Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Sushi Nakazawa (D.C.) – mein letztes Mahl

Daisuke Nakazawa, ein ehemaliger Schüler Jiro Onos, wurde vor einigen Jahren von einem bekannten New Yorker Gastronomen nach Manhattan gebeten, um dort das Sushi Nakazawa zu führen. Das Restaurant, dessen Konzept etwas kommerzieller, d. h. massentauglicher, ist als andere der begehrten Sushi-Restaurants der US-Metropole, bekam schnell exzellente Kritiken und ist bis heute eines der erfolgreichsten der Stadt.

Im Jahr 2018 wurde das Konzept nach Washington exportiert. Das Restaurant befindet sich dort im Erdgeschoss des imposanten Trump International Hotels, das derzeit wegen ganz anderer Dinge Schlagzeilen macht.

Meine Reservierungszeit ist um 20:15 Uhr, tatsächlich verlassen die Gäste des vorherigen seatings erst gegen 20:11 Uhr das Restaurant. Ich warte noch ein bisschen im geräumigen Eingangsbereich mit Sitzmöglichkeiten und nehme wenig später, wie reserviert, auf einem der zehn bequemen Hocker am Sushi-Tresen Platz. Das Omakase-Menü kostet dort umgerechnet € 152, im separaten Sitzbereich mit normalen Tischen etwas weniger. Es gibt einige moderat kostenpflichtige Extras (Kaviar, schwarzer Trüffel und A5-Wagyu, von denen ich zwei wähle). Ich entscheide mich dazu für die Sake-Begleitung (€ 92).

Drei Sushi-Köche in Weiß präparieren das Essen, das ich in Ermangelung von Notizen hier nur bildlich wiedergebe.

Für Gäste, denen die heimische Gastronomielandschaft den Genuss von auch nur ansatzweise authentischem Sushi vorenthält, ist das Restaurant eine den Gaumen schmeichelnde Erleichterung. Für Gäste mit Vergleichsmöglichkeiten von Los Angeles bis Tokio gäbe es dagegen einiges zu kritisieren. Aber man kann ja auch einfach nur mal den Abend genießen. Dass genau das mein letztes gastronomisches Essen nicht nur in Washington, sondern für längere Zeit sein wird, hätte ich mir auch nie erträumen lassen.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Sushi Nakazawa (→ Website)
Chef de Cuisine: Masaaki Uchino
Ort: Washington, D.C., USA
Datum dieses Besuchs: 09.03.2020
Guide Michelin (Washington D.C. 2020): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 7 (Was bedeutet das?)
Diskussion bei Facebook: hier klicken

14 Antworten zu “Sushi Nakazawa (D.C.) – mein letztes Mahl”

  1. Dieter

    Ruhig ist es geworden hier im Forum. Keine Bewegung und keine Gaumenfreuden.
    Vielleicht für Interessierte: heute Abend auf ARTE – König der Haute-Cuisine. Auguste Escoffier, der Großmeister.

    Antworten
  2. Lundgren

    Julian, warum diesmal keine Notizen zu den Gerichten? Zuviel Sake?

    Antworten
    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Nein, es ist seltsam. Es gab, wie immer, digitale Notizen, doch sie waren auf keinem Gerät mehr zu finden. So etwas passiert mir eigentlich nie, und technisch habe ich es immer noch nicht ganz nachvollziehen können.

      Antworten
  3. Thomas

    Hallo Herr Walther,

    gäbe es die Möglichkeit, vielleicht eine „Kategorie für Einsteiger“ anzulegen? Oder eine Empfehlung einer Restaurant-Reihenfolge in Deutschland für „Anfänger“. Ich bin sehr an Produktqualität interessiert, würde aber sicher die Grandiosität in z.B. diesem Brooklyn Fare Restaurant nicht erschmecken. Wer erst ein paar mal Trüffelkäse gegessen hat weiß dann die Sorten nicht zu unterscheiden und was genau daran jetzt so toll ist so viel Trüffel drauf zu haben. Es fehlt mir denke ich eine Möglichkeit eine für Sie „mittelmäßige“ Referenz zu erfahren, eine Art Ausgangspunkt.

    Das gleiche mit Wein: Ich lese auch in den Kommentaren – zugegeben, das habe ich zugespitzt – sinngemäß immer nur von „ja die Flasche Chateau irgendwas premier plus hätte man auch ein halbes Jahr früher trinken müssen, der Sommelier hat da ja echt keine Ahnung“.

    Vielleicht verstehen Sie ja was ich meine. Womit sollte man, vielleicht in Berlin oder München, anfangen?

