Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – haben Sie ein Alibi?

Hamburg. Ich sitze im Auto in meiner Garage und programmiere das Navigationssystem für die bevorstehende Route. Selbstverständlich ist das Restaurant mit dem holprigen Namen (und falschem Apostroph) Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg als Sonderziel auswählbar. Ein kurzer Informationstext dazu lautet: „Der Küchenstil des Restaurants ist Französisch. Das Restaurant befindet sich in einem Hotel.“

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – 22.05.2014

Ich frage mich, auf wie viele Hunderte Restaurants ein solch allgemeiner Text wohl allein in Deutschland zutrifft, dabei hätte gerade dieses Restaurant eine Differenzierung verdient, z. B.: „Der unverwechselbare Küchenstil des Restaurants ist Französisch mit japanischen Einflüssen. Das Restaurant befindet sich in einem kleinen Renaissance-Schloss an der Obermosel.“

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – 22.05.2014

Ein vollständiges Bild erhält wahrlich nur derjenige, der sich auf den Weg macht zum kleinen Grenzort Nennig – zwischen Deutschland, Luxemburg und Frankreich – und sich dort in die Hände begibt von Christian und Yildiz Bau, die das Hotelrestaurant seit 1998 in geradezu familiärer Weise führen. Es ist nicht ungewöhnlich, auch mal die kulinarisch schon äußerst versierten Töchter hier umherschwirren zu sehen, denen niemand so leicht etwas vormacht, wenn es ums Essen geht. Männer, zieht euch warm an. Euren Lieblingsitaliener könnt Ihr alleine besuchen.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – 22.05.2014

Dreieinhalb Jahre ist mein letzter Besuch hier schon her, aber ich erinnere mich noch immer lebhaft an die kulinarische Reise des damaligen Winters. Und auch, wenn ich gerade bekanntlich nicht so sehr auf der Suche nach komplexen Gerichten bin, die mir im Ambiente eines Schlosses serviert werden, ist es Zeit für eine Auffrischung. Denn, so weiß ich noch von damals, der Genuss hier ist alles andere als kompliziert und förmlich.

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Absichtlich früh – um 19 Uhr schon – sitze ich dann am Tisch des gemütlichen Schlosszimmers, wohl wissend, dass ich nicht einmal daran denken muss (und will), vor Mitternacht meinen Platz zu verlassen. (Es wird fast drei Uhr …)

Der „Voyage Culinaire“, auf den man sich in verschiedenen Größen einlassen kann (z. B. komplett für € 210), beginnt mit einem „Prolog“ aus sechs aufwändigen Kleinigkeiten, die bereits einen Großteil des Stils und des Könnens von Christian Bau zusammenfassen.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Cornet mit Bio-Ox und Räucherfrischcrème – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Gänseleber mit Café, Nuss und roten Früchten – 22.05.2014

Eher klassisch von der Aromatik sind z. B. das Cornet mit Bio-Ox und Räucherfrischcrème und die Gänseleber mit Café, Nuss und roten Früchten. Letztere ist eine ganz wunderbare Foie-Gras-Kreation, bei der sich selbst dann größtmöglicher Genuss einstellt, wenn man dieser Hauptzutat etwas überdrüssig geworden ist; eine köstliche Haselnuss und ein raffiniertes Spiel mit Temperaturen und „Knusper“ sei Dank.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Chawanmushi mit Schnecken und Chinesischem Schnittlauch – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – kleines „Japanisches Meer“ – 22.05.2014

Chawanmushi mit Schnecken und Chinesischem Schnittlauch, eine herrlich süffige Kleinigkeit, spielt dann bereits etwas mit fernöstlichen Einflüssen, wohingegen das „kleine ‚Japanische Meer‘ die japanisch beeinflusste (aber nicht dominierte) Stilistik Baus am treffendsten wiedergibt. Schon beim ersten Probieren gewinne ich dieser elegant säurebetonten Speise eine Assoziation zum Ozean ab – und da habe ich noch nicht einmal den Namen des Gerichts gelesen. Eine geradezu atemberaubende Vielfalt an Zutaten zeichnet für diesen Eindruck verantwortlich, nämlich Stabmuscheln, Herzmuscheln, Gillardeau-Austern, Fjördshrimps, Austernwasserperlen, Ponzuschaum, Shiso-Yuzusorbet, Enokipilze, Austernkresse und Meerwassertapioka!

