Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

DiverXO – über Frosch Erbrochenes

Xow, war das grauenvoll!

Madrids erstes Drei-Sterne-Restaurant seit fast zwanzig Jahren beschert mir an diesem Abend eines meiner denkwürdigsten Esserlebnisse … im negativen Sinn (wenngleich ich dem Abend an sich sowie dem Spaß, diesen Bericht zu schreiben, nichts Negatives abgewinnen kann). Dabei hat mir der aufwändig produzierte Trailer des Restaurants, der gerade in den sozialen Netzwerken die Runde macht, durchaus Hoffnung gemacht – von den höchsten Michelin-Weihen einmal abgesehen. In dem Kurzfilm wird eine spießig-verklemmte Tischgesellschaft darin belehrt, dass Essen durchaus Spaß machen kann, mehr noch, begeistern, aufwühlen und erregen kann. Das Überzeugende bei diesem Film ist vor allem die Botschaft, dass Essen allein in der Lage dazu ist, derartige Freuden auszulösen. Und wer mit seiner Küche für solche Werte einsteht, der verdient schon mal einen Besuch.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Umso erstaunlicher ist das schrille und um jeden Preis auffallen wollende Ambiente des Restaurants. Beflügelte Schweine, übergroße Ameisen und andere Fabelwesen schmücken inhaltsleer den Eingangsbereich, von dem aus man über eine Treppe nach oben den Speisesaal erreicht.

DiverXO – 17.12.2014

Dieser ist ganz in Weiß gestaltet und könnte auch als Filmkulisse für eine Star-Trek-Produktion herhalten, nur nicht ganz so stilsicher. Als Kontrast zu dem blendenden Weiß schwirrt überall in Rot und Schwarz uniformiertes Personal umher, das roboterartig ein Programm abspult, welches nicht Gastfreundschaft heißt. Selbst so etwas Banales wie Nettigkeit sucht man hier vergebens. Stattdessen blickt man in ausdrucksleere Gesichter, von denen die in Rot gekleideten auch noch alle dieselbe Brille aufhaben.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Man wird am Tisch platziert. Auf einer beschichteten Folie liegt dort bereits (wie lange schon?) irgendein vermutlich essbares Gebilde, und von der Decke hängt ein frittiertes Meerestier an einem Nylonfaden. Ist das Essen, Dekoration, oder kann das weg? Ich bin dabei, es herauszufinden.

Es gibt zwei Menüs. Schnell ist klar: das kleinere soll es werden (€ 140). Wobei: so schnell ist das gar nicht klar, denn das Personal hört überhaupt nicht auf zu reden und irgendetwas zu erklären. Das ganze Essen hier scheint überhaupt unglaublich erklärungsbedürftig zu sein.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Während jemand (immerhin mit Einweghandschuhen) die Kunststofffolie vor mir mit essbaren Klecksen und etwas Popcornartigem dekoriert und ununterbrochen redet, habe ich schon längst auf Durchzug geschaltet und esse dem „Anrichter“ einfach mal einen dieser Kleckse vor seien Fingern weg. Jetzt bin ich mal dran. Es ist schon halb zehn, und ich habe Appetit mitgebracht. Schmeckt nicht gut, so ein Klecks, irgendwie muffig; der Typ kann jetzt aufhören, Kleckse zu machen.

Eigentlich ist das jetzt schon kaum noch zu retten, außer vielleicht durch Kurt Felix, der neben dem immer noch über meinem Kopf baumelnden Meerestier auch an einem Nylonfaden herabschwebt und die versteckte Kamera enttarnt.

DiverXO – 17.12.2014

Aber Kurt Felix kommt nicht, sondern weitere Amuse-Bouches, die dem Thema Mais zugeordnet sind. Manches davon ist breiig, manches labbrig, alles recht geschmacksneutral. Man kann versuchen, irgendetwas Schmackhaftes ausfindig zu machen, aber wahrer Genuss ist kein homöopathischer Hokuspokus, sondern ganz real und unverkennbar.

