Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Pineapples & Pearls ‒ Botschaft aus Washington

Der kleine Vorraum mit Marmortresen, italienischer Espressomaschine und dem freundlichen Personal, das einem lächelnd ein Glas Champagner reicht, bevor es überhaupt den Reservierungsnamen abfragt, verzückt mich bereits nicht einmal eine halbe Minute nachdem ich eingetreten bin.

Allein für diesen kurzen, überraschenden Moment des Sich-sofort-willkommen-Fühlens, der sich so erfrischend anders anfühlt als die bei uns zulande immer noch viel zu oft nur mühevoll gespielte Gastfreundschaft, lohnt für mich die ganze Reise nach Washington, D.C. Das können die Amerikaner einfach besser.

Eine authentische, persönliche Begeisterung für alles, was mit guter Gastronomie zu tun hat ‒ von der Hospitalität bis zu hervorragendem Essen mit guten Zutaten ‒, wohnt in den guten Restaurants der USA sehr viel mehr Personal inne als bei uns. Diese Passion spürt man auch hier im Pineapples & Pearls bei jedem, was die Illusion verstärkt, man sei zu einer privaten Dinnerparty eingeladen.

Der schick gestaltete Gastraum mit weißen Wänden, dunklen Holzdielen und kreativer Kunst bietet sowohl gewöhnliche Tische als auch gemütliche Sitzbänke und -ecken sowie einen Tresenbereich um eine offene Küche herum. Einige sichtbare Belüftungsrohe sorgen für amerikanisch-typisches Industrieflair, aber eher auf charmant unbeholfene Art als forciert.

Am Tisch, den kleinen Rest Champagner habe ich noch mitgenommen, erhält man zunächst einen weiteren Begrüßungsdrink, den ein charmanter Kellner mit gutsitzendem Outfit und hochwertigem Barequipment zubereitet. Es handelt sich um einen Dirty Virgin Martini, was in diesem Fall eine alkoholfreie Zubereitung aus Ananas und Verjus ist. Erfrischend, karibisch, eine schöne Idee.

Nachdem obligatorisch abgeklärt wurde, dass es am Tisch keine Allergien oder spezielle Abneigungen gibt, geht es los. Ich weiß nicht im Geringsten, was mich in den kommenden Stunden hier erwartet, wer hier kocht oder wofür die Küche steht. Lediglich die zwei Michelin-Sterne sind mir, natürlich, bekannt und waren der Auslöser meiner Reservierung hier vor einigen Wochen. Ich mag dieses Unwissen vor Restaurantbesuchen.

Amuse-bouches werden serviert, man erkennt einen französischen Einschlag. Ganz links ein Vol-au-vent mit perfektem, luftigen Blätterteig, darin Schnecken aus Peconic (New York), geschwenkt in einer sahnigen Creme mit Petersilie und Knoblauch. Himmlisch! — 9

Matzo Ball Soup, eine jüdische Spezialität, kommt in Form eines Matzenknödels, üblicherweise bestehend aus Mehl, Eis, Wasser und Schmalz, hier serviert in einer herrlich aromatischen Pilzbrühe. Das ist genauso hervorragend (8) wie, ganz rechts, eine herzhafte, erdige Tartelette in Anlehnung an eine spanische Tartaleta de Morcilla mit Blutwurst, Zwiebeln und, hier, eingelegten Rosinen (8).