Wie man das alles in derart hervorragender Qualität an die Obermosel bekommt und in geschätzten zehn Kubikzentimetern Raum zu einem kleinen Meisterwerk verarbeitet, ist eine ganz andere Frage, die man als genießender Gast allerdings nicht beantworten, sondern nur erleben muss.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Mallorquinischer Gamba mit Joghurt und Karotte – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Lachs mit Gemüsepickles und Austernemulsion – 22.05.2014

Wer Mittelmäßiges sucht, ist auch bei den anderen Amuse-Bouches ganz falsch, z. B. beim hervorragenden mallorquinischen Gamba mit Joghurt und Karotte, der sogar mich wieder zum Garnelenfreund macht – dann aber bitte nur so hervorragend umgesetzt wie hier, wo der behutsame Einsatz von Curry, dazu Joghurt als Frischepol, sowie hauchdünnen, knusprigen Karottenscheiben die Aromareise mal eben kurz in Richtung Orient gehen lässt. Ganz ohne sich zu verzetteln, versteht sich.

Zum Reinlegen ist auch der leicht geräucherte Lachs mit Gemüsepickles und Austernemulsion. Was für eine Rohstoffqualität!

Dieser „Prolog“ (dessen Servierreihenfolge eigentlich 1–4–5–6–2–3 gemäß meiner Beschreibung ist) wäre in etwas größerer Portionierung bereits ein komplettes Menü auf höchstem kulinarischem Niveau. Ich kenne kein einziges Restaurant, das derart aufwändige, durchdachte und dabei so durchgehend wohlschmeckende Gerichte als Auftakt eines Menüs serviert. Das Aqua kommt dem recht nah, gerade auch in Hinblick auf die präzise Ausführung, muss sich aber in der Gesamtbetrachtung diesbezüglich hinten anstellen.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – 22.05.2014

Wer „eigentlich keine Weinbegleitungen mag“, dem lege ich die Weinbegleitung von Rieslingkoryphäe Daniel Kiowski ans Herz, der über einen ganz beachtlichen Schatz an Moselrieslingen (und anderen Kreszenzen) wacht und darüber so leidenschaftlich erzählen kann wie ich über Essen.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Taschenkrebs / „éffiloché“ und Knusper / Buttermilch-Dashi / Gartengurke – 22.05.2014

Nach ungefähr einer Stunde gelangt der erste Gang an den Tisch, Taschenkrebs / „éffiloché“ [das bezeichnet das „fransige“ Fleisch] und Knusper / Buttermilch-Dashi / Gartengurke. Dieses Gericht besticht durch seine außergewöhnliche Frische und eine qualitativ herausragende Hauptzutat. Der großzügig portionierte Kaviar fügt dem Ganzen eine willkommene Salzigkeit hinzu, geht aber etwas im Gesamtkontext etwas unter. Mit Kaviar zu würzen macht das Gericht jedoch nicht weniger exzellent. Und wer berät Herrn Bau eigentlich künstlerisch? Sehen die Gerichte nicht alle wundervoll aus?

Aber sobald man glaubt, man hätte den Stil der Gerichte nun halbwegs verinnerlicht, schlägt Bau einen Haken und präsentiert so etwas Puristisches wie die nächsten beiden Gänge.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Japanische Gelflossenmakrele / Bergamotte und „Crispy Ginger“ – 22.05.2014

Ein Sashimi von der Japanischen Gelflossenmakrele mit Bergamotte und „Crispy Ginger“ versetzt mich auf einen Schlag zurück nach Japan; nicht nur wegen der schlichten Ästhetik des Tellers – und damit meine ich sowohl das Geschirr als auch die Komposition. Am Gaumen dann Ungläubigkeit hinsichtlich der Möglichkeit, derartigen Fisch in Deutschland zu beschaffen, und dann folgt nur noch Schwelgerei.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Grüner Spargel von Robert Blanc – 22.05.2014

Auch Gang drei (drei erst!) ist grandios. Der grüne Spargel von Robert Blanc – einem der berühmtesten Spargellieferanten aus der Provence – ist bereits von Natur aus ein Meisterwerk. Mit einer nicht zu verbessernden Hollandaise mit eleganten Zitrusnoten, dazu Misokaramell und Gewürzsumach, der für ein leichtes Säurespiel sorgt, gelangt das Produkt hier in seiner ganzen Pracht zur Geltung. Wunderbar. Und die à part gereichte Hollandaise löffle ich natürlich restlos aus.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Langoustine³ – 22.05.2014