DiverXO – 17.12.2014

Es folgt ein Gang mit Trüffeln und Tomate, das einzig gute Gericht des Abends. Könnte man glatt einen Stern dranheften.

DiverXO – 17.12.2014

Sieht der nächste Gang nicht wundervoll aus? Strahlend weißer Fisch, saftig zart und mittelfest, vorhin noch im Mittelmeer, jetzt auf dem Teller, dazu junge Gemüse und ein betörend duftender Sud … Oh, pardon, falscher Bericht. Vor mir auf dem Teller sind zwei plattgedrückte Frösche, die in Erbrochenem ertränkt wurden. Ja, wirklich!

Na gut, Scherz beiseite, es ist nichts von alledem, wobei Letzteres der Optik nach zu urteilen schon recht glaubwürdig ist, wie ich finde. Es handelt sich bei diesem unappetitlichen Teller um kokotxa, das sind Kiemenbacken vom Seehecht (eine mäßig interessante Delikatesse), mit einer dicklichen Sauce, die mich an reale Senfeier-Alpträume aus dem Kindergarten erinnert. Ich stochere nur kurz darin rum, probiere zwei Gramm und lasse den Rest stehen.

DiverXO – 17.12.2014

Aber es wird noch skurriler. Als nächstes wird man gebeten, aufzustehen und nach dem getrockneten Shrimp zu greifen, der seit geraumer Zeit über einem hängt. Wie das aussieht, zeigt das Foto von einem Nebentisch. Ich habe ernsthafte Bedenken, dass ich an einem Angelhaken ersticken werde. Wäre das nicht der gerechte Tod eines nimmersatten Essers auf der Suche nach Neuem? Die Rache des Küchenchefs für Gäste, die nicht artig aufessen, was auf den Tisch kommt. Doch der Köder kommt ohne Haken, schmeckt dafür aber auch nicht besser. Ein lächerliches Intermezzo mit dem prosaischen Titel Red shrimp with two simultaneous cooking styles, its soul in the center. Fried eggs and sticky smoked salmon. “Suquet-sudado” juice. Dieser Beschreibung nach zu urteilen fehlt da noch einiges an Zutaten …

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

… und die kommen auch schon in Form des nächsten Tellers, auf dem sich eine Geschmacksverirrung an die nächste reiht. Gut, in Spanien kennt man kein Hummergetier, also müssen ständig Garnelen herhalten – ich mag die überhaupt nicht –, aber immerhin ist hier noch ein Produkt erkennbar. Fast gierig verschlinge ich es. Immerhin bin ich schon eine Stunde am Tisch und habe fast noch nichts gegessen. Brot gibt es natürlich auch nicht, so etwas Klassisches passt hier nicht ins Konzept. Die anderen Zutaten auf dem Teller sind eine große kulinarische Katastrophe: alles klebt und ist pampig, ich habe selten etwas derart Abstoßendes probiert.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Der nächste Gang – die heißen hier übrigens canvas (Leinwand), als hätte das hier etwas mit Kunst zu tun – thematisiert zwei Variationen vom Iberico-Schwein. Eine davon ist erneut ertränkt unter einer klebrig-angedickten Sauce, die andere kommt als Tortilla, das man zusammenrollt um dann hineinzubeißen. Beides einfach nur belanglos.

Ich bin schon längst dazu übergegangen, die Gänge nur noch kurz zu probieren, ob unerwartet nicht doch etwas Essbares dabei ist. Dass ich überhaupt etwas auf einem Teller lasse, kommt sehr selten vor, und wenn, dann meist in Spaniens Spitzenrestaurants. Das letzte Mal passierte mir das so im Akelarre, Arzak und im El Celler de Can Roca, alles ebenfalls mit drei zu vielen Sternen bewertete Restaurants.

Der Chef, David Muñoz, taucht kurz im Hintergrund auf, beäugt unseren Tisch skeptisch aus dem Off und verschwindet wieder.

