Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Piazza Duomo – Salatoperation

Das Restaurant Piazza Duomo befindet sich im ersten Stock eines alten Gebäudes am Domplatz im Trüffeldorf Alba. Den Eingang zum Restaurant erreicht man über eine schmale Gasse, die rechts am Haus vorbeiführt. Ich drücke die Klingel. Die Tür geht auf, und ein ungemütliches Treppenhaus, das mich an meine Kinderarztpraxis erinnert, führt hoch ins Restaurant, wo ich herzlich empfangen werde.

Piazza Duomo – 12.02.2014

Dem Michelin ist das Restaurant seit 2013 immerhin „eine Reise wert“ (= 3 Sterne) – ein Qualitätssiegel, das für mich mit so vielen großartigen kulinarische Momenten verbunden ist, dass mein gesamter Blog nach dieser Auszeichnung benannt ist. Zwar habe ich auch auf diesem Niveau schon Enttäuschungen erlebt – vor allem bei den Spaniern (Arzak, Akelaŕe, El Celler de Can Roca) –, aber es bleiben eben seltene Ausnahmen.

Mal sehen, was mich heute erwartet. Ich bin gespannt, denn es ist mein erstes Drei-Sterne-Restaurant in Italien.

Der Service ist von Beginn an makellos. Smarte Typen in schmalen Anzügen, sehr freundlich, sprechen fließend Englisch mit sympathischen Akzent und haben alles im Griff. Auch der Küchenchef Enrico Crippa, den ich später noch kennen lerne, ist ein sehr netter Kerl. Ausgerechnet heute hat er sich den Arm gebrochen oder geprellt und steht mit seiner schmalen, fast hageren, Figur mit bandagiertem Arm in der Küche. Aber immerhin ist er da, bei seinem Team, in seinem Laden. Das nenne ich Einsatz!

Aber dann, die Atmosphäre: grellstes Halogenlicht aus dutzenden Deckenstrahlern, rosa Wände mit etwas naiver Wandmalerei, keinerlei Dekoration, es hallt wie in einer frischbezogenen Wohnung, und alle paar Sekunden geht eine Automatiktür zur Küche mit einem lästigen Surren auf und zu. Es ist so gemütlich hier wie in einem Operationssaal.

Piazza Duomo – 12.02.2014

Doch auch das erschüttert mich (noch) nicht, schließlich bin ich wegen des Essens angereist. Immerhin über vierhundert Kilometer über bergige Straßen, durch lange Tunnel, inklusive einer Befragung von skeptischen französischen Zollbeamten bei Fréjus („Was ist der Zweck Ihrer Reise?“ – „Ich fahre zum Essen.“).

Ich wähle das Menü „Degustazione +3“ (€ 170). Dies beinhaltet die Klassiker, „die das Restaurant berühmt gemacht haben“, so der Kellner, sowie drei neuere Kreationen. Das klingt nach einer perfekten Wahl für ein erstes Essen hier.

Piazza Duomo – Amuse-Bouches – 12.02.2014 Piazza Duomo – Amuse-Bouches – 12.02.2014

Dieses beginnt mit einer scheinbar unendlichen Abfolge von Amuse-Bouches, von denen lediglich zwei ziemlich gut sind und die anderen gefühlten sechsundzwanzig zu viel.

Piazza Duomo – Amuse-Bouches – 12.02.2014 Piazza Duomo – Amuse-Bouches – 12.02.2014

Ein tennisballgroßer, bitter schmeckender Schwamm, den man sich mit einem Mal in seinen dazu weit aufgerissenen Mund schieben muss, ist dann das Ende dieser zweifelhaften Ouvertüre.

Piazza Duomo – 12.02.2014

Es geht weiter mit einer Art Sandwich. Zwischen zwei Scheiben Kichererbsengebäck findet man Favabohnen, Feldsalat und Tomate. Das schmeckt leicht, kross und frisch, aber etwas Olivenöl gegen die Trockenheit sowie Balsamessig für eine appetitanregende Säure hätten den recht üppigen Fingersnack um Potenzen aufgewertet – und selbst dann wäre er nur „ganz nett“ gewesen.