Langoustine³“, so der Titel des nächsten Streichs, überzeugt durch einen erneut hervorragenden Protagonisten, zu dem sich einiges an Gemüse gesellt, sowie Macadamia und verschiedene Zitrusfrüchte. Eine betonte Salzigkeit des Gerichts ist so präzise gewichtet, dass man meinen könnte, der Zufall sei am Werk – doch mitnichten! Kiowski serviert dazu einen fast dreißig Jahre alten Riesling Kabinett „Oberemmeler Hütte“ vom Weingut Von Hövel, der erstaunlicherweise eine ähnliche Salzigkeit und Mineralität mitbringt und damit kongenial auf den Teller abgestimmt ist. Verblüfft fiebere ich dem weiteren Verlauf des Menüs entgegen.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Heilbutt aus Skandinavien / Aubergine / Soba / Räucheraal – 22.05.2014

Weiter geht die Reise dann mit Heilbutt aus Skandinavien (perfekt gegart), dazu Aubergine, Soba und glasiertem Räucheraal; danach Steinbutt mit Blumenkohl, „Buddha’s Hand“ (Zitronatzitrone) und einem hervorragenden Austern-Schnittlauchsud, leicht aufgeschäumt, und insgesamt an Gischt erinnernd. Beide Gänge eine Wucht.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Steinbutt / Blumenkohl / „Buddha’s Hand“ / Austern-Schnittlauchsud – 22.05.2014

Und Fleisch kann er auch! Aber das war mir nicht neu. Es gibt ja Menschen, die mehrmals im Jahr in so genannte Steakhäuser einkehren. Sie sollten das Geld lieber aus dem Fenster schmeißen (dann freuen sich Andere, die vielleicht Sinnvolleres damit tun), oder alles in ein Sparschwein stecken, um dann so etwas zu probieren wie das auf Holzkohle gegrillte US-Prime-Beef.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – US-Prime-Beef / Artischocken / Walnuss-Parmesan / Trüffeljus – 22.05.2014

Es ist nussig gereift, wird u. a. mit kleinen Artischocken serviert, die sonst eigentlich nur Alain Ducasse so hinbekommt, Walnuss-Parmesan und einem Trüffeljus. Das ist einer der besten Fleischgänge, die mir je serviert wurden. Ein schnörkelloser Hochgenuss.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Eifeler Rehrücken / Zwiebelchen / Pfefferkirschen / Eisenkraut – 22.05.2014

Und wenn ich schon mal dabei bin, probiere ich gleich noch den Eifeler Rehrücken mit Zwiebelchen, Pfefferkirschen und Eisenkraut. Fabelhaft.

Mit einer angenehmen kleinen Pause macht sich dann die Patisserie ans Werk, nämlich mit einer Sweet Bento Box genannten Folge gleich mehrerer süßer Kreationen.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Mascarpone / Mango & Kokos / Rote Shiso-Infusion – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Rote Bete / Pistazie / Cassis – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Beeren / Calpico – 22.05.2014

Den Anfang macht Mascarpone / Mango & Kokos / Rote Shiso-Infusion, ein Dessert, das so farbenfroh und exotisch-aromatisch ist wie ein Karibikurlaub. Es folgt Rote Bete / Pistazie / Cassis, dem ich etwas weniger abgewinnen kann, bevor Beeren / Calpico / Sake / Limone wieder vollends durch intensiven Beerengeschmack begeistert.

Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Schokolade / Erdnuss / Karamell – 22.05.2014 Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – Sweeties – 22.05.2014

Die letzten Teller, die an diesem Abend aus der Küche kommen, sind Schokolade / Erdnuss / Karamell, eine Art dekonstruierter „Snickers“-Schokoriegel in richtig gut, gefolgt von Sweeties mit dem Hinweis „mehrteilig“.

Es ist kaum zu glauben, was Christian Bau und seine (überschaubare) Mannschaft hier auf die Beine stellen. Das Menü heute war eines der besten, die ich in Deutschland je genießen konnte. Es ist überhaupt eine der beeindruckendsten kulinarischen Darbietungen. Die Rohstoffe suchen hierzulande ihresgleichen; das Handwerk ist von einer unglaublichen, durchgängigen Perfektion; die Gerichte ausnahmslos hervorragend und wohlschmeckend; der Stil abwechslungsreich und kurzweilig, von klassisch bis modern, aber niemals abgehoben oder experimentell. Mit anderen Worten: gewaltig.

