Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Auberge de l’Ill – mein Teil der Geschichte

Eine Aura der Erhabenheit liegt über dieser gastronomischen Institution, die 1950 von Paul Haeberlin ins Leben gerufen wurde und auch nach über sechzig Jahren eine Bastion der französischen Spitzengastronomie ist. Sohn Marc hat hier mittlerweile das Ruder übernommen und tritt damit in die Fußstapfen seines legendären Vaters. Alles Weitere kann anderswo nachgelesen werden, und das Einzige, das ich in der Lage bin, zur Historie dieses Restaurants beizutragen, ist meine eigene Geschichte.

Diese beginnt heute Abend gegen halb acht hier in Illhaeusern, einem pittoresken Dorf im Elsass, das mit seinem Namen in der Liste skurriler Ortsnamen nur einen der hinteren Plätze belegt. In der Nachbarschaft reihen sich ansonsten Wickerschwihr an Heiteren, Hartmannswiller an Lochwiller und Obersoulzbach an Handschuheim.

Im Interieur des Restaurants prägen Cremetöne und ein Teppich in denkwürdiger Tarnoptik das modern-behagliche Ambiente mit großer Fensterfront zum Wald.

Die Essensauswahl gestaltet sich in Anbetracht der gebotenen Vielfalt und jeweils unbekannten Machart und Menge als anspruchsvoll. Denn anstelle des Menüs „Haeberlin“ wähle ich lieber einige Gänge à la carte; und diese Auswahl will wohlüberlegt sein. Die berühmte boîte de sardines, die ich zu gern gekostet hätte, wurde leider von der aktuellen Karte gestrichen.

Meine Bestellung besteht schließlich aus zwei Vorspeisen, einem Fisch- und einem Fleischgang. Dass ich bei meiner A-la-carte-Wahl nicht dem sonst üblichen Dreiklang Vorspeise-Hauptgang-Dessert folge, scheint den Kellner zunächst hoffnungslos zu überfordern, als würde ich das gesamte Konzept der französischen Küche in Frage stellen. Es klappt dennoch.

Zum Champagner (Lallier blanc de blanc, € 18) werden die ersten Amuse-bouches serviert. Die Zusammenstellung ist gut, aber etwas teiglastig. Es ist nichts dabei, das Staunen auslöst, und, wie immer in solchen Fällen, deshalb als Auftakt enttäuschend.

Als weiteres Amuse folgt eine hervorragend gebratene Rotbarbe mit einem kleinen, sehr fein gewürzten Gemüsesalat, einem halben Artischockenherz und einer würzigen Fischsauce. Obgleich ich nicht immer der allergrößte Rotbarben-Freund bin, ist dieses Exemplar wirklich hervorragend. Der gebotene Produktpurismus ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Bald darauf wird der erste Gang serviert, Les langoustines rôties au curry vert / sur une salade de haricots cocos et artichauts poivrades, pistou de coriandre et amandes fraîches (€ 58).

Die „optische Degustation“ vermittelt mir spontan mehrere Eindrücke: zum einen fällt auf, dass sich hier abermals halbierte Artischockenherzen auf dem Teller befinden, was in Anbetracht dieser nur mäßig verzückenden Zutat äußerst uninspiriert erscheint. Zum anderen macht das Gericht einen recht trockenen Eindruck auf mich – der recht karg erscheinende Kaisergranat, ein alles andere als saftig wirkender Bohnensalat, dazu etwas leblose Salatblätter. Keine Zutat hat den „Glanz, den das Auge erfreut“ (Bocuse).

Alle Eindrücke bestätigen sich auch am Gaumen. Ja, natürlich ist die Qualität der Krustentiere gut, aber diese Feststellung ist in einem Spitzenrestaurant nahezu nichtig. Eine Enttäuschung auf ganzer Linie zum Preis eines manch glanzvollen Menüs.

Bei meiner weiteren Vorspeise bin ich einer Empfehlung des Kellners gefolgt, der den plausiblen Vorschlag hatte, ein kleiner, leichterer Gang wie dieser sei als zweite Vorspeise genau das Richtige. Und obwohl mich eine Hauptzutat wie Eier normalerweise nicht besonders anspricht, lasse ich mich erwartungsvoll darauf ein.

