Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Anna Sgroi – alles neu?

Wenn sich in meinem Wohnort Hamburg irgendetwas in der Sternegastronomie tut, möchte ich mir immer schnell ein Bild davon machen; sei es, wie im Fall von Anna Sgroi, lediglich ein Umzug.

Die gebürtige Sizilianerin und Koch-Autodidaktin ist seit vielen Jahren fester Bestandteil der Hamburger Gastronomielandschaft. Bereits in den Neunzigerjahren – als ich noch wenig an Restaurantbesuche auf diesem Niveau dachte – hielt ihr Restaurant Anna e Sebastiano acht Jahre lang einen Michelin-Stern. Anfang des neuen Jahrtausends kochte sie dann im Sgroi im Stadtteil St. Georg, zwischen Schwulencafés und Drogenberatungsstellen. Viel Laufkundschaft dürfte es dort nicht gegeben haben.

Anna Sgroi - 31.05.2013

An ihrem neuen Standort in Hamburg-Pöseldorf ist das genaue Gegenteil der Fall. In der Milchstraße, zwischen Einrichtungsgeschäften, Boutiquen und Jil Sanders Privatresidenz, reiht sich ein Restaurant neben das andere. Gut betuchtes (und betagtes) Publikum kehrt hier abendlich in wenig beachtenswerte Stammlokale ein.

Auf jeden Fall kann man für Anna Sgroi hoffen, dass diese Gegend besser geeignet ist, um das Reservierungsbuch zu füllen. Es sieht ganz danach aus, denn einige Walk-ins an diesem Freitagabend werden höflich wieder hinausgebeten – gucken ja, essen nein. Macht nichts, geht man eben ins Block House um die Ecke.

Anna Sgroi - 31.05.2013 Anna Sgroi - 31.05.2013

Ich bin an diesem Freitagabend in Stimmung für gute italienische Küche. Zwar haben mich Anna Sgrois Gerichte nie restlos begeistert, doch vielleicht bringt der neue Standort ja neue Impulse. Das Ambiente ist nach wie vor sachlich geblieben; etwas Kunst würde den kargen Wänden bestimmt ebenso gut stehen wie dem Raum eine etwas wärmere Beleuchtung.

Anna Sgroi - XXX - 31.05.2013

Doch gehen wir das Essen an! Ich entscheide mich für das Menü mit zwei Hauptgängen für € 79. Dieses beginnt mit einem marinierten Saibling mit rohem Spargel und Forellenkaviar – ganz in Ordnung.

Anna Sgroi - Sizilianische Auberginencaponata mit Hummer - 31.05.2013

Der erste Gang ist dann Sizilianische Auberginencaponata mit Hummer. Das süffige Säurespiel des Gemüses gefällt mir, doch die Qualität des Hummers überzeugt nicht besonders. Wenn ich mich weit aus dem Fenster lehne, würde ich sogar sagen, hier den tiefgekühlten „High Pressure Lobster“ aus dem „FrischeParadies“ zu erkennen. Gegen den ist für den heimischen Gebrauch – wenn es mal schnell gehen soll – nicht viel einzuwenden, aber ein Spitzenprodukt ist das nicht.

Anna Sgroi - Artischockenravioli mit gequetschten Tomaten und Basilico - 31.05.2013

Und spätestens mit dem nächsten Gang reiht sich diese Küche ein in die unzähligen Küchen dieser Stadt (und dieses Landes), die alle dasselbe Problem haben: mangelhafte Produkte. So hätten die Artischockenravioli mit gequetschten Tomaten und Basilico wunderbar nach Sommer schmecken können, doch mit geschmacklosen Tomaten und ebenso neutralen Artischocken wird das natürlich nichts. Schade, denn an der Machart liegt es nicht!

Anna Sgroi - Gebratenes Filet von geangeltem Steinbutt mit Cardoncellipilzen - 31.05.2013

Der folgende Gang, ein gebratenes Filet von geangeltem Steinbutt mit Cardoncellipilzen, ist eine regelrechte Zumutung – die sich vom Fisch lösende Haut ist labbrig und zäh, und die Qualität des Fischs kann ich nicht ausmachen, da das arme Tier in einer scheußlich stark abgebundenen Sauce ertränkt ist. Ich lassen den Teller zurückgehen und bitte um die Speisekarte, um diesen Gang zu ersetzen.