Die letzte Petitesse ist ein Küchlein aus Mürbeteig mit einer Füllung mit geräuchertem Knochenmark und, darauf, einem transparenten, rosa Gelée aus roten Zwiebeln und Rosmarin. Wenn die rauchige Creme mit der Süße der Zwiebel und dem ätherischen Aroma des Rosmarins zusammentrifft, schmeckt das nach Barbecue, Sommer und Grillfest, ganz ausgezeichnet. — 8,5

Ich hatte beim Ticketkauf die Weinbegleitung mit ausgewählt (insgesamt umgerechnet ca. € 527 pro Person), was ich sonst nie tue. Hier war der Prozess aber etwas irreführend. So lasse ich die vinophilen Freuden nun einfach auf mich zukommen, das ist auch mal ganz angenehm. Die Amuse-bouches begleitete gerade ein 2006er Dom Pérignon, der auch noch mal nachgeschenkt wird. Das kann man sich ruhig gefallen lassen. Ich habe so etwas lieber als irgendeinen „ganz spannenden Schaumwein, der wie ein Champagner hergestellt wird, aber eben keiner ist“.

Nach dem Dompi geht es weiter mit einer in einem aufgeschnittenen Hühnerei servierten Kreation mit mehreren, geschichteten Komponenten in unterschiedlichen Temperaturen und Texturen. Im Glas ist dazu ein 1999er Chablis Premier Cru „Côte de Lechet“ von der Domaine Barat, grenzwertig gereift, aber interessant. Der für geübte Esser entbehrliche Hinweis, man solle mit dem Löffel unten anfangen und alle Komponenten gleichzeitig aufnehmen, fehlt natürlich nicht. In einer solchen Portion findet man dann eine custard mit Olivenöl, Seeigel, eine schaumige Masse aus Rambutan (eine litschiähnliche Frucht) sowie Australische Fingerlimette. „Dalí und Kahlo“ heißt das Gericht vermutlich wegen des (spanischen) Olivenöls und der (mittelamerikanischen) Rambutan, wenngleich ich den geballten Intellekt der namensgebenden Künstler nicht in dieser kleinen Speise finde. Dafür aber zweifelsfreien Genuss, hervorragende Zutaten und makelloses Handwerk. — 8,5

Spanischer Steinbutt wird auf drei Arten serviert, auf dem Hauptteller in Form eines perfekt gegarten, saftig-weißen Mittelstücks aus dem Filet, das mit gedünsteten Rote-Bete-„Schuppen“ bedeckt ist und in einer warmen, leicht pikanten Ajoblanco-Sauce angerichtet ist. Deren Knoblauchbasis ist dezent, sie erinnert geschmacklich sehr an Gazpacho, was den Fisch und mich als Esser unerwartet nach Andalusien transportiert. Gebrannter Lauch und gegrillte Baby-Tintenfische schmecken dazu nach Sommer. Separat gibt es, lässig als fettige Fingersnacks zubereitet, ein Stück knusprig frittierte Fischhaut mit Avocado-Mousse und Limette, sowie ein Tempura von einem Flossenstück, das man in eine Crème fraîche mit Frühlingszwiebeln stippt und das charmant nach altem Koffer schmeckt. Ist das alles nicht herrlich? — 8,5

Im Glas versiegt gerade eine 2014er Riesling Spätlese „Ockfener Bockstein“ vom Weingut St. Urbans-Hof. Es folgt ein 2015er „Primofiore“ vom Weingut Giuseppe Quintarelli aus Venetien, der leider mehrere Grad zu warm ist, was ich höflich anmerke. Man ist auch irritiert darüber, denn die Weine würden korrekt temperiert gelagert; dieser hier stand offenbar schon zu lange draußen. Es dauert ein wenig, bis kühlerer Nachschub kommt, aber er kommt.

In der Zwischenzeit probiere ich den nächsten Gang. Es gibt „Breakfast for Dinner“, so der Titel des Gerichts. Gemeint ist ein French Toast (Armer Ritter), bestrichen mit Foie Gras und gehobeltem schwarzem Trüffel. Der „Toast mit Trüffel“-Trend, der nicht zuletzt Björn Frantzén zum Ultimum ausgearbeitet hat, ist hier etwas süffiger, ungezwungener umgesetzt. Weniger in die Höhe angerichtet, dafür warm, fettig und mit betörendem Schmelz, lediglich die fadenartige Textur aus der Microplane will mir bei Trüffel partout nicht gefallen. Aber wen kümmert’s, bei dem Genuss? — 8,9

Weinseitig geht es weiter mit einem 2001er Château Lascombes aus Margaux, ein Klassiker, den ich lange nicht probiert habe. Macht sich gut!