Die Œufs pochés soufflés aux trois parfums, écrevisses, truffes et ris de veau (€ 48) sind indes alles andere als leicht. Drei pochierte, soufflierte Eier mit jeweils unterschiedlichem heißen Inneren – Flusskrebse, Trüffeln, Kalbsbries –, dazu Streifen von getoastetem Brot, sind äußerst üppig. Bestimmt ein Klassiker mit berechtigtem Platz in Kochbüchern über traditionelle französische Küche, doch das allein macht das Gericht nicht zu meinem Liebling. Mir ist es zu „behäbig“ und aromatisch zu undifferenziert (man nimmt fast nur die pochierte Eimasse wahr und verbrennt sich dann die Zunge am jeweils ähnlich schmeckenden Rest). Jedes gute Frühstücksei mit einer Scheibe Toast ist mir da lieber – allerdings nicht zum Abendessen.

Dass nach zwei Amuse-Bouches und zwei Vorspeisen noch immer nur Hoffnung auf kulinarisches Vergnügen besteht, ist frustrierend. Auch das sehr distanzierte Serviceteam ist nicht gerade erheiternd – es funktioniert nur, anstatt beispielsweise durch Sympathie und Leichtigkeit Wohlbehagen zu erzeugen.

Das Filet de sandre rôti au foin, petite tarte flambée aux croûtons d’anguille (€ 68), also Zanderfilet, wird makellos und auf Heu gebraten auf einer hervorragend aromatischen Sauce von grünen Kräutern serviert. Ebenfalls auf dem Teller findet man eine Art Küchlein, auf dem karamellisierte Stücke vom Aal mit Kräutern zu finden sind. Diese zunächst recht eigenartig anmutende Komponente steuert eine feine, dann aber doch etwas aufdringliche Süße bei. Dies ist bisher für mich das schmackhafteste Gericht – bleibt aber dennoch einem großartigen kulinarischen Erlebnis fern. Es ist guter Fisch mit einer vorbildlichen Sauce und einer guten Beilage, nicht mehr und nicht weniger.

Alsbald wird auf einem Silbertablett ein vorzüglich aussehendes Stück einer sieben Stunden geschmorten Lammschulter präsentiert, aufgeschnitten und auf unseren Tellern, zusammen mit ofengegarten Kartoffeln mit Zwiebeln und einer Trüffelsauce, angerichtet. (L’épaule d’agneau Allaiton d’Aveyron rôtie et braisée sept heures, accompagnée de pommes boulangères aux truffes, € 155 für zwei.)

Das ist Produktqualität, die sich hervorzuheben lohnt! Das Fleisch ist zart, saftig und ungemein schmackhaft durch den hohen Fettanteil, und mühelos das beste Lammfleisch, das ich je gegessen habe. Erlebnisse dieser Art sind die Grundvoraussetzung für eine fortwährende Schulung des Sinns für Geschmack und Qualitätsverständnis. Demjenigen, der Lammfleisch nur in Form kleiner Abschnitte „mit alles“ in Fladenbroten zu sich nimmt, wird sich ein derartiges Erlebnis nie erschließen können. Er sollte hierhin reisen, um kuriert zu werden.

Doch verhält es sich auch bei diesem Gericht so, dass ich es in der dargebotenen Form nicht noch einmal bestellen würde. Es it fast nur Fleisch auf dem Teller (spätestens bei der servierten zweiten Portion), abgesehen von dem Bisschen Sauce und den Kartoffeln. Prachtvolles Fleisch natürlich, aber so einen Teller erhoffe ich mir eher in einem Bistro als hier.

Für ein Dessert ist mir dann nicht nur die Lust vergangen, sondern hinsichtlich der üppigen Portionen auch schlicht der Platz. Für die petits fours reicht’s dennoch.

Gastro-Kritiker Jürgen Dollase sagte einmal: „Das gute Produkt steht am Anfang jeder guten Küche“. Aber eben nur am Anfang, betone ich. Am Ende steht das, was man mit diesem Produkt anzufangen weiß. Und so sehr ich auch die Berechtigung dieser Küche, ihren Ruhm und ihr jahrzehntelanges Schaffen respektiere, habe ich all dies nicht auf meinem Teller wiederfinden können. Adieu et bonne nuit, Auberge.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Auberge de l’Ill (→ Website)
Chef de Cuisine: Marc Haeberlin
Ort: Illhaeusern, Frankreich
Datum dieses Besuchs: 01.06.2011
Guide Michelin (F 2011): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 7,5

17 Antworten zu “Auberge de l’Ill – mein Teil der Geschichte”

  1. Peter Ricken

    Ach ja, ich vergaß, was Willi schrieb: Die „Trüffe Sous la Cendre“, die ich auch jedes Mal in der Auberge aß. Göttlich!!!