Piazza Duomo – Insalata 21, 31, 41, 51 … – 12.02.2014 Piazza Duomo – Insalata 21, 31, 41, 51 … – 12.02.2014

Der nächste, farbenfroh inszenierte, Gang ist „Insalata 21, 31, 41, 51 …“. Die Zahlen beziehen sich auf die Anzahl unterschiedlicher Zutaten. 37 sind es heute. (Welche genau, verrät allerdings auch das mitgelieferte Faltkärtchen nicht, das nämlich alle Zutaten auflistet, die in dem Salat prinzipiell verarbeitet werden.)

Piazza Duomo – Insalata 21, 31, 41, 51 … – 12.02.2014

Dieses Gericht ist ganz offenkundig stark inspiriert von Michel Bras‘ großartigem Gargouillou (das auch der Kellner stolz erwähnt), von dem ich bis heute noch in Gedanken zehre. Nun habe ich mit diesem italienischen Pendant jedoch schon nach kurzer Zeit mehrere Probleme. Zum einen sind die Zutaten alle aufeinander aufgetürmt, sodass man diese nur schwer miteinander kombinieren kann und dadurch eben gerade nicht ein so vielschichtiges Erlebnis wie beim Gargouillou erhält, wo man mal links und mal rechts etwas auf die Gabel nehmen kann. Hier ist es so, dass man sich zunächst mit der dazu gereichten Pinzette von oben durcharbeiten muss, bevor sich der Kräuternebel allmählich lichtet. Ein besonders unappetitliches Detail ist, dass es sich bei dem dazu mitgelieferten Werkzeug um eine medizinische, so genannte Nasentamponpinzette handelt. Ich wurde schon mal an der Nase operiert. Details gefällig? Dachte ich mir.

Ich bin wirklich schwer vom Appetit abzubringen, aber mit der nun fast perfekten Operationssaalatmosphäre hat es nun doch mal jemand hinbekommen. Ich nehme erst mal einen kräftigen Schluck aus der (bisher ziemlich gelungenen) Weinbegleitung „Sorsi di Piemonte“ (€ 80) mit Weinen aus der Region. Jetzt gerade im Glas ist ein weißer Pomodolce Tortonesi Derthona Grue au der Rebsorte Timorasso. Auf dass es jetzt mal richtig losgeht!

Piazza Duomo – 12.02.2014

Der nächste Gang ist dann einer der „+3“-Gänge, die nicht im Menü aufgeführt sind. Im Wesentlichen sind da auf dem zunächst recht hübsch anzusehenden Teller einige Kräuter und Blüten, dann ein paar Würfel aus Foie Gras, etwas Trüffeln und einige seltsame, rosa-weiße Gebilde mit einer Füllung aus irgendeinem Mett. Stochernd taste ich mich an diese merkwürdige Kreation heran, doch schmackhaft ist das mitnichten. Mit jeder Gabel, die ich recht widerwillig davon esse, hoffe ich auf eine kulinarische Offenbarung, werde jedoch nicht fündig.

Piazza Duomo – Merluzzo al verde – 12.02.2014

Es folgt Merluzzo al verde, d. h. Kalbeljau und etwas Grünzeug, allem voran ein Petersilienpesto. Und genau danach schmeckt es: recht neutraler, fast roher Fisch und Petersilie. Weder gut noch schlecht, einfach nichtssagend. Ich frage mich, ob irgendjemand so ein Gericht gerne ein zweites Mal essen möchte.

