Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Eleven Madison Park – New York’s Finest Dining, Pt. I

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Alle Wünsche, die man in Zusammenhang mit einem wirklichen Festmahl äußern könnte, erfüllt in New York allen voran das Restaurant Eleven Madison Park. Hier muss man keinerlei Kompromisse eingehen. Von der entspannten Reservierung über das phantastische Ambiente bis hin zum freundschaftlichen Service und der herzlichen Verabschiedung ist hier alles perfekt. Von der grandiosen Küche an dieser Stelle ganz zu schweigen. Immerhin hat die Küchenleistung hier im letzten Jahr so enorm zugelegt, dass der Michelin gleich von einem auf drei Sterne aufwertete.

Tritt man ein, beginnt mit der ersten Sekunde ein Wohlfühlprogramm. Der Empfang im Restaurant ist so herzlich als wäre man bei guten Freunden zu Besuch. Die Atmosphäre ist verzaubernd: der imposante Saal einer ehemaligen Bank, mit hohen Decken und großen Fenstern, ist in gedämpftes Licht getaucht und stilvoll dekoriert. Zwei in der Höhe leicht versetzte Restaurantbereiche mit Tischen, die mit großzügigem Abstand zueinander und zur einen Seite meist an einer Sitzbank angeordnet sind, versprühen inmitten dieser noblen Kulisse einen charmanten Hauch von Bistro-Charakter. Und wenn man etwas zu früh ist, so wie wir, setzt man sich gerne noch an die einladende Bar.

Ein vorzügliches Glas Champagne André Clouet „Un Jour de 1911“ ($40) begleitet am Tisch dann das Stöbern in der originell gestalteten Speisekarte. Auf einer quadratisch geformten Seite findet man hier sechzehn Gerichte, von denen jeweils nur die Hauptzutat genannt ist. Vier Gänge werden zu $125 angeboten, das Tasting Menu, bei dem die Anzahl an Gängen nicht angegeben ist (es werden „offiziell“ sieben), zu $195. Für das, was folgt, ein überaus moderater Preis – selbst beim derzeit schwachen Euro.

Die erste Stunde am Tisch wird komplett den Amuses-Bouches gewidmet. Diese beginnen mit einem begeisternd aromatischen Smoked Apple Tea, in dem Thymianzweige ziehen, dazu kleine Fingersnacks mit würzigem Wachtelei (Quail Egg) mit Schnittlauch und Bacon.

Auch alle weiteren Snacks bieten phantastisch kombinierte Aromen, hervorragende Zutaten und phantasievolle Harmonien. Keines der Gerichte wirkt indes gekünstelt oder einen bestimmten Stil nachahmend. Im Einzelnen werden serviert:

Hamachi and Scallop stellt zwei hervorragende Produkte zur Schau (mit Mandarine bei einem bzw. eingelegtem Ingwer und Limone beim anderen).

Yogurt and Chickpeas (als Lolli mit Curry bzw. Panisse) ist interessant, aber etwas einseitig; Borscht mit Betegelée, Ei, Roggen und Kaviar wieder grandios im Zusammenspiel aller Aromen und Texturen.

In der seltenen Sparte der für mich geschmacklich perfekten und damit zwangsweise an die Substanz gehenden Speisen sind zwei unterschiedliche Kreationen mit Muscheln (Clam) sowie Chorizo, Apfel und Kartoffel. Die in der Muschelschale angerichteten Meisterwerke duften nach Gischt, Sommer und Gewürzladen gleichzeitig. Phänomenal! Hiernach muss man erst mal wieder zur Ruhe finden.

Eine Flasche weißer 2007 Châteauneuf-du-Pape, Clos des Papes ($185) passte in der Zwischenzeit hervorragend zu dieser Ouvertüre. Das Servieren von Butter, Salz und einer Brotauswahl markiert dann den Übergang zum eigentlichen Menü.

Dies beginnt mit verschiedenen Blattsalaten, Puntarella und Tardivo, in einem – sowohl von den Aromen als auch den Texturen – herrlichen Zusammenspiel mit einer süffigen Creme und Krumen von Anchovis. Ungemein wohlschmeckend und nicht zu verbessern.

Der nächste Gang mit Foie Gras als Terrine mit schwarzem Trüffel und frittiertem Roggen ist qualitativ hervorragend, allerdings dem vorherigen Gericht etwas zu ähnlich in Bezug auf die Kombination Salat/Creme/Krumen. Dennoch exzellent.