Anna Sgroi - Risotto alla Finanziera mit Spitzmorcheln - 31.05.2013

Glücklicherweise wähle ich genau richtig. Das Risotto alla Finanziera mit Spitzmorcheln (€ 19) – und natürlich auch mit Hahnenkämmen, Hähnchenmägen, Kaninchenleber und Entenherzen – ist das einzig hervorragende Gericht an diesem Abend. Mutig gewürzt, herzhaft und schlotzig. So wünsche ich mir die Küche hier!

Anna Sgroi - Hirschrücken in Pancetta di Parma mit weißer Polenta und Confit von roten Zwiebeln - 31.05.2013

Doch auch der weitere Gang es Menüs, Hirschrücken in Pancetta di Parma mit weißer Polenta und Confit von roten Zwiebeln, vermag dann wieder keine Akzente zu setzen. Die Fleischqualität ist gut, aber sämtlichem Drumherum fehlt es an allem.

Ein Dessert soll es dann nicht mehr sein. Das wird schließlich auch nichts daran ändern, dass ich die wirklich gute italienische Küche nicht in Hamburg suchen sollte, sondern in … genau. Aber keine Sorge, die Pläne stehen bereits. Ciao!

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Anna Sgroi (→ Website)
Chef de Cuisine: Anna Sgroi
Ort: Hamburg, Deutschland
Datum dieses Besuchs: 31.05.2013
Guide Michelin (D 2013): * (vor Umzug)
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6

12 Antworten zu “Anna Sgroi – alles neu?”

  1. mvo

    Ihr Blog ist sehr ambitioniert gestaltetes Hobby. Kompliment. Schade, daß Sie sich mit den unqualifizierten Texten und Kommentaren derart desavouieren.

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  2. Leisler

    Gratulation, daß Ihre Portionen zumindest für mehrere Gabeln reichten!

    In den alten Räumlichkeiten bezog sich der Minimalismus ja auf nichts in solch extremem Maße wie die Portionsgrößen. Einmal eingeatmet – schon war es fort, das Risotto!

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  3. duni

    anna sgrois “ rezepte für den hausgebrauch“ wie sie zb im sz-magazin standen, fand ich immer ganz nett und meist auch recht unaufwändig zu realisieren; mit zeitgenössischer italienischer spitzenküche hat das ganze leider nur wenig zu tun.

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  4. Kai-Thorsten Bräsch

    Endlich mal ein ehrliches Wort zum „TK-Hoch-Druck-Hummer“. Gerade diese Firma versucht es gerne, dieses TK-Produkt mit frischen Lobster auf eine Stufe zu stellen. Sehr enttäuschend der Restaurantbesuch. Hatte Anna viel besser in Erinnerung. Mal wieder gut geschrieben. Best Kai

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      • Pat

        Bei entsprechender Produktqualität wäre vermutlich der Preis höher gewesen. Ich hatte mich schon gewundert: 79 Euro für ein Menü mit zwei Hauptgängen? In einem eleganten Restaurant im Nobelviertel?

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        • Trois Etoiles

          Das bestätigt meine Meinung, dass auch in einem Hamburger „Nobelviertel“ die Leute a) auch nicht dazu bereit sind, für gute Produkte tiefer in die Tasche zu greifen und b) von Produktqualität ohnehin genau so wenig verstehen wie alle anderen. Hauptsache, es sieht irgendwie schick aus und der Name stimmt. Der Michelin sollte ein solches Konzept abstrafen. Warten wir’s ab.

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    • Charly

      Die konnte es noch nie und wird es auch im neuen Restaurant nicht können !

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      • Trois Etoiles

        Beste Erfahrungen habe ich tatsächlich auch in ihrem vorherigen Restaurant nie gemacht. Den Stern fand ich immer schon überzogen.

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