Das folgende Gericht heißt One Hundred & Fifty Layer Lasagna und ist genau das, was da steht. Eine Lasagne mit unzähligen, hauchfeinen ‒ senkrecht aufgestellten ‒ Nudelschichten, ist knusprig gebacken, obenauf dunkelbraun geröstet wie ein Filetsteak und mit gehobeltem Parmesan bedeckt. Der beginnt schnell zu schmelzen und ist gegen das, was noch folgt, ohnehin machtlos. Der Kellner übergießt das Ganze nämlich mit ein, zwei Kellen Fra-Diavolo-Sauce, eine pikante Tomatensauce, hier in einer Version mit Hummer und Oktopus ‒ eigentlich ein ganzes Gericht für sich allein. All das ist schon sensationell, vom Handwerk der Pasta, über die bodenständige Idee an sich, bis hin zu den unverkennbar feinen Meeresfrüchten.

Um die Wucht kontrastieren zu können, wird dazu tischseitig ein Salat zubereitet, mit sorgfältig ausgewählten Blättern verschiedener Chiroréesorten und Römersalat und einer mit einem Wachtelei und Pommerysenf angerührten Vinaigrette. Der Salat ist knackig frisch, angenehm kühl, saftig, und die Vinaigrette ‒ leicht cremig und schön säurebetont ‒ ist eine der besten, die ich je probiert habe (ich mache selbst nicht allzu schlechte). Die Freude, die ich einem derart perfekten Salat abgewinnen kann, ist immer riesig. Man kann sich so scheinbar trivialen Dingen wie Salaten mit einer Art japanischen Pedanterie widmen, die sich auszahlt, wie in diesem Fall. In Summe ‒ die luxuriöse Lasagne und der knackige Salat ‒ ist das eines der zufriedenstellendsten Gerichte, die ich seit langem gegessen habe. — 10

Und es geht weiter. Eine fingerdicke Scheibe Australisches Wagyu gart auf einem Tischgrill zu Ende, während die restlichen Zutaten aufgetischt werden. Zum Fleisch gibt es eine Schüssel mit verschiedenen Hülsenfrüchten wie Bohnen und Kichererbsen, dazu einige Kräuter und zwei Saucen, Minz-Chimichurri und eine „Harissa-Emulsion“. Das damit aus vielen Teilen der Welt inspirierte Gericht folgt der Idee eines ungezwungenen Barbecues. Die Bohnen und die Chimichurri-Sauce, alles ausgesprochen fein zubereitet und präzise abgeschmeckt, deuten dabei geschmacklich in Richtung Südamerika. Das ist alles vorzüglich, Weltklasse sogar, nur das Fleisch ist etwas zu kalt ‒ der Tischgrill war offenbar nicht besonders heiß. Ein fast unerheblicher Wermutstropfen bei den dargebotenen Qualitäten. — 8,5

Das erste Dessert ist ein Apfelkuchen, saftig, süß und warm, der mit einer Apfelsauce und geschmolzenem Grayson-Käse übergossen ist. Die zunächst verwunderliche Zutat ist von einem kulinarisch eher zweifelhaften Brauch im Mittleren Westen inspiriert und verleiht dem verführerisch nach Spekulatius, Karamell und Apfel schmeckenden Kuchen einen salzigen Twist, der wunderbar ist. Dazu passt ein makelloses Vanilleeis. Schlicht, kurzweilig, große Klasse. — 8,9