Piazza Duomo – Crema di patate, Lapsang Souchong – 12.02.2014

Weiter geht es mit Crema di patate, Lapsang Souchong. Hinter dem fernöstlichen Namen steckt eine chinesische Teespezialität. Diese wurde hier in Pulverform auf eine ziemlich flüssige Kartoffelcreme (also eher ein Süppchen) gestreut; ein Wachteleigelb befindet sich am Boden des Glases. Man soll alles schön vermengen … und dann, ja dann, schmeckt alles einfach nur nach Kartoffel. Ich habe weder etwas gegen Kartoffeln noch gegen Purismus – nur dagegen, das hier auch nur im Ansatz als große Küche zu verstehen.

Piazza Duomo – 12.02.2014

Es ist jetzt kurz vor neun, und ein paar weitere Tische sind inzwischen auch besetzt. Viel gemütlicher wird es dadurch allerdings nicht.

Piazza Duomo – 12.02.2014

Ein nach heißem Salzwasser schmeckendes Süppchen, das in irgendeiner Form Schwein und Linsen zum Thema hat, ist das nächste Gericht, das ich – inzwischen schon etwas gelangweilt – verspeise. Eigentlich wäre es konsequent, jetzt zu gehen, aber für irgendetwas muss ich ja hierher gereist sein. Also harre ich weiter aus und warte auf das Wunder von Alba.

Piazza Duomo – Risotto alle piemontese – 12.02.2014

Und das hätte es sein können: ein Risotto. Schlotzig, herzhaft, einfach, auf den Punkt. Doch das Risotto alle piemontese ist nichts von alldem. Es ist matschig wie Milchreis, auch eher süß als herzhaft, und was das braune Zeug ist, mit dem der Teller besprenkelt und bekleckst wurde, weiß ich nicht mehr genau. Ich habe schon gute Risottos gegessen, dieses hier zählt nicht dazu.

Piazza Duomo – Agnello e camomilla – 12.02.2014

Der letzte Gang vor den Desserts ist Agnello e camomilla, also Lamm und Kamille. Wo letztere sich versteckt, weiß ich nicht genau, ist mir aber auch egal, weil endlich mal ein Gericht „unkompliziert gut“ schmeckt. Großartig auch nicht – da habe ich schon ganz anderes Lamm gegessen, gerade gestern bei Pic zum Beispiel (Bericht folgt) – aber immerhin!

Piazza Duomo – Liquirizia – 12.02.2014

Es folgt das Dessert, Liquirizia, also Lakritz, und das ist auch recht gelungen, nachdem man sich ein bisschen da „reinprobiert“ hat. Auch hier gilt: das ist gut, aber hervorragend ist anders.

Piazza Duomo – 12.02.2014 Piazza Duomo – 12.02.2014

Ein letztes (nichts nützendes) Aufbäumen vor dem unvermeidbaren Fazit sind die Petits Fours, deren Tiefpunkt ein kleines Plastikfläschchen mit Schraubverschluss ist, an dem ich (bei abgeschraubtem Deckel) kräftig sauge, ohne dass ich die weiße Masse aus ihrer Verpackung locken könnte. Ich schüttle und sauge, es kommt nichts raus, es ist ein Grauen.

Die Rechnung, die ich schon vor diesem letzten Akt bestellt hatte, gelangt an den Tisch. Es ist bedauernswert, dreihundert Euro für ein Erlebnis zu zahlen, das meinen Hoffnungen in keiner Weise gerecht wurde. Doch dies ist keine Beschwerde, denn das Restaurant hat nichts falsch gemacht. Es gab sorgfältig zubereitetes Essen mit anständigen Produkten und einigen interessanten Ideen, alles professionell und sympathisch serviert – mehr aber auch nicht.

Nimmt man das heutige Menü als Grundlage, ist die Bewertung von drei Sternen schlicht indiskutabel und nicht nachvollziehbar. Das heutige Erlebnis hatte nichts mit großer Küche zu tun, die beste Produkte in wohlschmeckende Erlebnisse verwandelt, die berühren und nachklingen.

