Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Gedanken zu Corona I ‒ Hygiene

Während die Pandemie mit dem Sars-CoV-2-Virus derzeit die Welt verändert, erscheint das Thema, über Restaurants zu berichten, geradezu nichtig. Doch gerade das Gastgewerbe leidet enorm unter den Einschränkungen der Corona-Krise. Viele Restaurants machen ihr jeweils Bestes daraus, sei es für die Gesellschaft (wie z. B. in Deutschland das von Max Strohe vom Berliner Tulus Lotrek ins Leben gerufene Projekt „Kochen für Helden“ oder in New York das Eleven Madison Park, das derzeit Mahlzeiten für Obdachlose zubereitet), sei es fürs eigene Überleben durch den Verkauf von Mahlzeiten zum Mitnehmen nach Hause in Kisten oder Tüten. Dass Restaurants langfristig jedoch nur von Gästen leben können, ist offenkundig. Ein Restaurantbesuch ist daher immer auch eine Unterstützung der Existenzen dahinter.

Doch wie schnell die Gastronomie wieder zur „Normalität“ zurückkehren kann, ist mindestens genauso wichtig wie die Frage, was sich nach der Pandemie ‒ oder nach deren Gröbstem ‒ für die Gastronomie verändern wird. Ich als Gast habe diesbezüglich auch in verschiedenen Bereichen Hoffnung auf Veränderung. Ein großer davon heißt: Hygiene. Diesen Bereich möchte ich heute kurz streifen.

Wer mich gut kennt weiß, dass ich schon immer einen „Hygienefimmel“ hatte. In unzähligen Restaurants habe ich schon mein Fläschchen Sterillium auf dem Platz vergessen; der Griff zum Handdesinfektionsmittel ist immer meine erste Amtshandlung in einem Restaurant. Wenn ich die Speisekarte angefasst habe, wiederhole ich den Vorgang. Begegne ich jemandem, den ich kenne und der mir die Hand schüttelt, ist es das dritte Mal. Gelange ich in die seltene Situation, das Desinfektionsmittel vergessen zu haben, gehe ich als erstes zu den Waschräumen und wasche mir die Hände, verzichte dann aber so gut es geht auf weitere potenziell infektiöse Handgriffe. Auf jedem Olivenölfläschchen lauern Keime, an jeder Armlehne das Ungewisse.

Was man leicht als Macke belächeln kann, würde jeder wohl spätestens jetzt als nachvollziehbar erachten und mich um mein Sterillium beneiden. Mein Vorrat ist zumindest gesichert. Ich hatte schon einen, bevor die meisten überhaupt von Sterillium gehört haben. Ich wusste auch schon immer, wie man sich richtig die Hände wäscht. Dass man den Deutschen das derzeit so genau erläutern muss, empfinde ich als befremdlich. Ich habe schon immer mit einer Mischung aus Degout und Bedauern auf Gäste geschielt, die nach dem Platz nehmen am Tisch ungeniert zum Brot greifen und ihre Keime aus dem Taxi oder von der Türklinke gleich mitverzehren. Wenn diese Personen die nächsten Tage dann auf der Toilette verbringen, geben sie oft dem Essen die Schuld.

Ein lauwarmes Tuch, das man Gästen in manchen Restaurants zur Begrüßung reicht, hilft übrigens nicht, um Infektionen vorzubeugen (es sei denn, es ist so heiß, dass man sich daran die Hände verbrüht). Ich habe diese Geste daher nie verstanden. Ein Desinfektionsspender im Eingangsbereich oder ein kleines Fläschchen Desinfektionsgel, das mit einem Zwinkern auf einem Silbertablett serviert wird, wären nützlichere Gesten ‒ nicht nur in Zeiten einer Pandemie.