Und dann geht es weiter. Mit Erklärungen, wie man irgendetwas zu essen hätte, wo man beginnen soll, von links nach rechts, von oben nach unten, von Nord nach Süd, von Schwarz nach Weiß.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Das nächste Thema heißt Taschenkrebs. Diesen findet man einmal überbacken mit Ziegenkäse, umrandet von irgendeinem transparenten Spagetti, dann als frittiertes Teil, das erst später mit dem Hinweis „das gehört zusammen“ an den Tisch gebracht wird. Wenn es zusammengehört, warum wird es dann nicht auch zusammen serviert? Vielleicht, weil das frittierte Ding so nach Frittenbude stinkt, dass es einem schon viel früher den Appetit verdorben hätte.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Was noch alles als nächstes kommt, möchte ich gar nicht mehr im Detail beschreiben. Interessierte Leser können versuchen, dies aus der kryptischen Menükarte zu entziffern, die so aussieht als hätte man dem Küchenchef alle seine Fehler rot angestrichen, dabei kam sie schon so an den Platz.

DiverXO – 17.12.2014

An einem anderen Punkt des Menüs wird man erneut gebeten aufzustehen, dies mal um mit einem Löffel gefüttert zu werden. Wir protestieren, und nur mit Mühe lassen sich die Kellner den Löffel aus der Hand nehmen. Vielen Dank, aber danke, nein: für devote Spielchen bin ich hier nicht eingekehrt.

DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014
DiverXO – 17.12.2014 DiverXO – 17.12.2014

Ich weiß gar nicht genau, auf wen ich hier mit dem Finger zeigen soll: dem Restaurant, welches durch seinen immerhin bemerkenswerten Trailer arglistig täuscht und Gäste unter falschem Vorwand zu sich lockt, oder auf den Guide Michelin, der mit dieser unter keinen Umständen nachvollziehbaren Bewertung eigentlich für den Preis dieses Fiaskos aufkommen müsste. Ich zeige einfach auf beide – und erfreue mich an der Tatsache, einen immerhin unvergesslichen Abend gehabt zu haben. Das ist auch nicht alltäglich.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: DiverXO (→ Website)
Chef de Cuisine: David Muñoz
Ort: Madrid, Spanien
Datum dieses Besuchs: 17.12.2014
Guide Michelin (E/P 2015): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 5

22 Antworten zu “DiverXO – über Frosch Erbrochenes”

  1. Uwe

    Hallo Julien,

    Aiste vom Blog „luxeat.com“ hat im Dezember auch Ihre Erfahrungen gemacht.

    Sie schreibt auf Ihrem Facebook Seite:

    „My yesterday dinner at Diverxo (3*, Madrid) was a disaster. First time in my life I couldn’t force myself to finish some of the dishes. If there is a place on this planet (let alone 3 Michelin star restaurant), where ingredients go to die, it must be Diverxo. ………………..First time in my life I was so happy to escape a 3 Michelin starred restaurant.“ (Auszüge vom Bericht)

    Der Zwischenteil liest sich wie bei Ihnen. Als ob Sie zusammen da gewesen wären.

    Über geschmack lässt sich nicht streiten, aber wenn 2 Gourmets solches Empfinden würde mich ja interssieren wie der Michelin auf seine Bewertung kommt.
    Ich für meinen Teil belasse es aber lieber der Theorie und werde mich nicht als praktisches „Opfer“ zur Vefügung stellen.

    Da plane ich nun lieber meinen Paris Trip im April und freue mich auf „klassische, französiche Küche“ in einem ** oder *** Sterne Restaurant.

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    • Trois Etoiles

      „Als ob Sie zusammen da gewesen wären“ – wir waren an dem Abend tatsächlich gemeinsam im DiverXO, Uwe. Sie haben eine genaue Beobachtungsgabe ;). Viel Freude in Paris!

