Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Porträt im Magazin „Der Feinschmecker“ ‒ Richtigstellung

In der Ausgabe 6/2018 des Magazins „Der Feinschmecker“ findet man eine Reportage über essbegeisterte Menschen, deren Leidenschaft gutes Essen ist und denen dafür kein Weg zu weit ist. Die meisten der Protagonisten kenne ich persönlich. Auch ich werde in dieser Reportage porträtiert. Als die Redaktion des Magazins auf mich zukam, habe ich das als Chance gesehen, einer genussaffinen Zielgruppe außerhalb der Leserschaft meines Blogs meine Passion und meine Anliegen in Bezug auf Essen und Kulinarik näherzubringen.

Ein perfekt gegrillter Fisch mit exzellentem Olivenöl. Der Duft von warmem, frisch gebackenem Brot mit guter Butter und Meersalz. Der vollkommene Geschmack von japanischem Sushi. Ein unvergesslich knackiger Salat am Mittelmeer mit leuchtend frischen Zutaten. Oder ein komplexes, modernes Menü mit neuartigen Geschmackserlebnissen, aber mit den besten Produkten, die die Natur zu bieten hat. All dies und mehr bildet die Grundlage für meine Leidenschaft, über die ich hier seit Jahren berichte und mit anderen Interessierten teile.

Im Laufe der Zeit habe ich vor allem mein Wissen über Produkte und deren Qualitäten stetig erweitert und meine Sinne geschärft. Von einer Artischocke bis zum Zander habe ich es gelernt, Zutaten und deren Qualitäten einordnen und beurteilen zu können, eine gute Tomate von einer schlechten genauso unterscheiden zu können wie einen mittelmäßigen, überteuerten Steinbutt von einem günstigeren, aber großartigen. Diesen Erfahrungsschatz lasse ich in jeden meiner Berichte einfließen und beurteile alle Gerichte, die ich in meinem Blog vorstelle, auf dieser Grundlage. Hierbei entstehen spannende, oft leidenschaftliche Diskussionen hier im Blog und in den sozialen Netzen.

Um sich mit Spitzenprodukten auseinandersetzen zu können, muss man Spitzenrestaurants besuchen. Man nennt sie genau deshalb Spitzenrestaurants, weil sie mit großartigen Produkten und gewissenhaftem Küchenhandwerk herausragende Geschmackserlebnisse herstellen. Nicht, weil man irgendwo mit Silberbesteck unter Kronleuchtern speist. Die kreativsten und besten Restaurants der Welt faszinieren fast nie mit Hummer, Kaviar und klassischem Luxus, sondern mit einem enormen Reichtum an ‒ oft scheinbar simplen ‒ Produkten, die so grandios schmecken, dass man sie nie vergisst.

Auf meiner stetigen Suche nach Genuss besuche ich viele solcher Restaurants und lasse die Leser meines Blogs (und darüber hinaus) an meinen Erlebnissen teilhaben. Viele meiner Leser schreiben mir immer wieder, sie fühlten sich oft als seien sie „mit am Tisch dabei“ und würden meinen Ausführungen gerade deshalb gerne folgen. Das freut mich immer wieder. Denn gerade in Deutschland herrscht ‒ trotz einer medialen Übersättigung rund um das Thema Essen ‒ ein Vakuum hinsichtlich des Verständnisses für Genuss und Produktqualitäten. Es herrscht großer Aufklärungsbedarf an vielen Ecken und Enden. Immer wieder gebe ich in meinen Berichten Beispiele für gelungene oder weniger gelungene Gastronomie, für mäßige oder grandiose Gerichte, für Blendwerk oder Authentizität auf dem Teller.

Leider finde ich mich und meine Passion für Genuss in der Reportage des „Feinschmecker“ nicht wieder. Im Gegenteil. Von „Trophäen“ in Form von Gerichten ist dort die Rede, vom „Sternesammeln“ und Fressorgien mit angeblich „5000 Kalorien am Tag“. Dabei habe ich noch niemals Kalorien gezählt, viele meiner Essen sind sehr leicht. Als „Esszesse“ würde ich meine eigenen Reisen bezeichnen, tatsächlich habe ich dieses Wort noch nie verwendet, um meine Begeisterung für Genuss zu beschreiben. Auch der Titel der Reportage, „Foodaholics“, klingt so als sei die Begeisterung für Genuss und die fortwährende Suche nach Qualität eine therapierbare Sucht mit Krankheitswert.

Dass ausgerechnet ein Magazin, welches Genuss als Leitmotiv hat ‒ und dessen Redakteure selbst die Welt bereisen, um Spitzenrestaurants zu besuchen ‒, meine Essleidenschaft so unzutreffend einzuordnen weiß, ist befremdlich. Am Ende spiegelt es aber genau den Mangel an Verständnis gegenüber hochwertiger Küche und Genuss wider, den ich in diesem Land immer wieder an den Pranger stelle. Quod erat demonstrandum.

6 Antworten zu “Porträt im Magazin „Der Feinschmecker“ ‒ Richtigstellung”

  1. Arne C. Gerson

    Der Feinschmecker , war mal in den 80er Jahren eine wichtige Zeitschrift, wie so viele Titel aus dem Jalag haben die Macher sich selbst „erlegt“ und es ist auch unwahrscheinlich dass eine entsprechende Auflage erreicht wird. Ist egal. Nicht ärgern.

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  2. Thomas Jacobs

    Die Beschreibung Ihrer Person und Ihrer Passion für exzellentes Essen ist unzureichend und falsch. Foodaholic ist ein Unwort. Ein nutzloser neuer Begriff für Denglish und dieser hilft wenn überhaupt neureiche Genusstiefflieger die Kochkunst für Ihren Snobismus zu missbrauchen und zu vergewaltigen.

    Der Blick in die kulinarische Zukunft kann schon mal düster rüberkommen:(

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  3. cmling

    Ich habe Den Feinschmecker von Beginn an abonniert – und damit vor etwa sechs Jahren aufgehört, weil ich den Keim ahnte, der jetzt anscheinend das Blatt verseucht. Schade.

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  4. Max

    Wirklich bedauerlich. Aber das Magazin hat für mich schon optisch und haptisch nie etwas von Genuss transportiert, sondern bedient eben eher den sehr deutschen Ansatz, wonach Genuss erst dann unverdächtig ist, wenn er formatiert, katalogisiert und zählbar ist.

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    • Torsten Koy

      Richtig! Allerdings optisch so ausgelegt, damit es dem Mainstream gefällt und eine entsprechende Auflagenzahl erreicht. Deshalb lieber auf Magazine wie Effilee ausweichen. Weniger Glanzdruck, dafür tiefgehende Artikel über Produkte und deren Herkunft. Spricht halt nur einen kleineren Teil der Bevölkerung an. Aber ist ja, wahrscheinlich, in vielen Sparten so.

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