Der „richtige“ Käsegang folgt in Form eines Epoisse-Eis’. Der kühle Schmelz nimmt dem Käse etwas von seiner Intensität, dennoch ‒ oder gerade deswegen ‒ würde ich das Original aber jederzeit bevorzugen. Dazu, als fester Bestandteil des Gerichts, nicht der Weinbegleitung, wird in einem großen Schwenker, der über einem Teelicht warmgehalten wird, ein Lazzaroni-Amaretto serviert, der mit Périgord-Trüffeln aromatisiert ist. Der mandelartige Geschmack des Getränks und die „Erdigkeit“ des Trüffels passen gut zum Käsegeschmack, doch ich bin absolut kein Freund von Amaretto ‒ zu süß, zu klebrig, zu warm. Dennoch objektiv sehr gut und ein origineller Abschluss. — 7

Es gab in dem hervorragenden Essen eine repetitive Zutat, die dafür gesorgt hat, dass ich diesen Abend als Gesamtereignis so schnell nicht vergessen werde. Die Zutat heißt Ungezwungenheit. Von der wohnlichen Einrichtung über das Personal, das man am liebsten zu sich an den Tisch bitten möchte, bis hin zu den unverkopften Speisen, die keinem Dogma folgen, inklusive dem Dogma, keinem Dogma folgen zu wollen. Es kommen gute und nahbare Dinge auf den Tisch, die dabei aber stets raffiniert genug sind, um die zwei Michelin-Sterne mühelos nachvollziehen zu können.

Wenn man das Restaurant verlässt, durch den inzwischen leeren Vorraum, durch die Schleuse mit der Klapptür und hinaus in die Nacht, ist es schön, sich noch einmal umzudrehen. Diese unscheinbare Fassade beherbergt ein seltenes Juwel der Gastfreundschaft und des Genusses. Washington also, wer hätte das gedacht?

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Pineapples & Pearls (→ Website)
Chef de Cuisine: Bin Lu
Ort: Washington, D.C., USA
Datum dieses Besuchs: 07.03.2020
Guide Michelin (Washington, D.C. 2020): **
Meine Bewertung dieses Essens: 8,5 (Was bedeutet das?)
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22 Antworten zu “Pineapples & Pearls ‒ Botschaft aus Washington”

  1. Christian Geller

    Hallo Herr Walther,

    der Bericht ist wieder einmal hervorragend geschrieben und kurzweilig zu lesen. Ich kann Ihre Begeisterung für diese ungezwungene Art des Genusses absolut nachvollziehen.
    Aber trotzdem muss beim Preis von 527€ pP die Frage nach der Verhältnismäßigkeit erlaubt sein. Würde man für die Weinbegleitung 200€ ansetzen, dann bliebe für das Menü immer noch 327€.
    Das klingt wahrscheinlich jetzt alles wahnsinnig spießig, pfennigfuchserisch und deutsch, aber wenn der Preis gar keine Rolle spielt, könnte man ihn ja einfach noch mal verdoppeln….

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  2. Thomas Heinzel

    Sehr geehrter Herr Walther
    Kompliment für all die inspirierenden Berichte. Bleibt nur zu hoffen das möglichst viele Restaurants die Corona Krise überleben.
    Als Küchenchef auf einem Kreuzfahrtschiff weiß ich momentan wovon ich spreche.
    Diese Krise ist schlimmer für die Branche als 9/11 und Banken Crash zusammen.
    Ich hoffe dass sie Ende des Jahres auf neue kulinarische Streifzüge gehen können und wir weiterhin von Ihren Erfahrungen und Erlebnissen profitieren.
    Herzliche Grüße
    Thomas

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      • Thomas Heinzel

        Ich lebe in Peru, Tingo Maria. Naturgegeben bin ich dann näher zum Amazonas als zum Pazifik. Momentan sind alle Reisen ausgesetzt bis September. Unser neu gebautes Schiff hat es bis jetzt nicht aus der Werft herausgeschafft . Hab sie per Zufall vor 3 Jahren entdeckt und folge ihnen seit dem. Ihre Leidenschaft , Ihr Wissen und kulinarische Präzision ist ein Genuss zu lesen.
        Bitte weiter so und mehr
        Beste Grüße
        Thomas