Gegen halb elf verlasse ich dann die Praxis Duomo. Schmerzen hatte ich keine, aber viel besser als beim Arzt war das leider auch nicht. Vielleicht übernimmt ja meine Krankenkasse die Rechnung.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Piazza Duomo (→ Website)
Chef de Cuisine: Enrico Crippa
Ort: Alba, Italien
Datum dieses Besuchs: 12.02.2014
Guide Michelin (IT 2014): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 5

39 Antworten zu “Piazza Duomo – Salatoperation”

  1. Willi

    Solche Enttäuschungen gibt es immer wieder. Meine monumentalste war bei Georges Blanc im letzten Jahr. Und ich teile das , was Du schreibst, es hat in solchen Fällen selten einen Sinn, mit der Küche zu diskutieren. Im Falle Blanc war es einfach so, dass der Junior übernommen hat und es schlicht nicht kann. Was will man dem dann sagen? „Du kannst es nicht“? Sinnlos! „Mach es besser“? Auch sinnlos, kann er wahrscheinlich nicht.

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  2. Matteo

    Hallo,
    war auch im Piazza Duomo und fand es ebenfalls sehr enttäuschend!!
    Mehr Schein als Sein!!
    Amuse alle mega aufwendig präsentiert, geschmacklich komplett blass und nichtssagend, auch einen Bezug zum Piemont gab s in den wenigsten Fällen.
    Dann mehrere gute aber keinerlei großen GÄnge und zum Hauptgang geschmortes Bäckchen vom Kalb mit einer Mohrrübe und einem Blatt Spinat, können viele Bistros besser!!!
    Das Le Calandre in Padova und Uliassi in Senigallia sind meine Favoriten, wenn es um italienische Sterneküche geht!

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  3. Uwe

    Hallo,
    Wenn ich das Menü sehe kann ich die Bewertung des Michelin nicht nachvollziehen. Handwerklich sieht es ja auf den Bildern gut gemacht aus, aber die Zutaten und Zusammenstellung ist ja sehr eigenartig.
    Ich war mit meiner Frau und mit unseren Kindern (14 und 11) im ** Sterne Restaurant Arnolfo in Colle di Val d’Elsa (Toskana) und hatten einen großartigen Abend auf sehr hohem, kulinarischen Niveau. Vom ersten bis zum letzten Gang hervorragend zubereitete Speisen. Auch den Kindern wurde großen Respekt entgegen gebracht. Stilvoller und dennoch lockerer Service, so wie man es in Italien eben erwartet. Und hier hat der Michelin, zum Glück für uns, eine nachvollziehbare und gerecht fertigende Bewertung abgegeben. Details unter http://www.arnolfo.com.

    Viele Grüsse aus dem Süden der Republik
    Uwe

    P.S. Das Piazza Doumo werde von meiner Liste streichen

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  4. Patrick

    Schönen guten Abend,

    wir waren im Oktober 2013 im Piazza Duomo und begeistert. Unser Abend war rundum auf 3 Sterne Niveau. Grüße aus Stuttgart

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    • Trois Etoiles

      Möchten Sie uns nicht allen verraten, in wiefern sich Ihr Besuch von diesem hier unterschieden hat? Das würde mich wirklich interessieren. Die Gerichte – Produkte und Handwerk – müssen ja von A-Z anders gewesen sein, um ein Drei-Sterne-Niveau zu rechtfertigen. Und selbst dann: Wenn es solche Schwankungen gibt, sind die drei Sterne schon nicht gerechtfertigt. Ich bin gespannt auf weitere Details!

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  5. Enzo

    Zum Kommentar von Herrn Böckermann:

    Ich habe so etwas einmal erlebt,und zwar im damaligen Tafelhaus von Christian Rach in Hamburg am Hafen.
    Die Gänge des Menüs kamen nicht zeitgleich,sondern ungefähr mit 20 Minuten Unterschied.(d.h.Hauptgericht und Vordessert gleichzeitig).
    Nach der Aufforderung der Rechnung erwähnte ich,dass so ein Verhalten gar nicht geht(das Essen selbst war auch nur mittelmäßig).