Im Gastraum eines Restaurants sind natürlich noch andere Faktoren entscheidend, die zum Gesundheitserhalt der Gäste beitragen. Das regelmäßige Desinfizieren von Tischen und, noch wichtiger, von Gegenständen, die Gäste oft anfassen, sollte ebenfalls die Norm sein. Viele solcher Konzepte sind längst Bestandteil der ohnehin schon geltenden Hygienebestimmungen, doch als Gast wundert man sich oft, ob diese wirklich in Fleisch und Blut jedes Akteurs eines Restaurants übergegangen sind. Sollten künftig Menschenleben davon abhängen, sollte das lieber gewährleistet sein. Auch ein vernünftiges Klimatisierungskonzept sollte zum Standard eines Restaurants gehören, in dem Gäste länger verweilen. In stickiger Atemluft will ich zumindest in Zukunft noch weniger verweilen als vor der Pandemie. Zeitgemäße Klimaanlagen sind genauso wenig ursächlich für Infektionen wie ein kalter Windzug ‒ das genaue Gegenteil ist der Fall. Moderne Klimaanlagen haben Partikelfilter, und ein frischer Luftzug sorgt für eine schnellere Verwirbelung von Aerosolen und Tröpfchen.

Wer schon einmal in einer Profiküche zugesehen hat, dem dürften auch dort Bedenken kommen. Die Bedenken kommen mir nicht bei scheinbaren Fauxpas wie dem Ablecken eines Löffels. Wenn der danach in den 90 Grad heißen Kalbsfond wandert, ist mir das herzlich egal. Viel bedenklicher finde ich bspw. das ständige Anrichten lauwarmer Zutaten am Pass. Und zwar nicht wegen der nackten Finger, sondern nur, wenn diese Finger vorher den Stabmixer angefasst haben, dessen Griff länger nicht desinfiziert wurde. Oder schlimmer noch, sie haben Gästen zuvor die Hände geschüttelt und sich danach nicht gründlich die Hände gewaschen.

Wenn schon ich als Gast manchmal „lieber wegsehen“ muss, läuft da etwas schief. Gerade in Zukunft erwarte ich von Restaurants einen deutlich bewussteren und sichtbarer gelebten Umgang mit dem Thema Hygiene, unabhängig von den vermutlich ohnehin unübersehbaren Wiedereröffnungsauflagen der Behörden während der Corona-Zeit.

Ich werde nicht der Erste sein, der den Restaurants wieder die Türen einrennt. Erst, wenn sich neue Abläufe etabliert haben und das Thema Hygiene insgesamt weiter in den Fokus aller gerückt ist ‒ Gästen sowie Angestellten ‒, werde ich wieder mit Freude die Tür eines Restaurants öffnen. Vielleicht muss ich mein Sterillium nächstes Mal ja nicht selbst mitbringen.

26 Antworten zu “Gedanken zu Corona I ‒ Hygiene”

  1. Stefan Stulle

    Seit Ostern, seit den Untersuchungen durch Prof. Streeck wissen wir, es gibt keine Schmierinfektionen. Wir müssen also nicht so tun, als ob Speisekarten u.ä. Infektionsquellen darstellen.
    Coronainfektionen haben wir seit 60 Jahren jedes Winter. Nur dieses Jahr dass Theater. s gibt auch nicht mehr Infektionen als sonst. Nicht das Virus ist verheerend, sondern die Reaktionen darauf.

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Unabhängig von den Schmierinfektionen (von denen es genug andere gibt – es muss ja nicht das SARS-CoV-2 sein), möchte ich in meinem Blog nicht stehen lassen, dass diese Pandemie nicht verheerend sei. Ich habe Ärzte und Wissenschaftler in meinem Bekanntenkreis und kann – über erschreckend wenige Ecken – sogar über Tote berichten. Ich frage mich manchmal, in welcher Fake-News-Blase man sich bewegen muss, um die Lage zu verharmlosen.

