Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

El Quim de la Boqueria ‒ das Warten hat ein Ende

Am Ende ist es doch nur eine halbe Stunde. Aber die hat es in sich. Der Kampf um einen Platz am Tresen des Tapas-Standes El Quim de la Boqueria, kurz El Quim, verlangt mir einige Beherrschung ab.

Zum einen stehe ich überhaupt ungerne irgendwo an, zum anderen ist es mir hier viel zu eng, viel zu heiß, und dann gibt es auch noch keine Möglichkeit, sich dem Anblick der schmackhaft aussehenden Gerichte zu entziehen, die den ganzen glücklichen Gästen vor mir auf den Hockern serviert werden.

Mein Appetit und ich befinden uns in der Markthalle des Mercat de la Boqueria in Barcelona. Die von Einheimischen oft als inzwischen zu touristisch beschriebene Halle ist gleichwohl ein Produktparadies. Gemüse, Obst, Fisch, Fleisch, Käse, Süßwaren und Delikatessen aller Art findet man hier in mannigfaltiger Auswahl auf einer Fläche eines Viertelhektars.

Mitten drin: El Quim, ein kompakter Imbissstand mit achtzehn Tresenplätzen und einer beklemmend kleinen Küche, in der zahlreiche junge tätowierte Köche funktionieren wie ein Uhrwerk.

Als ich irgendwann sitze und die Papierspeisekarte vor mir habe, bestelle ich einfach drauf los, was mir bei der immensen Auswahl von schätzungsweise knapp hundert Gerichten als sinnvolle Strategie erscheint.

Ich beginne mit einem Ceviche (€ 14) mit frischen Zutaten und authentischem Geschmacksbild. Geröstete Hartmaiskörner sorgen für etwas Biss und Röstnoten. Das macht Freude. — 6,9

live_helpWussten Sie schon? Meine Bewertungsskala orientiert sich am kulinarischen Niveau der Michelin-Sterne. Lesen Sie hier, was die Noten genau bedeuten.

Ein sehr guter Teller Bellota-Schinken (€ 18) steht gleich auch schon auf der schmalen Theke (6,9). Ich trinke dazu ein Gläschen Cava „Cinta Purpura“ von Juvé y Camps (€ 3,50), ganz annehmbar und auf jeden Fall zur Situation passend.

Als nächstes folgen mit Stockfisch gefüllte Kroketten (€ 4) mit einem Fisch von guter Qualität und einer leicht knusprigen Panierung (6,5); danach gibt es frittierten Tintenfisch mit Piquillo-Paprika-Ailoi (€ 20). Letztere Bestellung kam durch einen Übersetzungsfehler in der Speisekarte zu Stande, da dort fried, also geröstet, und nicht deep-fried, frittiert, stand. Ein bisschen pappig, aber mit der recht guten Sauce kann ich dennoch kaum davon ablassen (6,5).

Hätte ich am Abend nicht noch eine umfangreichere Reservierung im Lasarte (Bericht folgt), hätte ich mich noch ein wenig länger durch die Speisekarte gefuttert. Frische Meerestiere vom Josper-Grill, Salate, Desserts und mehr bieten reichlich Variation.

Das El Quim scheint eine sichere Bank für ein unkompliziertes Essen auf gutem Niveau für jeden Appetit zu sein. Skurril, dass der Marktstand im spanischen Guide Michelin nicht einmal empfohlen ist. Meine Empfehlung: hingehen! Das lange Warten hat auch ganz sicher ein gutes Ende.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: El Quim de la Boqueria (→ Website)
Chef de Cuisine: Quim Márquez
Ort: Barcelona, Spanien
Datum dieses Besuchs: 11.07.2018
Guide Michelin (ES 2018):
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,5 (Was bedeutet das?)
Diskussion bei Facebook: hier klicken

4 Antworten zu “El Quim de la Boqueria ‒ das Warten hat ein Ende”

  1. Sönke

    Klingt wunderbar, vielen Dank!
    Allerdings wage ich mal zu bezweifeln, dass es sich bei „fried“ für „frittiert“ um einen Übersetzungsfehler handelt. Das habe ich schon sehr oft erlebt, dass im Englischen „fried“ synonym zu „deep fried“ verwendet wurde. Ein recht bekanntes Beispiel neben den „Fried Green Tomatoes“ im gleichnamigen Film wäre Kentucky Fried Chicken, wo es sicherlich nichts Geröstetes aber dafür sehr viel Frittiertes vom Huhn gibt.
    Aber solange die frittierten Tintenfische geschmeckt haben ist das mit dem „fried“ ja auch eher zweitrangig.

    Antworten
    • Philipp

      Richtig, in den USA und dort im Alltag wird es oft synonym verwendet. Wenn man „fried“ bei Google Images eingibt erhalte zumindest ich auf meinem Rechner zudem eine eindeutige Tendenz wofür der Begriff steht. Aber rein akademisch ist es schon richtig so wie es Julien darstellt und ich kann daher die Verwirrung und Bedarf nach der Unterscheidung zwischen „pan fried“ und „deep fried“ nachvollziehen.

      Bei Bestellungen auf Englisch frage ich daher immer schon vorab klarstellend nach gerade weil die Bezeichnung doppeldeutig ist.

      Antworten
      • Philipp

        Nachtrag: Auf der Homepage steht beim Baby Squid zusätzlich „Andalusia Style“ – das ist dann doch ziemlich eindeutig.

        Antworten
  2. bernd labetzsch

    Ich bin ja der Meinung, dass auf der Boqueria der Stand „Kiosko universal“ noch einen Ticken attrakiver ist, zuminest was Meeresgetier betrifft. :-)

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Einfaches HTML ist erlaubt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diesen Kommentar-Feed über RSS abonnieren