    Nach kurzer Rücksprache in der Küche kam die Kellnerin zurück,und sagte mir,wir müssen gar nichts zahlen.
    Ich war erstaunt…

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  6. Enzo

    Es gibt so Restaurants und soviele „Fallen“

    Meine Top 3
    1)Produkte:-7Chome Kobojoshi in Tokio(nur für die Produkte)
    2)Wissler als Avantgarde(das große Menu ist derart krass……)
    3)Der alte Dieter Müller(Diese süffige Küche gibt es leider nicht mehr-Müller I love you)

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  7. Enzo

    Dem muss ich zustimmen.In der Enoteca..“ sowieso“ in Florenz war das Essen eine Unverschämtheit,genauso wie beim Italiener um die Ecke,nur zehnmal teurer

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  8. Jürgen

    Als Münchner ist die Nähe zu Italien doch sehr nahe- und so habe ich bereits eine große Anzahl hochbesternter Restaurants in Italien besucht.
    Das Fazit: 2- oder 3-Sterne Restaurants in Italien sind meist (leider) überwertet und halten einem internationalen Vergleich nicht stand. Einmal eine hohe Bewertung erhalten muss sehr viel passieren diese wieder zu verlieren. Meist lässt sich ein 3-Sterner nur durch überbordenden Personalaufwand im Servicebereich und fragwürdige Opulenz in den Gasträumen (und das in Italien?) mit einem guten Restaurant um die Ecke unterscheiden…im Essen leider sehr selten.
    Man kann in Italien sehr gut speisen – den Michelin sollte man dann besser im Handschuhfach lassen oder gegen einen Gambero Rosso eintauschen.

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  9. Enzo

    Ähnliches habe ich in einem viel umworbenen Restaurant in Aschau erlebt.
    Man soll ich an tolle Gerichte erinnern(!),aber ich erinnere mich leider nach wie vor an das Gegenteil:

    -Bretonischer Hummer mit Erbsenschaumsüppchen:Der Witz hoch zehn,ein farblich ansprechender Schaum mit „Fitzelchen“von Hummer,der Schaum geschmacklich völlig unbedeutend.

    -Tournedos Rossini(als ein Klassiker des Hauses).Als a la carte Gericht 80 g.Rinderfilet in ordentlicher Qualität mit einem Hauch von Gänseleber,keine Trüffel darüber,ganz wenige Spähne davon in der Soße(um die 60€)

    -Desservariation H.W:Pfannkuchen,Mousse au Chocolat,Fruchtsaucen,etwas moderner angerichtet als Mutti es macht.

    Man stelle sich vor,jemand geht das erste Mal in ein Restaurant dieser Klasse und erlebt das,was Sie im Piazza Doumo und ich im Allgäu erlebt haben.Das kann potentielle Gourmets für immer abschrecken

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    • Klaus-Detlev Hirth

      Ich studiere gerade mal wieder meine Lieblingsseite in Sachen „Genussessen“ und bin auch immer wieder von den leidenschaftlichen Kommentaren begeistert. Ihre Beschreibung des Erlebnisses in Aschau ist sehr bedauerlich, da ich über 25Jahre hinweg viele Male sehr gute Küche dort geniessen konnte. W. ist sicher kein Avangardist, sondern eher Traditionalist, dass aber mit sehr viel Liebe und Routine (gerade auch, was den Gesamteindruck angeht). Was mich aber besonders erschreckt hat ist, dass eine Zutat verwendet wurde, die hirnorganisch aktiv sein muss und den Konsumenten Glauben macht, dass Aschau im Allgäu liegt. Sehr interessant-dies muss ich mit Hern Winkler unbedingt einmal besprechen!:-))

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      • Trois Etoiles

        Nur der guten Ordnung halber: Der Kommentar zur hier offensichtlich gemeinten Residenz Heinz Winkler** in Aschau ist nicht von mir. Diskutieren wir das Restaurant doch am besten, sollte ich es mal besucht haben ;).