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      • Philipp

        Sie haben völlig recht, die Lage ist alles andere als harmlos. Allerdings nicht, weil etwa zu wenig oder zu spät reagiert wurde, sondern weil überhaupt in dieser Heftigkeit reagiert wurde. Die Bevölkerung eines ganzen Landes wegen einem – verzeihen Sie mir – verschwindend geringen Prozentsatz (vom Altersschnitt gar nicht zu reden) massiv in ihrem Leben und der Ausübung ihrer Berufe einzuschränken, ist mindestens diskussionswürdig.
        Und ich spreche damit von den Fakten. Menschen werden krank. Menschen sterben. Das ist schlimm – und wäre ich direkt betroffen, bezweifle ich, dass ich dieselbe Ansicht in dieser Härte vertreten könnte – aber es passiert nun mal. Würde man jeden Tag einfach so, also auch ohne Virus, die tägliche Anzahl an Toten veröffentlichen, wäre der „Schock“ jetzt weniger groß. Dabei habe ich noch nicht einmal angefangen, mich mit den alljährlichen Grippewellen zu beschäftigen.
        Soviel dazu. Ich will allerdings nicht unfair sein: Momentan bin ich sehr froh, dass es meinem Umfeld und mir gut geht und dass ich weit entfernt davon bin, selbst politische Entscheidungen dieses Ausmaßes treffen und öffentlich vertreten zu müssen – in diesem Punkt habe ich, unabhängig von meiner privaten Meinung, Hochachtung vor j e d e m Entscheidungsträger.

        Können Sie sich an die medial aufgebauschte Studie nach Schirachs Romanvorlage erinnern, bei der es um die Frage ging, ob ein Kampfpilot das Leben der Flugzeuginsassen für das Leben von 70 000 Menschen opfern darf. Gerade nehmen wir massive Einschränkungen von „70 000“ für das Leben der „Flugzeuginsassen“ in Kauf.

        Ein Wort zur Hygiene: Ich gehöre zu den Menschen, die glücklicherweise schon lange wissen, wie man sich richtig die Hände wäscht. Nur weiß ich ebenso gut, dass der menschliche Körper über sehr gute Mechanismen zur Abwehr und Bekämpfung von Viren und Bakterien verfügt – vorausgesetzt man lässt ihn sie einsetzen und zerstört sie nicht mutwillig bzw. riskiert einen Rückbau wegen übermäßiger Verwendung von Desinfektionsmitteln.

        Viele Grüße nach Hamburg.

        P.S.: Danke, dass Sie Menschen an Ihren kulinarischen Abenteuern teilhaben lassen. Ich lese Ihre Berichte jedes Mal sehr gerne und erfreue mich daran, dass Sie offenbar nicht nur Ihre Eindrücke so differenziert wahrnehmen können sondern ebenso in der Lage sind, sie sprachlich geschickt niederzuschreiben.

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        • Beate

          Sie haben recht. Menschen sterben. Sie haben aber bei Krankheit meistens die Möglichkeit den Tod durch eine medizinsche Behandlung abzuwenden oder zumindest so gut es geht zu verzögern. Und ich glaube diesen Punkt haben Sie (wie so viele) überhaupt nicht verstanden, dass es bei allen Massnahmen einzig darum geht, das Virus soweit in den Griff zu kiregen, dass die medizinische Versorgung für Kranke nicht komplett zusammenbricht. Oder was würde Phillip sagen, wenn der Herr Oberarzt sagt: Leider gerade kein Beatmungsgerät für Sie da, Sorry. Ich schiebe Sie dann zum Sterben mal in den Flur.

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        • dgu

          Vielen Dank für Ihre Geraderückung, ich schließe mich voll umfänglich ihrer Meinung an und möchte ergänzen: Meiner Meinung nach kommt die ganze gesellschaftliche Hysterie, die teilweise vorherrscht, auch daher, dass in unserer Gesellschaft der Tod grundsätzlich nicht mehr existent ist und weitestgehend ausgeblendet wird. Die Menschen erwarten unbewußt, wenn schon nicht ewig, dann wenigstens sehr lange leben zu können und dürfen, woran ja per se erstmal nicht ehrenrühriges ist. Aber trotz allem hat unser Leben ein Ende und die Politiker oder öffentlichen Personen, die so oder ähnlich auch argumentieren, werden diffamiert.