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    • Gino

      In den Antworten zum Thema „DiverXo“ finden sich ja nun recht vielfältige Meinungen. Meine eigene, die ich mir kürzlich bilden durfte, ist durchaus nicht so negativ wie die unserer Experten von Troisetoiles oder luxeat. Ich wurde sehr freundlich empfangen und bedient, die Atmosphäre war locker und gelöst, die Speisen waren durchaus nicht „ungenießbar“, sondern verschafften mir sogar das ein oder andere kulinarische Erlebnis. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich die spanische *** Küche sehr mag und beispielsweise im Azurmendi eines meiner besten Menüs überhaupt genossen habe. Ich kann nur jedem Madridbesucher raten, probieren Sie das DiverXo einfach mal aus, auch wenn es sehr schwer ist, eine Reservierung zu bekommen.

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  2. Enzo

    Dieses Restaurant(Ambiente/Service natürlich ausgeklammert)mit z.B. „Les Crayeres“(2**)zu vergleichen,erscheint so abstrus und abwegig,dass das ganze Konstukt Michelin in Frage gestellt werden dürfte.
    So etwas darf nicht passieren.Versierte Gourmets wissen aber,wieviele Besuche von Profis vonnöten sind,um diese Weltklassauszeichnung zu rechtfertigen.Ich muss mich jetzt selbst davon überzeugen,ob Arzak und DiverX0 so-sorry-miserabel sind.

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    • Uwe

      Hallo Enzo,

      ich muß gestehen das ich ein kulinarischer Tradiotionalist bin. Bevorzuge die klasschische Haut Cuisine (z.B. Auberge dÌll in Illhäusern), darf aber auch modern interpretiert sein wie im Barreis. Auch mit Avantgarde Küche wie im bei Chrsitian Bau oder Joachim Wissler fühle ich mich sehr wohl. Aber mit der spanischen Gourmetküche habe ich meine Bedenken.

      Umso mehr bin ich gespannt Ihren Bericht zu lesen. Ich hoffe Sie lassen uns daran teilhaben. Und wenn es gut sein sollte vielleicht, ja vielleicht wage ich mich dann auch mal dorthin.

      Viele Grüße aus dem „südlichen“ Dreiländereck D/ CH/ F

      Uwe

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    • EuT

      Hallo, Enzo,
      fliegen Sie auf jeden Fall nach Madrid! Im Rückblick auf mein kulinarisches Jahr (wieder mehr als hundert Sterne) hat mich das Mittagessen im DiverXO emotional und kulinarisch am meisten berührt. Ich war dort Ende September – also kurz nach der Wiedereröffnung in der neuen Lokation.
      Genossen habe ich das große Menü; habe den Menüzettel gerade nochmal rausgeholt. Einige wenige Gänge des oben abgebildeten Menüs gab es damals auch; (im wahrsten Wortsinne) auf meinen Tisch kamen aber nur (zumindest in Teilen) zwei der voran beschriebenen Gerichte: Der aufgehangene Shrimp und das Iberico. Hier teile ich Juliens Kommentierung. Die Kindergeburtstagseinlagen habe auch ich an mir vorbeiziehen lassen … Das Weiß-Sein des Restaurants hat mich an einen Woody-Allen-Film erinnert; nur dass hier die Anzüge der Akteure rot und grün sind …
      Was hat mich nun beeindruckt? Fünf der weiteren Gerichte waren grandios. Beste Produktqualität und -behandlung sowieso. Für mich neu: Zu dem servierten Gang werden während des Essens weitere Komponenten auf den Tisch drappiert bzw. appart beigestellt. Die Grundharmonie der „Basiskompinenten“ wird aufgegriffen, erweitert und um Nuancen verschoben; und dies durch jedes weitere Element aufeinander aufbauend aufs Neue. Wie eine Aufwärtsspirale. Insoweit ist das Video absolut zutreffend; sich steigernde Lust am Gaumen und im Kopf!
      Neben dem Azurmendi ist das DiverXO meine zweite klare Empfehlung in ESP. Bei den anderen *** mache ich mehr oder minder große Abstriche. Im Arzak ist es dann sehr gut, wenn man gleich zu Beginn mit Elena über seine Erwartungshaltung spricht. Ihre Gastfreundschaft (und die ihres Vaters) ist groß; insgesamt einen Besuch wert.
      Gruß
      EuT