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        • Klaus-Detlev Hirth

          Sorry, mein Kommentar ist nicht an Ihre Adresse gegangen, er war für ENZO gedacht! Beste Grüße und ich bin gespannt auf weitere Erfahrungen!!

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  10. Enzo

    Unglaublich schlecht.Wie kann so etwas derart im Michelin bewertet werden.Das Restaurant war auch bei mir auf der potentiellen Besuchliste,aber nun ist es ebenso wie Arzak gestorben.Dafür gebe ich kein Geld aus und dafür reise ich erst recht nicht,lieber Michelin.
    Mich hatte das Restaurant nach einem Bericht vor Jahren im „Der Feinschmecker“begeistert,ich dachte an Weltklasse Italien Trüffel-Küche (auch wenn mich der Chefkoch als Konterfei in der Zeitschrift schon damals mehr an eine Figur aus dem Film „Trainspotting“, als an einen Chefkoch erinnert hat).

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    • Trois Etoiles

      Ja, es war wirklich objektivierbar nicht einmal in der Nähe von einem Stern. Vielleicht gibt es ja eine Herabstufung im nächsten Guide.

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      • Stefan Heinze

        Entschuldigen Sie bitte eine Frage Abseits des Besuchs:
        Gab es jemals eine Abwertung von 3 *** auf nur 1 * oder sogar eine Aberkennung aller 3 *** ?
        Die Restaurants die ich kenne, bewegen sich (wenn überhaupt) immer nur einen Stern rauf oder runter.
        Und wo wir schon bei den Sternen *** sind: Was halten Sie von den anderen Restaurantführern (Gault Millau, Varta, Feinschmecker o.ä.) ? Nutzen Sie sie auch zur Recherche, oder halten Sie sich an die nur „Bibel“ ;-) ?
        PS: Optisch sind die Gerichte echt gelungen.

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        • Trois Etoiles

          Bei den Abwertungen bin ich leider überfragt. Von 3 auf 0 aber ganz sicher nicht. Es gibt aber bei den Aufwertungen immer mal wieder Überraschungen, wie z. B. beim „Eleven Madison Park“ in New York, das vor ein paar Jahren (zu Recht) von * auf *** schnellte.

          Bezüglich der anderen Gastro-Führer: Vom Gault Millau halte ich aus verschiedenen Gründen sehr wenig (freiberufliche Amateurtester, uneinheitliche und nicht nachvollziehbare Bewertungen (Hauben, Punkte) sowie polemische Kritiken, die nichts mit dem Essen zu tun haben). Die anderen genannten sehe ich mir nur manchmal aus Interesse an. Maßgeblich bleibt für mich der Michelin – sowie der Austausch mit anderen Bloggern und kulinarisch Interessierten.

          Und was die Optik der Gerichte im Piazza Duomo betrifft kann ich mich leider gar nicht anschließen.

          Viele Grüße!

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  11. Jan Peter Böckermann

    Hallo
    Herr Julien , mir stellen sich nach dem ich über die letzten Jahre ihre Berichte verfolgt habe , folgende Fragen . Haben sie jemals die Rechnung verweigert oder ihr Geld zurück verlangt ? Wie wird mich einer solchen Situation von Seiten des Restaurants umgegangen ?

    Mit kulinarischen Grüßen

    Jan Peter Böckermann

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    • Trois Etoiles

      Hallo! Ich habe in dem Bericht und in diversen Kommentaren darauf hingewiesen, dass meine Enttäuschung nichts mit einer Fehlleistung des Restaurants zu tun hat, sondern dass der Michelin hier meiner Meinung nach viel zu hoch bewertet hat. Das Restaurant hat nichts falsch gemacht, daher gab es auch keinen Grund, irgendeine Zahlung zu verweigern. Ich würde übrigens auch nie auf die Idee kommen, ein Menü bis zum Ende aufzuessen und dann die Rechnung zu verweigern. Tatsächlich habe ich noch nie eine Zahlung verweigert.