          Es wird öfters darüber geschimpft, dass die „alten“ Leute, für die deren Schutz viele der aktuellen Einschränkungen da sind, sich manchmal/öfters nicht an diese halten. Aber hat mal jemand diese Menschen gefragt, ob die das überhaupt wollen? Durch die ehrenamtliche Mitarbeit in einem Pflegeheim weiß ich, was die wenigen sozialen Kontakte, die z. B. Bettlägerische haben, denen bedeuten und was es jetzt heißt, in fast totaler Isolation zu sein – unmenschlich für eine Verlängerung des Lebens um vielleicht zwei oder drei Monate.

          Desinfektionsmittel habe ich auch heute noch nicht zu Hause und werde dieses nicht benutzen, habe mir in Restaurants jeder Couleur noch nie irgendwas geholt oder vom entsprechenden Essen etwas nicht vertragen, vielleicht liegt das genau daran, dass ich nicht panisch nach jedem berühren von Griffen etc. mir die Hände desinfizieren muß. Der Körper muß lernen, mit Keimen umzugehen, nur dann kann er diese im Ernstfall auch bekämpfen.

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      • Claus

        Herr Walther, ich verharmlose gewiss nicht diese Pandemie, aber haben Sie mal recherchiert wie viele Millionen Menschen jährlich durch ungesunde Ernährung sterben? Ich beachte die üblichen Hygieneregeln, aber man kann es auch übertreiben.

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  2. Dr. Hinrich Sudeck

    Für mein Buchprojekt habe ich das Thema früher schon recherchiert- interessant diese Arbeit : Pathogen Persistence in Restaurant Menus: Comparison between Materials von Martín Gámez N, Mengual Lombar M, Carcedo I, Lopez M.A and Álava J.I.
    Fazit: Restaurants mit laminierten Speisekarten …. sollte man sowieso meiden.
    Und auch interessant und schon schwieriger: Taste and Safety: Is the Exceptional Cuisine Offered by High End Restaurants Paralleled by High Standards of Food Safety? von Sanch Kanagarajah
    Nein , leider zumindest in UK nicht ……..

    aber ich denke genauso : Das Leben, es ist wild und gefährlich. Und Genießen schützt sicher irgendwie vor vielem.

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  3. Sven

    Am ersten Tag, wo es wieder möglich ist, werde ich, unter Beachtung der heute nötigen Regeln, in eines unserer Restaurants gehen. An dem Tag, wo dieses Virus als ‚besiegt‘ gilt, werde ich helfen die Tische wieder zusammenzurücken, Plexiglas zu entsorgen und Abstandskleber vom Boden abzuziehen.
    Es werden täglich Milliarden von Mahlzeiten mit den Händen bereitet, zig–Milionen davon (hoffentlich bald wieder) in Restaurants. Die Gefahr sich in einem Restaurant etwas einzufangen ist nicht grösser als im Büro, auf den Airport, bei einer Familienfeier, auf einem Konzert, bei einem Kongress undundund.
    Ich setze bei einem Gastronomen soviel Selbstachtung und Gastliebe voraus, dass er sauber genug arbeitet, damit die Übertagung von was auch immer unwahrscheinlich gemacht wird. Das die letzten paar hundert Jahre gut geklappt.
    Die aktuelle Situation hat Ihren Ursprung nicht im fehlen von Hygienekonzepten in den von uns besuchten Restaurants. Veränderungen dort werden keinen relevanten Einfluss auf unsere Lebensdauer haben – wohl aber einen auf unsere Lebensqualität.