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  2. Peter Ricken

    Auch hier kann ich nur anmerken, dass ich mich den eingeschränkten oder negativen Kritiken nicht anschließen kann.
    Ich war im Laufe der Jahrzehnte in unterschiedlichen Begleitungen 5 Mal dort zu Gast, und jedes Mal war es hervorragend. Wenn ich irgendwelche Spezialitäten liebe, esse ich sie in solchen Klassikern (anders als in Avantgarde-Restaurants, wo ich jede Abwechslung mit Spannung begrüße) immer: Boîte de Sardines (die es wohl ab 2010 nicht mehr gibt), Gänseleberterrine, Froschschenkel und das himmlische Kalbsbries. Das ist immer eine sichere Bank und hat mich jedes Mal glücklich gemacht.
    Gern erinnere ich mich an einen Abend in den Achtzigern zurück,wo meine erste Frau und ich nach einem vorzüglichen Mahl und viel Wein mit einer netten Gruppe von Schweizern am Nachbartisch ins Gespräch kamen und viel Spaß hatten.Das oftmals laute Gelächter und die Höhe des Gesprächspegels wurde von niemandem beanstandet. Das Restaurant ist also alles andere als „steif“. Später haben wir mit den Schweizern noch in einer Bar in Colmar weiter gefeiert.
    In den 90ern war ich mit meiner zweiten Frau wieder dort, und wir hatten unseren (angekündigten) Hund dabei und im dazugehörigen Hotel des Bergues die Übernachtung gebucht. Den Hund nahmen wir natürlich nicht mit ins Restaurant, was man mit großem Erstaunen aufnahm, als wir erschienen. Man hätte uns extra einen großen Tisch in der Mitte reserviert, unter den sich unser Hund bequem hätte legen können. Aber es war gut so: Unter einem Nachbartisch lag ein Schäferhund, mit dem sich unser Hund nie vertragen hätte, weil er Schäferhunde hasste. Also fragten wir nach einem mehr romantischen Zweiertisch an der Fensterfront, den wir selbstverständlich bekamen.
    Geradezu paradiesisch war am nächsten Morgen das opulente Frühstück draußen auf der Terrasse des Hotels neben dem idyllisch „flüsternden“ Flüsschen Ill. Einer der Gebrüder Haeberlin kam, rustikal mit Latzhose, und unterhielt sich im „Stübli“ angeregt mit ortsansässigen Bauern. Das nenne ich Bodenständigkeit!
    Dann aber kam noch etwas, was ich immer in Erinnerung behalten werde: Wir stellten fest, dass das „Fresschen“ unseres Hundes, das wir mitgenommen hatten, zur Neige ging. Ich rief an der Rezeption an und bat um Hilfe. Geliefert wurde kurz darauf eine Tupperware mit 1 kg frisch durchgedrehtem Rindertartar. Beim Auschecken danach fand sich dafür kein Pfennig auf der Rechnung!!!
    Als ich mit Freunden 2010 das letzte Mal mit Freunden da war, trafen wir auf einen anderen der Gebrüder Haeberlin, der auf der Stirn ein Pflaster trug und zu uns auf Deutsch sagte: „Schaut mal, ich habe einen Dachschaden!“ Großes Gelächter…
    2011 hatte ich mit meiner (nunmehr) dritten Ehefrau die Gelegenheit, die Dépendance der Auberge in Tokyo zu testen. Abgesehen von dem für Japan üblichen Protz (siehe den Blog zum Robuchon Tokyo) war das Essen absolut gleichwertig gut wie im Stammhaus, abgesehen davon, dass es auch dort die Boîte des Sardines nicht mehr gab.
    Zusammenfassend verbinde ich mit der Auberge nicht nur Erinnerungen an hervorragendes Essen, sondern auch an unvergessliche Abende.