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  3. Mauro Sini

    Hallo Herr Walther,
    Unverändert amüsant, kurzweilige und präzise Lektüre. Schön. Danke schön.
    Ich wollte kurz kommentieren (kurz ist bei Halben-Italienern wie ich gar nicht möglich), dass mir der Anzahl der Gerichte mit eine Bewertung 10/10 sehr auffällt und wie sich eindeutig bei Pasta Gerichte zuletzt häufen: Bottoni, Linguine und jetzt Lasagna.
    Wer weiß. Vielleicht fliesst doch etwas italienisches Blut in Ihnen, Herr Walther.
    Erlauben Sie mir eine Erläuterung.
    Ich habe dabei immer sehr gemischte Gefühle, weil ein Verfechter der guten Pasta bin und zwei Jahrzehnte lang müsste man sich anhören wie Pasta als «ungesund» und «minderwertige Auswahl» in der gehobenen Gastronomie ver-urteilt wurde. Schuld daran sind die unzählige «Pasta Anbieter» die davon absolut nichts verstehen (mir kommen die Tränen), und die allgemeine Kundschaft mit noch weniger Ahnung.
    Ich esse, inzwischen aus Prinzip, seit fast 20 Jahre nie Pasta auswärts. Vor ca. 10 Jahre habe mich zum letzten Mal im angeblich «besten italienisches Restaurant» Basels (CH) verführen lassen, und bedauerlicherweise habe den Teller innerhalb von fünf Sekunden unangetastet wieder Richtung Küche zurückbefördert. Selbstverständlich, durch das Personal. Danach gab einfach Salat mit Brot, und guter Wein.
    In ganz Europa, und anscheinend in Amerika auch, ist inzwischen eindeutig und sehr erleichternd, dass italienische Pasta ein Comeback erlebt. Angebot und Qualität scheinen reicher und besser zu werden, und ich freue mich dafür sehr.
    Ich hoffe nur, dass dieses Revival nicht nur «die letzten Zuckungen vor den endgültigen Tod» ist. :-)
    Wie immer, weiterhin Buon Appetito!
    Mauro Sini
    PS: bleiben Sie gesund.

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  4. Alexander Höse

    Sehr geehrter Herr Walther,

    mit großer Begeisterung und Freude verfolge ich seit mehreren Jahren ihren Blog und lese jeden Ihrer frisch erschienen Berichte mit viel Genuss. Da ich selbst seit drei Jahren eine Ausbildung in einem Hotel in Österreich absolviere und dabei die meiste Zeit im Service verbracht habe, sind für mich Ihre Berichte eine große Inspirations- und Motivationsquelle. Sie haben mich für die gehobene Gastronomie begeistern lassen und so plane ich meine kommenden beruflichen Schritte in diese Richtung. Da ich im Service-Team arbeite, freut es mich besonders wenn eben dieses besondere Beachtung in einem Ihrer Berichte erhält. Wie es im Obrigen der Fall ist.
    Dazu hätte ich ein paar Fragen:
    Was macht für Sie einen guten Service in einem Restaurant aus?
    Sollte es Unterschiede vom Service in Ein, Zwei oder Drei Sternerestaurants geben?
    Und wenn ja welche?
    Was würden Sie einem jungen Servicemitarbeiter raten, wenn er sich in Richtung gehobene Gastronomie verbessern möchte?

    Abschließend möchte Ich Ihnen noch sagen:
    Machen Sie weiter so und weiterhin viel Genuss!

    Mit herzlichen Grüßen

    Alexander Höse

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Lieber Alexander, danke für Ihren Kommentar. Es ist schön, dass mein Blog ein wenig dazu beitragen kann, dass Sie Ihre Leidenschaft weiter verfolgen.