Dass heute auch nur ein einziger Tisch unbesetzt war (es waren leider sogar einige) ist ein regelrechter Skandal. Sie, werter Leser, wo waren Sie letzten Donnerstag? Und gibt es dafür Zeugen? Wenn Sie kein stichhaltiges Alibi vorlegen können, schulden Sie Ihrem Gaumen – und dem Team auf Schloss Berg – einen baldigen Besuch.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg (→ Website)
Chef de Cuisine: Christian Bau
Ort: Nennig, Deutschland
Datum dieses Besuchs: 22.05.2014
Guide Michelin (D 2014): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 9

26 Antworten zu “Victor’s Gourmet-Restaurant Schloss Berg – haben Sie ein Alibi?”

  1. Malte Nehls

    Gestern Sonnora, heute Christian Bau: Beides war großartig. Den riesigen Kaisergranat muss man gegessen haben und hier diese feine spezielle Japanfrankreichküche. Man sitzt da stundenlang und mag nicht aufstehen. Hingehen, es ist wirklich sehr zu empfehlen!

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  2. Liz

    Hallo Julien

    Toll, dass Du Dir so viel Mühe mit Deinem Blog machst, den ich jedes Mal bevor wir ein Sternerestaurant buchen, kurz konsultiere :) Insbesondere die Fotos helfen wir mir sehr, meinen Entscheid zu finalisieren und zu buchen oder nochmals zu überdenken. Nun scheinst Du ja mit einem Bewertungssystem zu arbeiten. Beim Vicotr’s bist Du auf eine 9/10 gekommen. Was fehlt für die runde 10?

    Liebe Grüsse und weiter so – Dein erfrischender Schreibstil macht jedes mal Freude und Lust weiterzulesen bzw. zu buchen :)
    Lissy

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  3. Harald

    Zu Gast hier am 28.12.2014, mein zweiter Besuch, kann ich berichten von ganz großer Küche.
    Bei den Einstimmungen das „kleine ‚Japanische Meer‘“, eines meiner besten Gerichte aller Zeiten.
    Zu Trinken eine wundervolle Flasche Sake, was will man mehr, ein perfekter Abend.

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  4. IAN WESTCOTT

    Great report. Had two of my best ever meals here . Looking forward to returning in March 2015

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  5. Klaus-Detlev Hirth

    Diesen Bericht lese ich gerne mehrfach. Ich persönlich kenne Schloß Berg noch aus der Vor-Bauzeit. Schon damals war die Küche herausragend! Als derzeitiger Exilsaarländer freue ich mich schon auf meine Rückkehr in die Nähe von Saarbrücken, Nennig, Wittlich, Baerenthal (durch Sie erst erfahren), Mannheim-was für eine Sternedichte/km!!
    Aber: ich hatte in der vergangenen Woche die Gelegenheit, Caminadas Küche in Fürstenau zu geniessen und kann nur sagen: ein absolutes Muss. Er nennt sein Werk ja auch Genußwerkstatt-ich bin gespannt auf Ihre Erfahrung, für mich im Vergleich der Eindrücke Ihrer besuchten und auch von mir schon besuchten Stätten ein Winner in der Champions-Lige- einfach EINE REISE WERT!!

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  6. duni

    wir haben reserviert-17.7. christian bau, 18.7. klaus erfort! wird das schön!!!

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    • Uwe

      Hallo,

      wie waren Ihre Erfahrungen am 17.07 und 18.07. bei Bau und Erfort?

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  7. Thedeus

    Ganz großes „Kino“, der Bericht und selten habe ich eine solche Lust verspürt, mich auf den langen Weg von Hamburg ins Saarland zu begeben.

    Gleichzeitig in einen Konflikt gestürzt… sollte ich meinen zweiten AQUA-Besuch im Juni denn wirklich noch mal überdenken?

    Wie auch immer: Es war ein wahrer Genuss, Ihrer kulinarischen Reise zu folgen.

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  8. opusmachina

    Hallo,

    zum Thema Auslastung:
    mein Besuch im Schloss Berg liegt ein gutes Jahr zurück:
    Sonntag mittag, ausser unserem war nur noch ein Tisch besetzt.
    Gut, vielleicht lag es daran, dass es das Wochenende nach Ostern war, erstaunt war ich dennoch.