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  3. Gregor Joos

    Hi Julien
    Ich hatte meinen einzigen und letzten Besuch in Illhäusern bereits erfolgreich verdrängt und vergessen. Es ist wohl so 6 Jahre her, aber Dein Bericht, der wohl aufgrund eines neuen Kommentars wieder „aufgetaucht“ ist, hat mich an mein katastrophalen Besuch dort erinnert. Das ganze fing mit einer dermassen masslos überkochten Krevette an, dass ich mich den ganzen Abend lang gefragt habe, ob diese wohl zwei Mal gebraten wurde. Ich war dermassen fassungslos und überrascht, dass ich während der nächsten drei Gänge immer wieder an die Krevette denken musste. Der Rest des Essens war von einer enttäuschenden Belanglosigkeit. Fand das ganze eher in der 5 bis 6 JW-Punkte Region.
    Toller Bericht! Immer wieder ein Vergnügen zu lesen, in diesem Fall auch eine Bestätigung an meine Geschmackspapillen. Gruss, Gregor

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  4. Heinz Wilhelm

    Wir sind mit der Familie über 50 Jahre Gäste in der L‘ Auberge de I’Il und freuen uns noch immer auf jeden Besuch. Sicher kann das Haus auch auf Gäste verzichten die sich nicht gut gefühlt haben, vermutlich haben die sich so benommen, wenn sie nicht gut behandelt wurden. Heinz Wilhelm

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    • Trois Etoiles

      Guten Tag, Herr Wilhelm. Danke für Ihre Schilderungen. Ich wundere mich nur gerade über deren Bezug. Zumindest ich habe niemals beschrieben, dass ich damals nicht gut behandelt worden wäre. Meine Berichte beziehen sich weitestgehend auf die Bewertung und Beschreibung kulinarischer Aspekte von Speisen. Das war damals teilweise sehr gut, aber alles andere als großartig. Und auch dies war nur eine Momentaufnahme. Viele Grüße! J. Walther

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  5. Zimmermann Jörg J.

    Ich war sehr gespannt auf den Bericht über Illhäusern. Gestorben.
    Wir waren am Samstag wieder bei unserem erklärten Liebling Douce Steiner in Sulzburg. Ihre Kreationen sind jeden Rappen wert. Die Personen, die uns verwöhnen, deren Charme, das Wissen um die Pflege des Gastes und der immerwährende Spass lassen uns bereits wieder die Sinne schwinden:)

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    • Trois Etoiles

      Sie waren sehr gespannt auf meinen Bericht? Der ist inzwischen aber schon fünf Jahre alt! ;)

      Im „Hirschen“ war ich noch nicht, aber das hört sich gut an.

      Viele Grüße!

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    • Hoffmann

      Leider schreibt man oft nur , wenn man unzufrieden war
      Die Geschmäcker sind sehr verschieden und man sollte sich
      immer eine eigene Meinung bilden
      Wir fanden es dort sehr angenehm und fanden das Essen ausgezeichnet
      Das Preisleistungsverhâltnis ist mehr als fair
      Der Service war trotz des gut besuchten Hauses sehr aufmerksam
      LG
      Anita und Angelika

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  6. Christian Bartoschek

    Ich denke, die Bemerkung …

    „Ich denke es geht um die Würdigung eines Monuments der französischen Gastronomie, In dem man klassiche Gerichte serviert bekommt, die anderswo schon in staubigen Rezeptekisten verschwunden sind. “

    … trifft des Pudels Kern. Ich kenne die Auberge de l’Ill nun schon seit über 40 Jahren und wir gehen ebenfalls GARANTIERT NIE mehr hin … aus mehreren Gründen:

    – Eklatantes Missverhältnis von Preis zu Qualität/Kreativität
    – Höchst geschmacksstrapazierendes Intérieur
    – Arroganter, versnobter und nicht kritikfähiger Service
    – Irritierende Details (Storchenfütterung mit Froschschenkeln, mit Wasser verdünnte Handseife (!) auf den Toiletten …

    Kurz: Man ruht sich auf seinen Lorbeeren aus und lebt
    a) von neureichen Deutschen und Schweizern,
    b) von ewiggestrigen Franzosen, die keinen Vergleich kennen/wünschen.

    Und Etablissements wie dieses gibt es in Frankreich leider zuhauf …

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  7. Peter H.

    Ein wirklich interessanter blog mit unterhaltsam geschriebenen Beiträgen. Die meisten Bewertungen kann ich uneingeschränkt aus eigener Erfahrung unterstreichen.