      Zum Thema, was guten Service ausmacht: hierzu habe ich mehr Material als es sich für eine Antwort eignen würde – es wird dazu auch irgrendwann noch mal etwas von mir zu lesen geben. Aber vielleicht vorab schon so viel: es geht nicht um Sterne. Es gibt schließlich nicht mal einen bestimmten Typus Sternerestaurant. Denken Sie nicht nur in heimischen Kategorien! Ein Drei-Sterne-Restaurant kann auch in einem U-Bahn-Schacht Sushi servieren, wie Sie sicherlich wissen.

      Eine der für mich wichtigsten Eigenschaften von gutem Service ist ein authentisches, eigenes Interesse für gutes Essen und gute Gastronomie. Es ist viel wichtiger, dass der Service alle Gerichte schon mal selbst probiert hat und eine eigene Meinung zu den Gerichten hat und diese kommunizieren kann. Das ist viel wichtiger als dass man weiß, wo irgendeine Zutat eingekauft wurde oder wie genau diese zubereitet wurde. Wenn man seine eigene Passion mit authentischer Freude transportieren kann, macht das schon 99 % eines guten Service-Mitarbeiters aus. Wenn er/sie dann noch die Speisen an den Tisch bringt, ohne sie dabei auf den Gast fallen zu lassen, vermisse zumindest ich persönlich nichts mehr ;).

      Beste Grüße!

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  5. Heiko

    Ein fabelhafter Bericht.
    Schade das einige Fotos etwas unscharf sind (z.B. das 1 + 3 Amuse-bouche).
    Etwas erstaunt bin ich über die Aussage „Ich habe so etwas lieber als irgendeinen „ganz spannenden Schaumwein, der wie ein Champagner hergestellt wird, aber eben keiner ist“.
    Warum ? Weil sie dann in etwa wissen was ausgeschenkt wird und es keine (unschönen) Überraschungen gibt ?
    Letztendlich ist Champagner doch auch „nur“ ein Flaschengereifter Schaumwein, wie es ihn zu hunderten (?) gibt, bloß das er explizit aus der Region „Champagne“ herkommen muss. Gerade andere Schaumweine (mit anderen Trauben und evtl. Hefen) müssten sie als Weinliebhaber doch reizen ? Wobei mit Naturweinen hatten Sie es auch nicht so, oder ? Kann ich verstehen, inzwischen gibt es aber wirklich tolle Produkte in diesem Segment.
    Viele Grüße aus Berlin
    PS: Perignon ;-)

    Antworten
    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Bzgl. der Champagner-Thematik ist es ganz einfach. In einer kostspieligen Weinbegleitung erwarte ich kostspielige Weine, das heißt Bewährtes statt Experimentelles. Letzteres erwarte ich wiederum bei „jungen Wilden“, also bei besonders kreativ und jung ausgerichteten Restaurants oder Weinbars. Wenn aber die Idee ist, zu sichtlich französisch ausgerichteten Amuse-bouches ein Glas Champagner zu servieren (so wie es hier der Fall war), dann muss auch ein richtiger Champagner her.

      PS: Es war sehr dunkel in dem Restaurant. Die nachträglich erforderliche Aufhellung ging leider auf Kosten der Schärfe.