Eine schmeichelhafte Kreation mit Blumenkohl (Cauliflower) setzt diesen häufig unterschätzten Hauptdarsteller gekonnt ins Bild. Kombiniert mit Mandel, Rosinen und einem Madras-Curry bewegt sich das Gericht in einer erstaunlich homogenen Geschmacksfamilie mit interessanten Akzenten.

Inzwischen begleitet unser Menü ein 2000 Barbaresco von Bruno Giacosa ($340), dem jedoch in Anbetracht eines önologisch bereits anspruchsvollen Tages völlig ungerechterweise nicht meine ganze Aufmerksamkeit zuteilwerden kann.

Der Lobster ist abermals Gericht, das durch seine phänomenale Harmonie unter die Haut geht. Der Hummer wurde mit Zitrone (Meyer Lemon) pochiert, dazu gibt es gegrillten Lauch und eine Bisque von schwarzem Krustentier (black shellfish bisque). Eine schlichte, aber herausragende Kombination.

Chicken mit geröstetem Quinoa, Apfel und geschmortem Weißkohl hat dagegen leider ein zu säuerliches Geschmacksbild und fällt komplett aus dem Rahmen der bisherigen Gerichte heraus.

Ob der Käsegang (Triple Cream) mit Kürbis, Apfel und Roggencrisps dann abermals etwas schwächelt, oder dies meinem gejetlaggten, gustatorisch überbeanspruchten Zustand zuzuschreiben ist, weiß ich nicht. Die allesamt hervorragenden Darbietungen aus der Patisserie nehme ich jedoch alle wahr. Da wäre bspw. in einem Glas eine erfrischende Egg Cream mit Orange, Kakao und Mineralwasser, zu der ein herzhaft-süßer, cremiger Cheesecake mit Ziegenkäse, Moosbeere und Limone gereicht wird.

Wunderbar ist auch dann das letzte Dessert, Chocolate, mit Schokoladenmousse, Malzsorbet, Olivenöl und erneut Meyer Lemon.

Wir werden später noch kurz in die Küche eingeladen, wo uns noch ein aufwändiger Cocktail zubereitet wird, bevor am Tisch dann vorbildliche Macarons und kleine Petit-Fours den wirklichen Abschluss dieses Festmahls bilden.

Im Eleven Madison Park geht es nicht um die Neuerfindung von Stilen, um Avant-Garde oder Klassik. Es geht um hervorragendes Essen, das in einem überaus angenehmen Rahmen, der keine Wünsche offen lässt, zelebriert werden kann, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Ein hedonistisches Erlebnis seltener Güte und einer von wahrlich vielen Gründen, in diese aufregende Stadt zu reisen.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Eleven Madison Park (→ Website)
Chef de Cuisine: Daniel Humm
Ort: New York City, NY, USA
Datum dieses Besuchs: 26.01.2012
Guide Michelin (NYC 2012): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 9

7 Antworten zu “Eleven Madison Park – New York’s Finest Dining, Pt. I”

  1. duni

    hallo julien, heute kam humms kochbuch per post zu mir, blaetterte es schon mal durch: macht definitiv lust auf mehr, leider bin ich erst im september wieder in nyc!

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  2. Christian Hümbs

    Das hört sich sehr gut an ich werde dort versuchen mal Essen zu gehen

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  3. kai

    Danke für den Bericht! Erstaunlich, wie sehr Bilder täuschen können, denn rein optisch macht mich kein einziges der Gerichte an (ich finde 195+Tax+Tip, also rund 190 Euro, für 7 Gänge übrigens nicht gerade „überaus moderat“). Wird wohl höchste Zeit für einen Trip nach NYC…

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  4. Alex

    Super Bericht mal wieder! Finde es interessant, wie immer öfter die Amuses so hochwertig sind, dass eine Steigerung bei den folgenden Gängen schon fast zu schwer wird. Aber hier lief das ja super. Salat, Foie Gras und vor allem der Hummergang sehen richtig top aus. Nun gut, dann das chicken.
    Der schwächelnde Euro bietet ja immer noch fast einen 25% discount, da kann man nicht meckern. Klar war der auch mal höher..
    Bin gespannt auf den nächsten Bericht.

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