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      • Uwe

        Hallo EuT,

        der Bericht ist zwar an Enzo gerichtet, möchte mich dennoch bedanken für die Anmerkungen und Erfahrungsberichte. Wie hat Enzo so schön geschrieben:“selbst davon zu überzeugen“. Ist doch sehr interessant wie die kulinarischen Sichtweisen und Geschmäcker so weit auseinander sein können.

        Viele Grüße

        Uwe

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  3. Lic. iur. Vladimiro Montesinos

    Mal vorneweg: Entschuldigen Sie bitte mögliche Rechtschreib-bzw. Grammatikfehler. Deutsch ist nicht meine Muttersprache.

    Übers DiverXO kann man sich streiten. Ich fand das Essen an sich immer super; das Service und das ganze Theater drumherum find ich dagegen nicht so toll (nichts, das auch mich sonderlich stören wurde). Das ist nun mal Geschmacksache.

    Aber Ihre Kritik klingt zum Teil fast schon infantil. Zum Beispiel: ist es der weitgereiste und weltgewandte Gourmet Julien Walther, der gerade sich über die Textur und Aussehen von Kokotxas / Cocochas beschwert? Kokotxas kann man mögen oder nicht, aber sie als „mässig interessante Delikatesse“ zu bezeichnen ist schon gewagt. Kokotxas, vor allem gegrillt oder und/oder einer dezenten Knoblauchemulsion sind schliessich in Spanien eine von spanischen Gourmands sehr geschätzte Delikatesse. Manch einer unternimmt mal eine kleine Reise, um die fantastischen Kokotxas von Elkano (http://www.andyhayler.com/restaurant/elkano) oder Asador Etxebarri zu probieren (http://www.andyhayler.com/restaurant/etxebarri). Da dürfen Sie natürlich nicht einverstanden sein (ich will Ihnen ja nicht das Recht wegnehmen, mit der allgemeinen Wertschätzung des durchschnittlichen spanischen Feinschmeckers nicht eining zu sein), aber trotzdem…ihre Kritik klingt nicht ausserordentlichen kosmopolitisch. Ich würde sogar sagen, es bringt sogar einen leicht provienziellen Nachegschmack von einem Tripadvisor-Verriss eines deutschen Pauschaltouristen. Gourmand zu sein heist auch, sich mich kulturellen Unterschieden auseinanderzusetzen (hier: die glibbrige Textur der Kokotxas). Das hat in Ihrer Japanreise anscheinend gut geklappt – vielleicht auch das nächste mal in Spanien?

    Aber lesen wir weiter:

    „Gut, in Spanien kennt man kein Hummergetier, also müssen ständig Garnelen herhalten – ich mag die überhaupt nicht –, aber immerhin ist hier noch ein Produkt erkennbar“.

    Hoppla! Harter Tobak! Und wieder dieser leichte, aber unmissverständliche Parochalismus. Da kann wieder der Julien Walther nicht einverstanden sein, aber feine Garnelen – z.B. die zarten, süsslichen, roten Garnelen aus Palamòs an der Katalanischen Küste oder aus Dènia – als Seefrüchte zweiter Klasse zu bezeichnen ist auch eine eher gewagte Meinung. Da sind Heeren von Feinschmeckern einer anderen Meinung. Ach, sogar die Japaner essen gerne Garnelen! Im Übrigen gibt es in Spanien, vor allem an der galizischen Atlantikküste, exzellenten Hummergetier – und der Kochpunkt ist oft besser (da glasiger) als an der brettonischen Küste. Zum Beispiel in Seefood-Tempel wie das „D’Berto“ oder das „Güeyu Mar“ – ich gebe Ihnen gerne genauere Indikationen.