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  6. Berthold Trachsel

    Sehr geehrter Herr Walter,
    seit einiger Zeit verfolge ich ihre Berichte mit großer Spannung, heute der vom Pineapples & Pearls hat mich richtig begeistert und ihre Bewertungen sind entsprechen gut ausgefallen. Leider läßt es meine Gesundheit nicht mehr zu, Gourmet Restraurants in anderen Ländern zu besuchen. In den letzten 30 Jahren haben meine Frau und ich weit über 100 der guten und sehr guten Restaurants in Deutschland, Schweiz, Elsass und Österreich besucht und es war jedesmal wieder ein Erlebnis (bei nur 2 negativen Erlebnissen 2011 Überfahrt und 2019 Steirereck). Bei Dieter Müller, Helmut Thieltges und im Bareis haben wir 1994 angefangen, von da an ging es immer weiter und es macht noch immer Lust (Wenn auch mittlerweile etwas eingeschränkt).
    Eines unserer Höhepunkte war 1997 bei Philippe Rochat in Crissier, 2015 die Trenkerstube in Meran, 2013 das De Librije in Zwolle. In Deutschland war und ist unser liebstes und bestes Restaurant das Sonnora, leider jetzt ohne Helmut aber sein Nachfolger, Clemens Rambichler, kocht auf dem gleichen Niveau, letzter Besuch Okt. 2019. So wie sie, Herr Walter, lieben auch wir die französische Küche. Ich könnte ewig weitermachen gute Restaurants aufzählen. Viele von denen, die sie in Deutschland besucht haben, sind uns auch bekannt.

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  7. Stephan Kluge

    Vielen Dank für das wieder erwecken eines wunderschönen Abends im Sommer 2017 im Pineapples & Pearls. So gechillt ist man in Deutschland selten. Bzgl. Ungezwungenheit fällt mir in Deutschland am ehesten das Tulus Lotrek und das CORDO in Berlin, sowie das Mural in München ein. Weiterhin vielen Dank für die tollen Berichte, wir hoffen alle gemeinsam auf eine baldige Fortsetzung.

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  8. Christian Dullinger

    Hallo. Lese hin und wieder ihre Berichte die wirklich interessant sind. Bin von Beruf Koch. Daher das Interesse. Darf ich fragen was sie beruflich machen.

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  9. Torsten Krein

    Wirklich tolle Teller …man spürt in diesem Restaurant die Leidenschaft für gutes Essen !
    War die ständige Präsenz von Teigwaren bei fast allen Gängen am Ende nicht zu sättigend ?
    Blätterteig . Knödel , Tartaletta , Küchlein aus Mürbeteig , Tempura , Frenchtoast , Lasagne , Hippe beim Dessert .
    Ich persönlich bevorzuge doch Menüs wie im Geranium wo es kaum Kohlenydratlastige Speisen gibt und sich kein Sättigungsgefühl während des Essens einstellt . Der Genussfaktor ist dann für mich um ein vielfaches grösser . Es ist auch schon vorgekommen , dass ich nach dem Besuch in einem dieser Genusstempel anschliessend noch eine Kleinigkeit gegessen habe …

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Die Energiezufuhr hier war auf einem sehr erträglichen Niveau. Die Portionen waren alle nicht besonders groß, auch der Fleischgang war nahezu „Trennkost“. Ich persönlich bevorzuge Essen, von denen ich satt werde und bei dem der Geschmacksträger Fett noch eine Rolle spielen darf. Aber unzählige Ausnahmen, auch hier im Blog, lassen natürlich Grüßen.

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      • Beate

        Ein weitverbreiterter Irrtum leider. Fett ist kein Geschmacksträger, sondern Aromaträger.
        Schmecken tut man mit der Zunge und das Aroma wird Retronasal im Mund wahrgenommen.

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      • Beate Mann

        Auch wenn Sie meinen Beitrag gelöscht haben. Es bleibt trotzdem richtig, dass Fette und Öle
        Aromträger sind und nicht Geschmacksträger ;-)

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  10. Vinzenz

    Lieber Herr Walther,
    ich finde es sehr erfrischend, dass Sie neuerdings nicht nur auf Instagram sondern scheinbar auch in Ihren Berichten dem Thema Wein ein wenig Raum geben. Für mich entsteht dadurch ein noch facettenreicheres Bild und ich fühle mich noch mehr « selbst am Tisch sitzend ».

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    • Tacke

      Geht mir genauso. Ich habe die Zunahme an „Wein-Content“ auf Instagram auch schon gelobt :)

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