    Vor ca. vier Wochen mein Besuch im Gästehaus Erfort, Freitag mittag, die Hütte gerammelt voll.
    Mein persönlicher Eindruck: das Essen bei beiden war sensationell, die scheinbare Einfachheit und Klarheit bei Erfort erschien mir „ehrlicher“, ich war komplett begeistert. Wäre das vielleicht eine Erklärung?
    Aber, wie gesagt: das ist mein persönlicher Eindruck.

    Beste Grüße!

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    • Trois Etoiles

      Ich glaube nicht, dass sich das so verallgemeinern lässt. Jedes Restaurant hat auch mal schwache Tage, auch ein GästeHaus Erfort. Schloss Berg ist auch sehr häufig voll ausgelastet, gerade zum Wochenende hin. Solche Schwankungen sind ‒ besonders in der Spitzengastronomie ‒ weltweit üblich. Vielleicht spielt einem Wirt jedoch eine abgelegene, weniger „gehypte“, Gegend etwas in die Karten.

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  9. Kim

    Vielen Dank für diesen wunderschönen Bericht! Ich bin (noch) Student und kann mir ein solches Restaurant wohl noch eine Weile nicht leisten aber Berichte wie dieser und der gesamte Blog öffnen einem wirklich die Augen für gutes Essen.

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  10. duni

    Oh mein Gott, ich muss mich wieder auf den Weg ins Saarland machen!!!

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  11. Rasmus Palsgård

    Danke für noch einen schönen Bericht – das Menü sieht unglaublich gut aus. Wie viel war es insgesamt mit der Weinbegleitung?

    Viele Grüße aus Dänemark
    Rasmus

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    • Trois Etoiles

      Hallo! Ich finde die Preis-Fragen auf diesem Restaurantniveau immer so seltsam. Ein Essen in dem Umfang kostet mit Weinbegleitung überall auf der Welt annähernd dasselbe, nämlich „ein paar (wenige) Hundert Euro“, nur in Paris sind es „viele“ statt „wenige“. Die Weinbegleitung hier stand, glaube ich, mit €100 auf der Rechnung. Ich habe sie schon abgeheftet und verdaut ;).

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      • Rasmus Palsgård

        Hmm, das kann man diskutieren. Ich wohne in Kopenhagen, und hier kosten die Weinbegleitung und das Menü normalerweise dasselbe, insgesamt ungefähr 370-400 Euro.

        Aber danke für deine Antwort.

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        • Trois Etoiles

          „Insgesamt 370-400 Euro“ entspricht ja genau dem, was ich oben sagte: „ein paar wenige Hundert Euro“. Die aktuelle Weinbegleitung im noma kostet derzeit 1000 DKK, also nur leicht mehr als hier im Schloss. Ich sage ja: es ist überall ähnlich, mit Ausnahme von Paris.

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      • André

        Hattest du nicht mal begonnen, die Rechnungen zu deinen Ess-Erlebnissen zu posten? Würde uA auch die „Preis-Nachfragen“ ersparen.
        Kann man natürlich als „obsolet“ ansehen. Jedoch gibt es doch einige die sich so Essen als besonderes Erlebnis aufsparen (und ggf vom Mund ab-sparen), sich durch einen Bericht wie den deinigen motiviert fühlen, jedoch gerne eine Gesamtausgabe abzuschätzen versuchen…

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        • Trois Etoiles

          Hallo André, das Veröffentlichungen der Rechnungen habe ich eingestellt, weil es mir zu viele Details preisgab, die für diesen Blog irrelevant sind. Die Rechnungen waren ohnehin eher irreführend wegen der teilweise unterschiedlichen Personenanzahl, der konsumierten Weine und der entsprechend schlecht vergleichbaren Summen.

          Zudem erwähne ich die Preise des Essens ja nahezu immer in meinen Berichten. Und es besteht bei den meisten Restaurants die Möglichkeit, sich auf der Website nach den Preisen zu erkundigen ‒ das ist schließlich kein Geschäftsgeheimnis.

          Im Übrigen sollte jedes gute Restaurant auch damit umgehen gehen, wenn man als Gast ein Preislimit hat, selbst wenn es gering ist und man sich ein solches Erlebnis dennoch „einmal gönnen“ möchte. Das habe ich zwar noch nie ausprobiert, aber solange man alles höflich und im Voraus nachfragt, ist so gut wie alles möglich.

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  12. Marco

    Wundervoller Bericht, wie immer!

    Interessant, dass du gerade in deinen beiden Schloss Berg Berichten von einer „Foie-Gras-Überdrüssigkeit/Müdigkeit“ redest. Zufall?