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  4. Jens

    Danke für einen interessanten gedanklichen Exkurs. Grundsätzlich macht es immer Sinn die Hände vor dem Essen zu waschen – und zwar gründlich mit Seife. Die Chance über Oberflächen, wie z.B. die Speisekarte hingegen relevante Keimmengen aufzunehmen ist sehr gering. Zumindest wird das im allgemeinen so von Hygienikern berichtet.
    Für mich selbst als Organtransplantiertem ist die Frage der Hygiene von überragender Bedeutung. Deswegen kann ich vieles, was Julien beschreibt auch nachvollziehen.
    Es ist allerdings hilfreich zu unterscheiden: Die Keime, die durch zu langes „Rumstehen“ von Saucen, Dips, Gelen u.ä. zu wachsen beginnen, sind zumeist Staphylokokken. Das resultierende Krankheitsbild ist dann Durchfall, Erbrechen u.s.w. Zumeist ist es dann aber auch vorbei.
    Viel gewichtiger und gefährlicher sind die Keime, die -z.T. auch unbhängig vom Frischegrad- in den Rohprodukten vorhanden sind. Ein „klassisches Beispiel“ sind die Salmonellen im Ei, oder die auch hier im Blog schon thematisierten Campylobacter Infektionen durch Geflügel, das nicht durchgegart ist. Oder Yersinien im Schweinefleisch. Hier hilft nur Produktkenntnis der Küche, gute Lieferketten und Vertrauen.
    Und sehr wichtig ist es eben auch, daß das Personal selbst in den Küchen die Hygieneregeln einhält. V.a. das Händewaschen ist hierbei entscheidend und wird in so vielen Küchen nicht praktiziert, daß man besser nicht drüber nachdenkt. Ich besuche deswegen nur Gastronomien denen ich vertraue – oder ich bestelle eben hygienisch unbedenkliches (weil durchgegart).

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  5. Claus

    Die Restaurantinhaber haben genügend Zeit ihr Hygenie-Konzept zu überarbeiten. Wobei ich glaube, dass eine beträchtlige Zahl die nächsten Wochen nicht überleben wird, ob nun in Deutschland oder im Ausland. Ob dieses Jahr noch Gourmetreisen in die USA, UK Japan möglich sind, wage ich zu bezweifeln.

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  6. Rolf Warneke

    Ich möchte Herrn Moumouris zustimmen. Ein Schulfreund (Hausarzt) sagte mir einst: Das Leben ist voller Risiken, und es ändert immer tödlich. Im Vergleich zu für 75 Jahren sind wir doch immer noch – in Mitteleuropa – gut dran. Man kann’s mit der Vollkasko-Mentalität auch übertreiben.

    „Ich fürchte nicht um mein Leben, ich hab nur Angst vor dem Schmerz.“ (Peter Hein/Fehlfarben).

    Ich versorge gerade mit meiner Freundin meine 91jährige Mutter, die nach einem schweren häuslichen Unfall zweimal im Krankenhaus mit Corona-Verdacht war (das Krankenhaus war betroffen).

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  7. Martin

    Vielen Dank für den immer sehr lesenswerten Blog.

    Mich würde interessieren, ob es denn Studien gibt, die von Fällen berichten, wo sich jemand über eine Speisekarte oder beim Händereichen angesteckt hat? Mir ist zumindest keine bekannt.

    Wenn jemand Bedenken hat und sich daher ständig die Hände desinfiziert, soll er dies tun. Ich für meinen Teil möchte aber auch nicht z.B. mit einer frisch desinfizierten Hand ein Brot in den Mund schieben. Desinfektionsmittel und dessen Rückstände sind sicher auch nicht gesund – es sei denn, Trump hat recht und Desinfektionsmittel wirkt auch von Innen.

    Wenn mir ein Restaurant eine Flasche Desinfektionsmittel reicht, würde ich mir vermutlich mehr Gedanken um die Hygiene machen, als ohne. Stichwort: „Die scheinen es ja nötig zu haben…“.