    So auch diese Kritik über Häberlin. Bereits seit weit über 10 jahren machen wir um Illhäusern einen großen Bogen. Unser erster Besuch von 15 jahren war ein großes Erlebnis, vielleicht auch etwas romantisch verklärt von einem lauen Sommerabend und einer erfrischenden Brise, die unten vom Flüsschen hoch kam zu den Gartentischen, an denen man den Aperitiv genoß. Im nachhinein schienen mir während des Menüs die ersten Zeichen dessen, was später offenkundig werden sollte, entschuldbar.

    Drei Jahre später besuchten wir die Auberge erneut und waren bereits irritiert, als zur Mittagszeit ein voll besetzter Reisebus vor dem Restaurant hielt und die Reisenden die Tische im Inneren stürmten. Unser Besuch am Abend war dann sehr enttäuschend, die Lektüre des o.a. Berichts wie ein Déjà-vu.

    In Erinnerung blieben mir zwei Dinge von diesem Abend: Wie üblich wurde zu Beginn des Menüs eine Auswahl an Brot und Brötchen gereicht. Letztere waren derart alt und ausgetrocknet, somit hart, daß sie sich nicht einmal unter Zuhilfenahme eines Messers – Knigge verzeih – zerteilen ließen. Nach Reklamation waren auch keine frischeren Exemplare verfügbar.

    Die Menügänge zeigten sich enttäuschend hausbacken, ähnlich wie oben beschrieben. Als Hauptgericht kam dann das uns außerhalb der Karte angebotene – angeblich am Vortage frisch geschossene – Rebhuhn. Von der Präsentation her eine Augenweide, die begleitenden Düfte eine Aufforderung zum baldigen Genuß. Die stundenlange Wartezeit ließ auf eine frische Zubereitung schließen. Leider war das Gericht derart stark versalzen, daß an einen Verzehr nicht im Entferntesten zu denken war. Auch nicht partiell. Unsere Reklamation wurde mit unverschämten Kommentaren quittiert.

    Nachdem wir daraufhin unseren Besuch außerplanmäßig beendeten, haben wir nie wieder Gedanken an ein Revival verschwendet. Wie obiger Bericht zeigt, haben wir damit nichts verpaßt.

    Gruß
    Peter

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  8. Hélène

    Ich war mehrmals In Illhauesern … und immer enttäuscht, gehe ich nicht mehr hin
    dagegen l’Arnsbourg ist ein Muss !

    bei Herrn Klein im Arnsbourg, im Nordelsass, isst man etwas moderner und inspirierter
    das kann ich bestätigen

    eine Französin, die in Elsaß wohnt …

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  9. Willi

    @Harald: Der Vergleich mit Saarbrücken hinkt ein wenig – bei den Haeberlins gibt es ebenfalls ein großes Menü, das weniger als bei Herrn Erfort kostet, zuletzt 145 Euro. Bei Herrn Erfort hat mich zudem schon ein wenig verärgert, dass die Speisenfolge manchmal sehr gedehnt auf den Tisch kommt. Ich brauche im neungängigen Menü nicht bis zu einer Stunde Abstand zwischen den Gängen. Selbst als ich dem Maitre bei noch nicht einmal ausgebuchtem Hause sagte, dass ich noch eine gute Stunde zu fahren hätte und gerne eine gewisse Beschleunigung sehen würde, war der dazu nicht in der Lage und ging das neungängige Erlebnis – auf sehr unterschiedlichem qualitativen Niveau – erst gegen 2:00 Uhr morgens zuende. Auf Schloss Perll oder Outre Sarre im Arnsbourg isst man deutlich besser, wenn man schon in der Ecke ist.

    @Julien: Wie schade, dass der erste Besuch ein solcher Reinfall war. Ich war sehr oft bei den Haeberlins und immer sehr zufrieden. Die Küche zählt nicht zu meinen absoluten Favoriten in Frankreich – Guy Savoy, Alain Ducasse und Pierre Gagnaire sehe ich weiter vorn, auch bei Herrn Klein im Arnsbourg, im Nordelsass, isst man etwas moderner und inspirierter. Bei den Haeberlins gibt es aber definitiv die beste Gänsestopfleber der Welt und einige sehr feine Traditionsgerichte – Hummermousseline Paul Haeberlin, Truffe im Kartoffelmantel etc. Vielleicht sind nicht immer alle Gerichte auf Dreisterneniveau, das wird für mich aber dadurch ausgeglichen, dass die Atmosphäre an der Ill recht einmalig ist, die Weinkarte sehr fair kalkuliert und der Service außerordentlich aufmerksam. Vielleicht bekommen die Illhaeuserner ja eine zweite Chance?