      Antworten
      • Jan Peter Böckermann

        Entschuldigung , vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt . Wenn man die Berichte von anderen Restaurants wie dem Arzak begutachtet , denkt man sich : Der Mann reist um den Globus um gut zu essen und investiert erhebliche Summen und Mühen für Hotel , Flug etc. . Ich meine wenn viele Gänge einfach nicht schmecken oder ein vernünftiges Preis – leistungs Verhältnis bieten, ist das doch eigentlich ein Grund für Erstattung , bzw. Wiedergutmachung .

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        • Trois Etoiles

          Ganz Klar, Jan! So etwas ist immer ziemlich ärgerlich, gehört aber auch dazu. Nur so kann man aber auch Unterschiede erkennen und dazulernen. Aber das alles hat ja mehrere Dimensionen: Ohne das „Piazza Dumo“ würde ich Alba nicht kennen; ohne das „Arzak“ nicht San Sebastián, das Guggenheim-Museum in Bilbao usw. Der „Rattenschwanz“, der an meinen Genussreisen hängt, ist ja glücklicherweise etwas länger.

          Antworten
          • Jan Peter Böckermann

            Tja vielleicht sollte man echt mal über eine „Walther“ – Plakette nachdenken , sie argumentieren und bewerten immer fachlich und unvoreingenommen, jeder ihrer Bewertungen ist klar nachvollziehbar . Klar kann der BIB das auch, aber wieso prangen über vielen Häusern Sterne, die sie vielleicht garnicht mehr verdienen oder stark nach gelassen haben ? Wieso müssen manche Küchenchefs, Jahrzehnte auf diese Würdigung warten, obwohl sie sie längst erhalten haben müssten.

  12. Marx de Morais

    Es ist ganz furchtbar traurig, dass du ein so schlechtes Erlebniss hattest und ich mag Dir ans Herz legen deine Kritik dem Restaurant vorzulegen und es noch einmal zu versuchen. Ich besuche das PD regelmäßig in der Saison und hatte nie auch nur die kleinste Enttäuschung. Natürlich mag einem der Stil nicht gefallen, aber diese rosa Wände empfindet man auf dem piemontesischen Land, unverständlicher Weise, wohl als hoch angenehm und man muss dem wohl mit Gleichmut begegnen.

    Nicht nur aber auch wegen der Location mag ich Dir in der Gegend das hervorragende Dolce Stil Novo in der Regia in Venaria Reale empfehlen. Gelegentlich wird Nachts auch in der Gallerie des Schlosses genossen. Segniore Russo verdiente für meinen Geschmack höhere Würden als zuerkannt.

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Danke für den Beitrag. Ich weiß natürlich auch sehr gut, dass die Michelin-Tester die drei Sterne nicht einfach so aus dem Hut zaubern. Man muss hier also besser essen können. Da jedoch auch Konstanz ein Kriterium ist – gerade bei *** -, ist ein derart banales Menü für mich nicht nachvollziehbar, zumal das Menü angeblich aus „Klassikern“ bestand. Aber allein die Produkte! Die würden in den meisten anderen *** vermutlich alle zurück zum Lieferanten wandern oder in die Sauce.

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  13. Mel Mellus

    Vielleicht lag´s dann ja doch daran, dass der Patrone sich den Arm gebrochen hatte ;)

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Äußerst unwahrscheinlich! Wie schon gesagt, das Problem war nicht das Restaurant, sondern die unangemessene Bewertung. Vielleicht haben die Tester etwas zu viel Grappa konsumiert.

      Antworten
  14. Jürgen Hibinger

    Gut zu hören, hatte das Restaurant auch schon auf der Liste.
    Aber wenn du mal wirklich gut Italienisch Essen gehen willst musst du zu Santini ins Dal Pescatore.

    Da gibt ein Risotti (Parlare Italiano) :) das wirst du niemals vergessen, ist die Referenz.

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Klar, „Dal Pescatore“ habe ich auch auf dem Radar. Kommt Zeit, kommt Santini.