    Ansonsten lässt mich der Bericht meinen Besuch bei Christian Bau erinnern, der ähnlich fabelhaft war. Allerdings auch schon damals mit weniger gefülltem Restaurant. Hast du, als erfahrener Gourmet, eine Erklärung dafür, dass der Laden nicht jeden (ok, übertrieben) Abend voll ist? Ist sicherlich nicht der einzige Drei-Sterner in Deutschland, bei dem dies der Fall ist, klar. Aber fehlt es vielleicht international an der Publicity in der (streitbaren) Pellegrino-Liste oder der Lage im Saarland? Wobei ja eigentlich Luxemburg und Frankreich sehr nahe liegt. Hm…ich würde Christian Bau wirklich mehr Öffentlichkeit und Gäste wünschen, denn die hat er verdient. Ich habe in den Weiten des Internet noch keinen Bericht über sein Restaurant gelesen, der nicht ähnlich schwelgerisch wie deiner war. Ein wohl perfekter Koch.

    Gruß,

    Marco

    Antworten
  13. Hildegard

    Nach diesem unglaublichen tollen Beitrag, freue ich mich noch mehr auf meinem Besuch im Schloss Berg, im September.

    Antworten
  14. Peter

    Wir schätzen die Küche von Monsieur Bau ja sehr, auch wenn unser letzter Besuch nunmehr 3 Jahre zurückliegt. Der Grund? Was ich an Ihren Bildern wiederkenne, ist unser großes Problem mit dieser Küche: Es ist von allem etwas zu viel des Guten. 3 Stangen Robert-Blanc-Spargel, wo sogar französische Bestköche nur eine Stange servieren würden; 3 Tranchen Rind, wo der eigentliche Hauptgang doch erst noch folgt. Von den köstlichen, aber heillos übermächtigen Amuses zu schweigen. Die würden bereits ein eigenes Menü abgeben, da haben Sie recht. Aber ist das positiv? Eine Ausgewogenheit bei den Portionierungen gehört für uns zur Meisterschaft dazu. Und in dieser Hinsicht fehlt uns nach 2 Besuchen auf Schloss Berg das richtige Maß. Wir fühlten uns jedesmal erschlagen, deshalb scheuen wir die Rückkehr. Vielen Dank für Ihren Bericht, der uns gleichsam in unserer Zurückhaltung bestätigt, so sehr wir es bedauern.

    Antworten
    • Trois Etoiles

      „Peter“ ;), danke für dein Feedback. Ich habe die Speisekarte gerade vor mit liegen. Die Auswahl beginnt bei der „Carte Blanche in 4 Gängen“ mit 2 Vorspeisen, einem Hauptgang und einem Dessert und endet schließlich mit dem großen „Voyage Culinaire“, der überdies auch noch in verschiedenen Größen angeboten wird. Vom maßvollen Genuss bis zur riesigen Schwelgerei ist hier also alles möglich. Niemand wird zu Letzterem forciert.

      Dass ich an diesem Abend große Freude an der „Grande Bouffe“ hatte, war dem Team im Restaurant natürlich ersichtlich (und bekannt ;)), somit schickte die Küche noch einen zusätzlichen Fleischgang (das US-Beef) sowie zwei Desserts, die normalerweise auch nicht in dieser Folge serviert werden. Damit relativiert sich auch die Menge des „Voyage“.

      Und der Spargel ist ja nun wirklich ein absolut leichter Gang. Auch in Frankreich serviert man gerne mehr davon, siehe z. B. einen aktuellen Post bzgl. Alain Ducasse einer Blogging-Freundin.

      Die Amuses auf Schloss Berg bezeichnete ich nur insofern als vollwertiges Menü, wenn Sie „in größerer Portionierung“ kämen. Erschlagend habe ich sie nicht empfunden, da Christian Bau sehr leicht kocht. Die Hollandaise ist da eine (gelungene) Ausnahme.

      Ich möchte deine Anmerkung gar nicht zerpflücken, sondern damit nur zum Ausdruck bringen, dass etwas Mäßigung auch hier überhaupt kein Problem ist, zumindest von Seiten des Hauses. Ich bin mir sicher, dass sich das Team auch auf dieses Bedürfnis einstellen würde.

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  15. Uwe

    Habe gerade im Kalender nachgesehen, hätte sogar Zeit gehabt. Irgendwie falsch geplant von mir bei so einem genialen Menü und phantastischer Weinbegleitung.

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