    Gruß
    Willi

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    • Julien

      Hallo, Willi. Danke für deinen ausfühlichen Beitrag. Es freut mich natürlich, dass du in der Auberge offenbar bessere kulinarische Momente erleben konntest – genau das war dort auch mein Ziel.

      Wir waren an dem Abend zu dritt und haben alle à la carte bestellt. Das Restaurant wusste zudem, dass wir zum ersten Mal dort und offen für alles sind – und hat es dennoch nicht geschafft, irgendeine Empfehlung auszusprechen, die uns vielleicht den Glanz, für den das Haus steht, hätte näher bringen können. Das ist ziemlich mau, um es mal salopp zu sagen.

      Das L’Arnsbourg zählt zu meinen absoluten Favoriten, siehe unter Berichte! Dort finde ich übrigens die nahezu magische Atmosphäre erheblich angenehmer…

      Aber so ist das eben ;). Mal so, mal so. Das macht das ganze Thema (Spitzen-)gastronomie ja so erlebenswert.

      Auch dir wünsche ich weiterhin eine bonne dégustation!

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  10. Alex

    Interessanter Bericht. Das mit den trockenen Vorspeisen und den komischen Soufflés ist ziemlich erschreckend zu den Preisen. Und wenn ich mir die Gerichte insgesamt so ansehe, dann leuchtet mir ein, warum das Restaurant „Auberge“, also „Gasthaus“, heisst. Und ich meine das jetzt nicht unbedingt negativ. Sicherlich muss man sich fragen, warum der Guide Michelin hier 3 Sterne vergibt, wo andere 3 Sterne Restaurant schlicht in anderen kulinarischen Sphären kochen. Ich denke es geht um die Würdigung eines Monuments der französischen Gastronomie, In dem man klassiche Gerichte serviert bekommt, die anderswo schon in staubigen Rezeptekisten verschwunden sind. Aber sowas muss auch man vorher wissen und sich darauf einstellen die paar Klassiker des Hauses zu verzehren – ich habe in dem Zusammenhang schon oft von unvergesslichen kulinarischen Momenten gehört. Aber klar, wer das Haus nicht kennt und sich auf die 3 Sterne verlässt, der wird wohl genauso wie Du hier berichten. Insofern ist das Ranking berechtigterweise in Frage gestellt! Schönen Gruß und danke für den Bericht!

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  11. Harald

    Seit ich im Ausblick von dem geplanten Besuch in der Auberge de l’Ill las habe ich schon neugierig auf den Bericht gewartet, danke – wie immer ein großes Lesevergnügen !
    Herzlichen Glückwunsch zum Besuch in diesem Lokal von dem ich seit vielen Jahren immer lese und doch noch nie dort war. Nach diesem und einigen ähnlichen Berichten in letzter Zeit wird das wohl auch so bleiben.
    Hier wird unter Umständen von den Restaurantführern die sicherlich große Tradition dieses Hauses höher bewertet als das was auf dem Teller ist.
    Interessiert hätte mich hier die legendäre ganze Trüffel von der ich schon oft gelsesen habe.
    Wenn ich die Speisenpreise pro Person richtig addiert habe kommt ca 250 € für 4 Gänge heraus.
    Just vorgestern am Dienstag war ich nicht allzuweit von Frankreich entfernt in Saarbrücken in dem dort nach vorherrschender Meinung stadtbesten Restaurant zu Gast und hatte das überaus große Vergnügen für
    169 € das große Menue zu verspeisen ( 9 Gänge), vorneweg 7 amuse-bouche ( darunter die beste zubereitete Auster an die ich mich erinnern kann, sowie ein grandioses, großzügig bemessenes Carpaccio + Tatar ). Wirklich jeder Gang konnte mich sehr begeistern. Wenn ich dies mit dem obigen Artikel vergleiche kommt es mir wie ein Schnäppchen vor. Das war es auch sicherlich im Hinblick auf die gebotene Leistung. Es war sicherlich kein Zufall daß am Nebentisch französische Gäste saßen.
    Auch auf den Bericht vom nächsten Eßvernügen bin ich schon gespannt.
    Gruß

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