      … Auch im Italienischen heißt es immer noch „un risotto“ und nicht „risotti“. Es sollten einfach alle mit diesem „Risotti“/“Cappucini“-Kram aufhören. Das wird nichts ;)

      Antworten
  15. urs

    In Frankreich braut sich gerade ein mediales Gewitter über dem Guide zusammen wegen nicht nachvollziehbaren Sternevergaben oder -entzügen. Da passt Ihr Bericht ganz gut dazu und ich frage mich welcher Tester hier wohl 3 Sterne an die Türe geklebt hat…?

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  16. Olaf Schilling

    Puh, das war ja noch schlimmer als ich gedacht hatte nach der Kurzversion auf FB. Wunder sind selten und meistens ist dann nach den Amuse schon klar, dass man das Geld gleich verbrennen kann. Ich habe für mich beschlossen in solchen Fällen, die ich auch schon hatte, den Rest nicht mehr über mich „ergehen“ zu lassen. Hast Du dem Patron gesagt, dass es grenzwertig, bzw. einfach nicht gut war?

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Nein, ich lasse mich ungern auf Diskussionen vor Ort ein. Erstens brauche ich selbst etwas Zeit, die Eindrücke zu sortieren, und zweitens wird man dann noch zu irgendwas eingeladen oder muss sich die Küche ansehen usw. Ich wollte einfach nur gehen.

      Antworten
  17. Martin Ulrich

    Erinnert mich an mein Erlebnis im Hibiscus. Seines zeichen 2 Sterne in London. Dort wollte ich auch nach dem 3. Gang aufstehen und gehn. Schade!
    Kleine Klugscheißerei am Rande: Risotti statt Risottos :-)
    Beste Grüße!

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Das klingt ja ernüchternd mit dem „Hibiscus“; das habe ich auch noch für London auf meiner Liste. Aber irgendwie war ich schon immer etwas skeptisch – offenbar eine gute Intuition.

      Kleine Klugscheißerei zurück: Das ist falsch, Risotto ist ein Lehnwort und unterliegt in deutschen Texten auch der deutschen Rechtschreibung. „Risotti“ heißt es nur im Italienischen. Es heißt ja auch Pizzen (nicht „pizze“), Salamis (nicht „salame“) und Orangen (nicht „oranges“).

      Antworten
        • Christoph Ludwig

          sehr gute Wahl! Hedone ist mein liebstes und mindestens monatlich besuchtes Restaurant, einfach großartig nur dem Geschmack verpflichtete Zubereitungen allerbester Produkte, das Ledbury ist ebenfalls sehr gut, bei Ramsay (Royal Hospital Road?) war ich leider seit 2006 nicht mehr, kann also nichts Sinnvolles dazu sagen. Das Hibiscus fand ich beim ersten Mal 2009 auch nicht gut, letztes Jahr dann deutlich besser, aber nicht unbedingt einen Hoffnungsträger für *** @ Trois Etoiles: Sehr schöner, nachvollziehbarer Bericht, wie immer!

          Antworten
      • Eline

        Piazza Duomo – im Piemont isst man rustikal piemontesisch immer noch am besten. Abgesehen davon, dass mich dieser rosa Speiseraum psychisch schwer belastet hätte, klingt das Menü echt deprimierend. Mein absolutes Lieblingsrestaurant in Italien ist immer noch das Le Calandre.
        Wir waren im November im Hibiskus und sehr angetan von der Küchenleistung und vom Service.
        Bis auf eine banale Kürbissuppe war das 9 gängige Menü durchaus auf 2 Sterne Niveau und jedenfalls besser als viele 2 Sterner in Paris. Phantastischer Kablejau mit Rotweinjus, grandiose rohe Scalops mit Kohlrabi und ein schottischer Hase für zwei. Das Ambiente im Hibiskus ist schlicht bis fad, ein bisschen wie beim Gordon Ramsay in Chelsea. Bei der Weinbegleitung muss man die Mode der Orangenweine tolerieren können.

        Antworten

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