    MvG eines werten Lesers.

    PS: ich kenne kaum einen Wein, der schlechter zum Essen des DiverXo passt als der Flor de Pingus. Ich find die Weinkarte des DiverXo im Ganzen nicht sonderlich gut, aber etwas hat sie: eine fantastische Auswahl von sehr feinen alten Sherry zu Spottpreisen. Das passt ja auch super zu dieser Küche. Da hätten Sie sich vielleicht vom Sommerlier beraten sollen.

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Danke für Ihren ausführlichen Kommentar! Ich weiß Ihre ausführliche Auseinandersetzung mit meinem Artikel sehr zu schätzen.

      Dieser Abend hat aufgrund seiner in jeder Hinsicht befremdlichen Ausprägung starke Emotionen hervorgebracht. Entsprechend ist mein Artikel geschrieben. Es geht mir bei meinen Berichten immer darum, dass man mit mir miterleben kann. Und wenn ich zum x-ten Mal in einem angeblichen spanischen Spitzenrestaurant eine mittelmäßige Garnele oder offenbar schlecht zubereitete „Kokotxa“ serviert bekomme (abgesehen von all dem ganzen anderen Zirkus), dann habe ich – in diesem einen Moment (!) – keine Lust mehr zu differenzieren, vor allem nicht auf hypothetischer Ebene.

      Die Pauschalisierungen entsprechen der Empfindung des Moments mit meinen bisherigen (durchaus sehr breiten) kulinarischen Erfahrungen und daraus entstandenen Präferenzen und Meinungen. Dass sich auch diese ständig ändern können (und sollen), ist Teil meiner vielfältigen Faszination für Essen. Ich lasse mich unheimlich gern davon überzeugen, dass bestimmte Produkte irgendwo ganz besonders hervorragend sind (und danke Ihnen sehr für Ihre Hinweise), aber hier – in diesem Artikel und im DiverXO – geht es gar nicht um einzelne Produkte. Die Gänge waren nahezu alle regelrecht abstoßend, teilweise ekelerregend. Und das einstimmig für drei äußerst offene und erfahrene Esser am Tisch.

      Chardonnay oder Grauburgunder? Chardonnay. New York oder Berlin? New York. Spanien oder Frankreich? Frankreich. Das ist pauschal und völlig undifferenziert – aber manchmal darf so etwas sein. Dann schlägt das Herz für eine Sache. Und hier hat meines für überhaupt nichts geschlagen.

      Viele Grüße!

      Antworten
  4. Uwe

    Hallo Julien,

    waten Sie anschließend denn noch leckere Tapas in einer traditionellen Bar essen?

    Obwohl Sie kein Mitleid möchten bedauere ich Sie sehr, danke Ihnen aber recht herzlich das ich diesen Bericht lesen durfte und diese Erfahrungen nicht selber machen muss. Leider ein Restaurant mehr welches doch keine Reise wert ist. Neben den von Ihnen weiteren erwähnten Spaniern habe ich auch schon Piazza Doumo in Alba von meiner Liste gestrichen. Und wenn ich nach Tokyo fahre mache ich einen großen Bogen um das Joel Robouchon.

    Für die vielen tollen Berichte von Ihren Reisen ein großes Kompliment meinerseits.

    Viele Grüße Uwe

    Antworten
    • Trois Etoiles

      Danke! Und, ja, es folgt bald ein Bericht übers hervorragende „Tickets“, eine etwas andere Tapas-Bar, die ich einen Tag später besuchte.

      Antworten
  5. Christian

    Danke für den aufschlussreichen Artikel! Da habe ich mir wohl eine Menge Geld gespart, denn nach dem Video wäre ich da auf jeden Fall mal hingefahren.