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  8. Kai

    Ich gehe zwar mit meiner Handhygiene weitaus entspannter um und erfreue mich dennoch seit jeher bester Gesundheit, aber dafür darf ich beim Japaner nicht so genau hinschauen, wenn das Sushi in der Hand verknetet wird – denn egal wie oft der Meister zwischendurch die Finger mit einem Tuch reinigt (sicherlich ohne Desinfektionsmittel drin, denn das würde sich auf den Geschmack auswirken), sondert die Haut der Handfläche doch sofort wieder Sekrete ab, gerade auch wegen der vorhergehenden „Behandlung „. Natürliche Körperreaktion. Dieser „Schweiß“, wie ich es der Einfachheit halber mal nenne, landet dann zwangsläufig auf dem Fisch und dem Reis. Darüber darf ich beim Essen nicht nachdenken, auch wenn es gesundheitlich natürlich unproblematisch ist (wie eben bei so vielen anderen Situationen auch). Dass Dir das aber nichts ausmacht, wundert mich tatsächlich.

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Bei den Japanern ist das eine spezielle Situation. Zunächst sieht man ausnahmslos, wo der Meister den ganzen Abend seine Hände hat. Ein Sushimeister greift ja nicht einmal in einen Kühlschrank o. ähnl., dafür hat er seine Hilfsarbeiter, die ihm alles zurechtlegen. Er schüttelt niemandem die Hände, steht fast nur auf einem einzigen Punkt. Ich glaube nicht, dass dabei relevante Keime weitergegeben werden. Schweiß ist nach meinem Wissen nur bei den allerschlimmsten Infektionskrankheiten (Ebola u. ähnl. Viren) infektiös. Dann wäre eine Arbeit in der Küche wohl ohnehin kein Thema mehr.

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      • Kai

        Das ist mir alles bewusst. Mir selbst geht es wie geschrieben auch gar nicht um Infektionen, sondern mir genügt der Gedanke an den harmlosen Schweiß an sich, den ich dann via Sushi auf der Zunge habe. So hat eben jeder sein persönliches „Ding“… ;)

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  9. Arne C. Gerson

    man nannte mich schon vor Corona Mr. Sagrotan , als Dauergast in Hotels , weltweit,gerade / auch in 5 Sterne Häusern sind erste Amtshandlungen das desinfizieren von Türgriffen, Kopfteil, Fernbedienung , Bad … genauso wurde ich so oft belächelt und galt als Freak, allerdings war ich nie krank , nur im winterlichen Nordchina hat es mich letztes Jahr übel erwischt, zum Segen kein Corona, Übrigens der weltweit bekannte Koch Jamie O. ist in Korea kein Quotenbringer, sein händisches „Gematsche“ im Essen ekelt Koreaner an.
    Tim M. macht es Ihm leider, wie so vieles ,nach.
    In China wird nun versucht die gesamte Esskultur auf den Kopf zustellen, vernünftige Idee, das herum stochern mit den eigenen Essstäbchen in den für alle am Tisch sitzenden Gäste gedachten Tellergerichten ist gruselig.

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      • Markus Schmidt

        Servierstäbchen und Essstäbchen nicht auseianderzuhalten kommt bei chinesischen Essern sozusagen nie vor. Wenn, werden die betreffenden Stäbchen sofort aus dem Verkehr gezogen. Das ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich habe auch meine Zeit gebraucht, mich an diese Regel zu gewöhnen….