    Grüße, Thomas

    Antworten
    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Danke für die Anregungen, die ich gerne im Hinterkopf behalten werde. Ich muss Ihnen in einem wesentlichen Punkt jedoch widersprechen: gerade „perfekte Einfachheit“ erschließt sich in der Regel auch gastronomisch nicht so weit gereisten Personen. Natürlich begreift man nicht sofort alle Zusammenhänge jedes Gerichts oder hat vergleichbare Referenzen – oder man ist sogar verunsichert, ob man etwas „gut finden darf“, nur weil es einem „gut schmeckt“ -, aber am Ende geht es doch genau darum. Ich beklage ja oft, das man in der deutschen Spitzengastronomie immer noch viel zu oft mit „Tellerkunstwerken“ konfrontiert wird. So etwas muss man nicht gut finden, und man muss auch nicht (als normal interessierter Gast) zwingend lernen, Gerichte und deren Kompositionen zu „verstehen“. Die beste Annäherung an das, was Sie sich wünschen, ist, Restaurants mit einer reduzierten, produktbezogenen Küche aufzusuchen. Wenn Ihnen beispielsweise jemand in Frankreich frische Périgord-Trüffeln in kohlrabidicken Scheiben auf ein Gericht schneidet, dann wird sich Ihnen der wundervolle Geschmack dieser Pilze sofort erschließen – und es wird Ihnen hier nie wieder etwas jemand von Trüffeln erzählen können. Leider ist das Angebot – auch in Berlin und München – diesbezüglich etwas spärlich.

      Bzgl. Wein gibt es fast noch mehr heiße Luft als beim Essen. Ein guter Wein lässt sich immer trinken – er hat zu verschiedenen Zeiten nur eben unterschiedliche Eigenschaften. Auch diesbezüglich darf man Präferenzen haben. Wer auf den Sommelier schimpft, glänzt in der Regel selbst nicht mit besonders viel Weinwissen. Man darf sich nicht verunsichern lassen. Bleiben Sie neugierig bezüglich Qualitäten und Produkten!

      Antworten
      • Philipp

        Das Moissonnier in Köln (2 Sterne) ist ein guter Einstieg finde ich. Da wird man auch direkt mit mehreren Tellern pro Gang „konfrontiert“ und kann vieles kennenlernen. Für Berlin bietet finde ich das Facil (2 Sterne) ein sehr zugängliches Mittagsmenü. In München finde ich es schwieriger, ggf. das Les Deux?

        Ansonsten haben Sie nicht so viel Angst, dass Ihnen eine Nuance entgeht. Man kann nur wachsen wenn man etwas erlebt, ich war damals früh mit dem dritten Besuch im Epicure in Paris (3 Sterne) und das würde ich Ihnen auch nahelegen. Große Qualitäten erschließen sich auch ohne Vorwissen und ich habe z.B. erst dort sowas wie Jakobsmuschel, Bitterschokolade und Weichkäse in „hervorragend“ kennengelernt – vorher habe ich immer gesagt „das mag ich nicht“.

        Gehen Sie aber mit wachem Geist hin, machen Sie Fotos oder Notizen, vielleicht mit jemandem gemeinsam mit dem Sie darüber sprechen können oder schreiben Sie danach etwas im Forum von Restaurant-Ranglisten oder in Ihrem Blog – so bleibt dann möglichst viel vom Erlebten hängen.

        Antworten
  4. Gott

    Du haust Dir am liebsten rohen Fisch rein und erzählst, dass Du panische Angst vor Keimen hast? Kaviar!? Sake Begleitung? Wtf lol Gibts hier eigentlich auch Ikizukuri?

    Antworten
  5. Claudia

    Zumindest in Hamburg ist ja jetzt ein „erstes Mahl“ wieder möglich. Haben Sie schon Pläne oder warten Sie noch ab?

    Antworten
    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Ich werde den Wiedereinstieg in die Gastronomie von den Gegebenheiten abhängig machen. Da inzwischen klar ist, dass die Verbreitung des Corona-Virus erheblich auch über Aerosole erfolgt, sehe ich geschlossene Räume ohne eine darauf abgezielte Belüftung sehr kritisch. Aber Hamburg hat im Sommer ja zum Glück einige nette Terrassen zu bieten.

      Antworten
      • Claus

        Schlecht belüftete Räume können zur kalten Jahreszeit ein großes Problem werden. Ich werde jedenfalls nicht in stickigen Räumlichkeiten sitzen. Hier in Nürnberg betrifft es fast die gesamte gehobene Gastronomie, wie zum Beispiel die engen Räumlichkeiten im Essigbrätlein.

        Antworten
        • Claudia

          In einem Restaurant wie dem Essigbrätlein können gefühlt – zumindest unten – mit den Abstandsregeln sowieso nur ein paar Gäste sitzen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie ein Restaurant mit solchen räumlichen Gegebenheiten das überleben soll.

          Antworten
  6. Uwe

    Optisch sieht der Fisch auf den Bildern eher nach 8 Punkten aus, der Reis scheint hier die Wertung nach unten zu ziehen.
    Wie war denn die Sake Begleitung? Noch Erinnerungen daran? Sake erschließt sich mir nicht. Die beiden male im Vendome und bei Tim Raue waren sicherlich hochwertig, finde jedoch „leider“ keinen Gefallen daran.
    Hoffe das bald wieder Berichte erfolgen vom ersten Mahl.

    Schönen Sonntag und viele Grüße vom sonnigen Kaiserstuhl

    Uwe

    Antworten
    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Ich bin über meine Reisen nach Japan großer Sake-Fan geworden. Die sprachlichen Hürden machen es aber schwierig, sich durch das Dickicht zu navigieren. Die Sake-Begleitung hier war mäßig bis sehr gut, aber durch Variation (Rosé, sprudelnd u. a.) insgesamt recht interessant. Viele Grüße zurück.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Thomas Antworten abbrechen

Einfaches HTML ist erlaubt. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diesen Kommentar-Feed über RSS abonnieren