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  6. Sabine Jäger

    Schade…. Ich bin fast süchtig nach dem Video…. Aber dieser Bericht zeigt leider das alles nur Schein ist!
    Auch wenn Ich den Schreiber nicht persönlich kenne würde Ich Ihn gerne Treffen um Ihn in den Arm zu nehmen aber warum… Mitleid Glückwunsch ich bin hin und her gerissen…
    Das Eintretten in ein weißes Restaurnat erinnert mich stets an Krankenhaus…. Klischee?? Ja vieileicht aber einladend ?? Ich weiss nicht.
    Naja ich finde die anrichte weise also teller matte platte leinwand etc. schon cool muss aber nicht sein… und diese toten Frösche da ohhh was war da los… Auch das aufstehen ?? für was soll das gut sein ??? Das Füttern ?? ohhh eventl. bin ich zu jung und noch nicht reif genung sowas zu verstehen und mein Gaumen noch nicht so geschult aber ich bin bei klarem Verstand… und komme zu dem Entschluss :
    „Das muss ich nicht haben da schau ich mir das Video lieber nur an und stelle mir vor das es ganz anders ist. “
    Herzlichst.

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  7. Andras Jokuti

    Im Grunde genommen ist also der Film gut gelungen: genauso kitchig und voll mit Effekthascherei ohne wirklichen Inhalt. Eben wie das hier beschriebene Abendessen.

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    • Trois Etoiles

      Der Film hat immerhin eine Aussage, die ich einladend fand, wie oben im Artikel beschrieben. Denn trotz aller Effekthascherei geht es darin schließlich um Genuss und um „genießen können“. Das Essen im Restaurant dagegen hat damit dann leider nichts mehr zu tun.

      Antworten
  8. Ralfonso

    Unfassbar! Manche Gerichte auf den Fotos sehen aus, als seien sie direkt auf der Tischdecke oder einer Plastikunterlage platziert. War dem so? Und warum liegen auf mehreren Fotos die Weinkorken auf dem Tisch herum? War das Teil der Inszenierung oder bloß Nachlässigkeit?

    Der Michelin müsste doch in allen Ländern gleiche Kriterien für die Vergabe von 3 Sternen haben. Eigentlich habe ich vor, nächstes Jahr, wenn ich in Spanien bin, zu Quique Dacosta nach Denia zu gehen, aber das überlege ich mir doch noch mal.

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    • Trois Etoiles

      Ja, viel kam auf Plastikfolien und irgendwelchen anderen Sperenzchen. Mit den Weinkorken habe ich aus lauter Langweile etwas herumgespielt, Ralfonso ;). Und das mit dem Michelin ist mir in Spanien ein ganz großes Rätsel. Von Dacosta haben zwar viele geschwärmt, aber ist lasse erst einmal kulinarisch meine Finger von diesem Land. Für lange Zeit.

      Antworten
  9. duni

    ich hoffe, die weinkarte war wie üblich in spaniens topgastronomie vernünftig und bot ablenkung zu diesem kindergeburtstag!

    Antworten
    • Trois Etoiles

      In der Tat, Dunja, die Weinkarte war – landesüblich – gut und preisgünstig. Wir hatten irgendetwas Weißes von Terroir al Limit (ca. € 90) und einen 2011 Flor de Pingus (€ 130). Damit konnte man sich über den Abend retten.

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  10. Philipp

    Sehr gut geschrieben. Derartiges passiert wahrscheinlich, wenn man krampfhaft versucht Neues zu erfinden. Das Essen im DiverXO sieht jedoch in den Berichten anderer Blogger im alten Interieur besser aus. Auch vermisse ich die asiatische Influenz, die sich aus XO erahnen lassen würde. Eine solche Entwicklung lässt sich laut dem Bericht von Fine Dining Explorer auch im Alinea erkennen. Ich verstehe allerdings nicht, warum man das Wichtigste, den Wohlgeschmack, einfach vergisst und stattdessen nur auf Kreativität achtet.

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