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  10. Marco

    Ich glaube – und das zeigt sich ja in großen Teilen der Bevölkerung schon jetzt – dass das Thema fast genau so schnell in Vergessenheit geraten wird, wie es in das kollektive Bewusstsein vorgedrungen ist. Sobald sich die Türen der Restaurants wieder öffnen, werden in-die-Hand-hustende und mit dieser Hand Speisekarten-berührende Menschen gut gelaunt die Tische bevölkern und feiern, dass „die Pandemie endlich vorbei ist“…als wäre das der Fall. Schlimmer noch: Als hätte es vor Covid 19 keinen Grund gegeben, sich ausgiebig die Hände zu waschen und ein Fläschhen Handdesinketionsgel dabei zu haben. Ich habe es auch schon immer so gehalten, wie Sie es oben beschrieben haben. Auch ich habe seit Beginn der Pandemie und dem damit einhergehenden Mangel an Desinfektionsmittel, noch keinen Bedarf gehabt, da ich über ausreichende Reserven verfüge. Außerdem habe ich – zumindest was Hygiene angeht – kaum etwas geändert, da ich bereits vorher im Freundeskreis als Keimphobiker galt ;-) Ich fürchte aber, dass nur die wenigsten Menschen durch die aktuelle Situation nachhaltig Ihr Verhalten ändern werden. So wie ich kaum etwas ändern muss, um den aktuellen Anforderungen gerecht zu werden, werden wohl die meisten Menschen schneller als gewünscht wieder zu Ihrer Normalität zurückkehren. Deshalb glaube ich, dass die Rückkehr zu genussvoller Gastronomie gar nicht an unzureichend desinfizierten Stabmixern scheitert, sondern an der Dummheit der Massen und deren Ignoranz gegenüber den hygienischen Bedürfnissen Anderer.

    Besonders ärgert mich das, weil mir Restaurantbesuche tatsächlich fehen – sehr sogar. Nicht nur das Essen, auch die Gesellschaft, der Wein, das Erlebnis als Ganzes. Ich habe das große Glück über eine gut sortierte Auswahl anständiger Weine zu verfügen, ich koche „nicht schlecht“ und Nahrungsmittel in guter Qualität kann man zu meinem großen Glück – völlig ohne das Haus verlassen zu müssen – einfach online bestellen. Dennoch ist echte Spitzengastronomie durch nichts zu ersezten. Es stimmt mich traurig, dass wir wohl noch eine Weile darauf verzichten müssen und dann, wenn´s wieder los geht, wohl immer das Damoklesschwert einer erneuten Auweitung des Infektionsgeschehens durch zu unbedachtes Handeln weiter Teile der Bevölkerung über dem Ganzen schwebt. Und was den Genuss angeht…Herr Walther, da bin ich bei Ihnen. Selbst wenn es wieder los geht, werde ich eine Weile brauchen, bis ich dem Spiel wieder traue.

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  11. Thomas Pfaffendorf

    Das von Ihnen erwähnte lauwarme Tuch ist so wirkungslos nicht, wie Sie es vermuten. In der Medizin ist schon lange bekannt, dass der „mechanische Teil“ – also das Wischen – zwischen 30 und 50% der gesamten Desinfektionswirkung von Oberflächen bzw. der menschlichen Haut ausmacht. Auch dieses vorher gereichte Hand-Tuch hat also eine keimreduzierende Wirkung. Im Übrigen zerstört häufige Nutzung von Desinfektionsmitteln die natürliche Schutzbarriere der Haut, welche ja selbst schon antiseptische Eigenschaften (Säureschutzfilm) aufweist.

    Dass es in einigen Restaurants alles andere als hygienisch zugeht, steht natürlich außer Frage!

    Schönen Sonntag.

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    • Thomas Pfaffendorf

      PS: Sollten Sie Zweifel an der hygienischen Unbedenklichkeit eines Restaurants hegen, gibt es eine ganz einfache Regel für eine erste, grobe Einschätzung: schauen Sie sich die sanitären Räumlichkeiten an. Diese sind nämlich wesentlich leichter sauber zu halten als jede Küche!
      In diesem Sinne: Guten Appetit!

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  12. Claus

    Was ich mir noch wünschen würde, dass einige Sternerestaurants nicht mehr so eng bestuhlt werden. Das finde ich dringender als ein Fläschchen Sterillium ;-)

    P.S. Die korrekte Schreibweise ist SARS-CoV-2

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  13. Tara

    Mich hat es auch schon immer gestört, dass Köche zu viel mit den Fingern an meinem Essen rummachen. Dann lieber Landhaus-Schöpfkellen-Küche oder Pinzettenköche, aber immer den Salat mit der Hand auf meinem Teller zum Türmchen aufschichten – ich mochte es noch nie.

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