehm kross, darüber hinaus jedoch nicht besonders.

Besser dagegen ist Fish and Chips (ebenfalls außerhalb der Karte) mit sehr guten hausgemachten Pommes Frites und Saucen; das frittierte Fischfilet ist von makelloser Qualität. Auch so etwas kann man eben gut machen.

Kaum besser machen – und das meine ich auf gastronomisch höchstem Niveau – kann man den Schokoladenkuchen (Flourless Chocolate Cake), der einfach phantastisch ist, dicht, buttrig und schokoladig, und sich in keinem Drei-Sterne-Restaurant verstecken müsste – im Gegenteil.

Das ist die Art von Gastronomie, die man sich häufig für den Alltag wünscht. Einfache, zufriedenstellende Speisen mit sehr guten Produkten, die handwerklich für ihre Art vorbildlich umgesetzt sind; und das alles zu sündhaft moderaten Preisen. Bravo, USA! Und – Kritiker der Sterne aufgepasst – bravo Michelin, dieser Küche einen Stern zu verpassen. Von dem Schokoladenkuchen träume ich immer noch.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: The Spotted Pig (→ Website)
Chef de Cuisine: April Bloomfield
Ort: New York City, USA
Datum dieses Besuchs: 25.01.2012
Guide Michelin (NYC 2012): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,9

6 Antworten zu “The Spotted Pig – saugut!”

  1. Philipp

    Wir haben auf Basis des Berichts hier ebenfalls das Spotted Pig besucht. Ich hatte die Hasenrillette (hervorragend, schmolz auf meinem getoasteten Brot), danach das Flank Steak (sehr buttriger Geschmack, stellenweise sehr salzig, nicht besonders erinnerungswürdig) und danach den Schokokuchen, auf Raten des Berichts hier.

    Unter dem Strich war es ein schönes Essen, in einer Atmosphäre, die für ein Sternerestaurant Europas absolut untypisch wäre. Unser spanischer Freund schaute uns an, als ob wir verrückt wären, als wir ihn fragten wie ihm seine momentane Sterne-Erfahrung gefällt. Würde ich für die Küchenleistung einen Stern geben? Für Vorspeise und Dessert ja, für das Hauptgericht nicht unbedingt – und die Shoestring Fries, die ich probieren durfte, bestätigen mich in dieser Sicht (waren leider auch nicht besonders). Ich sehe es eher umgekehrt: Wenn das Spotted Pig einen hat, hat das Cosme unbedingt ebenfalls einen verdient.

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  2. Stephan

    Das klingt nach einem Restaurant, das mir auch sehr gut gefallen würde. Der „flourless chocolate cake“ ist übrigens einfach selbst zuzubereiten: 200 g dunkle Schokolade (nach Wahl, hiervon hängt die Qualität des Kuchens ab), 200 g Butter, 200 g Zucker, 4 Eier. Eier trennen, Gelb mit der Hälfte des Zuckers schaumig schlagen, Butter mit der Schokolade im bain-marie schmelzen und zu der Eizuckermischung geben. Eiweiß steif schlagen und reststlichen Zucker hinzugeben. Eischnee unter die Ei-Schoko-Mischung heben und ca. 25 Min. im 180° C warmen Ofen backen. Das schmeckt exzellent und bereitet kaum Arbeit.

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