Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Alfredo – keinmal wie immer

Um die Zeit in Köln zwischen einem Termin am Vormittag und einem Rückflug am Nachmittag möglichst genüsslich und damit sinnvoll zu nutzen, zücke ich den mobilen Michelin-Führer und lasse mir spontan den Weg zu „Alfredo“ weisen – Kölns neuester Sterne-Zugang.

Was so klingt wie der typische Italiener um die Ecke, bei dem es gar keine italienischen Spezialitäten gibt, sondern das, was Otto Normalverbraucher dafür hält, entpuppt sich schon beim Eintreten als etwas angenehm Anderes.

Am Tisch sitzend finde ich mich in einem sachlich-eleganten, lichtdurchfluteten Ambiente wieder. Gemütlichkeit macht sich breit. Inhaber und Küchenchef Roberto Carturan begrüßt persönlich und stellt mir detailliert die Mittagskarte vor – rein mündlich, wohl bemerkt, Wachsamkeit ist hier auch vom Gast gefragt. „Einmal wie immer“ gibt’s hier nicht, doch „was war noch gleich das Zweite?“ darf einem dabei schon mal rausrutschen.

Kurze Zeit später beginnt mein kurzes Mittagessen mit einem Amuse-Bouche: einem guten Steinbuttbäckchen mit (etwas trockener) Rucola und Tomate, begleitet von einem Süppchen mit Meeresfrüchten. Letzteres überzeugt durch eine hervorragend mediterrane Würzung!

Es folgt ein Kaisergranat mit Orangencouscous und Minze auf Chinakohl. Das Krustentier guter Qualität ist mit grobem, duftendem Pfeffer gewürzt (vermutlich Tellicherry oder Periyar), und passt gerade dadurch gut zu den leichten Orangennoten des Couscous. Nicht nur diese gelungene und überraschende Aromabrücke machen das scheinbar simple Gericht zu einer puristischen Köstlichkeit, die trotz aller Exotik auch mediterranes Flair versprüht. Sehr gelungen!

Der Service unter der Obhut von Ehefrau Susanne ist derweil äußerst sympathisch und sehr aufmerksam.

Dann folgt ein Teller Pasta mit Tintenfisch und Kerbel — gut, süffig und bodenständig; danach Filets vom Steinbutt mit Karamell und Petersilienwurzel in einem köstlichen Sud mit Thymian, Petersilie und Dill, dessen leichte, karamellige Süße durch eine feine Schärfe kontrastiert wird, vermutlich mit Ingwer. Sehr gut.

Eine souveräne Käseauswahl und ein anständiger Caffè runden das spontane, gelungene Mittagessen ab. Am liebsten wäre ich hier gleich zum Abendessen geblieben.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Alfredo (→ Website)
Chef de Cuisine: Roberto Carturan
Ort: Tunisstraße 3, Köln
Datum dieses Besuchs: 28.02.2011
Guide Michelin (D 2011): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,9

2 Antworten zu “Alfredo – keinmal wie immer”

  1. L. Nicolaus

    Guter Artikel & guter Einblick! Weiter so!

    Lediglich vielleicht anzumerken, dass die Sterne Kategorie mit 3* wohl versehentlich falsch bezeichnet ist.

    Beste Grüße,

    Antworten

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