Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Peter Luger – Fleisch/satt

Von dieser über 120 Jahre alten Traditionsadresse in Brooklyn, New York, hat fast jeder schon einmal gehört, der sich nicht Vegetarier schimpft. Bei Peter Luger gibt es Steak. Es gibt da noch anderen Krimskrams, aber in erster Linie bestellt man hier das USDA Prime Beef, family selected, dry aged für eine Person ($42,50), zwei, drei oder vier ($177,80), für das man auch das entsprechende Bargeld in der Tasche haben sollte, denn das ist hier das einzig mögliche Zahlungsmittel.

Der Laden brummt. Im Eingangsbereich wimmelt es vor Gästen, die darauf warten, in einem der Speisesäle platziert zu werden. Die Kellner tragen weißes Hemd und schwarze Fliege. Hier wird man durchgeschleust, alles ist straff organisiert.

Zum Steak wähle ich Creamed Spinach und die Luger‘s Special German Fried Potatoes (Bratkartoffeln). Wie sich herausstellen wird, beides überflüssige, da nachlässig zubereitete Beilagen.

Doch zum Wesentlichen. Das Fleisch kommt heiß brutzelnd und in Streifen aufgeschnitten auf einem Teller an den Tisch und lässt das Herz jedes Fleischfreundes höher schlagen. Es präsentiert sich mit einer perfekten, krossen Kruste und ist, wie gewünscht, medium rare im Kern. Dazu passt natürlich Bier oder, wie unserem Fall, ein vollmundiger 2007 Cabernet Sauvignon von Chateau Montelena.

Nicht nur wegen der erfreulichen Weinkarte, sondern spätestens mit dem ersten Bissen in das Fleisch sollte jedem klar werden, dass er hier mitnichten in einer amerikanischen Version des Block House sitzt. Das Fleisch bei Peter Luger ist phantastisch – reif, mit Kruste, fetttriefend, unglaublich aromatisch, beinahe nussig – und in dieser Qualität und vor allem Machart bei uns zulande (wo mager ein Qualitätsmerkmal ist) eigentlich gar nicht zu finden. Erst recht nicht in so genannten Steakhäusern, in die ich deshalb schon lange nicht mehr einkehre.

Zum Fleisch gibt es ein paar gute hausgemachte Saucen, doch eigentlich braucht man hier – und das ist die Lektion, die ich für einen nächsten Besuch mitnehme – nichts weiter außer Fleisch und einer guten Pulle Rotwein. Cheers!

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Peter Luger (→ Website)
Chef de Cuisine: Arturo McLeod
Ort: New York City, USA
Datum dieses Besuchs: 25.01.2012
Guide Michelin (NYC 2012): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,9

8 Antworten zu “Peter Luger – Fleisch/satt”

  1. Marco

    Peter Luger ist fantastisch, auch nach mehreren Experimenten in den angesagten Läden der USA konnte ich bislang noch kein besseres Steak finden…aber was man durchaus auch empfehlen kann, ist trotz aller Klischees „Keen´s Steakhouse“ in Midtown. Ich komme bei einem Besuch in New York meist nicht daran vorbei, hier auch einzukehren und mich dem Mutton Chop zu widmen…dazu nichts als Cremespinat und eine anständige Flasche Wein…perfekt. Die Steaks sind ebenfalls von außerordentlicher Qualität, aber dafür lohnt sich in der Tat die Fahrt über die Brücke zu Peter Luger! Ich stimme Ihnen übrigens voll und ganz zu, was die deutsche Steakhousekultur angeht. Belanglose, wässrig-neutrale Fleischstücke lieblos zubereitet und teuer verkauft…vom hiesigen Publikum dennoch in höchsten Tönen gelobt. Das spare ich mir seit Jahren. Hierzulande ist es meist die bessere Alternative, hochwertiges japanisches Beef im Rahmen eines guten Menüs zu essen oder (wenn man Zugriff darauf hat) exzellentes Fleisch selbst zuzubereiten, wenn einen mal die Lust auf Steak packt…

    Aber gut…wenn´s dann mal eine Fleischbombe sein soll und man Peter Luger schon besucht hat: Keens Steakhouse, Mutton Chop…ich bin regelmäßig begeistert ;-)

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  2. Peter Ricken

    Wir waren im Dezember 2016 (ich bereits das dritte Mal) im Peter Luger.
    Leider nimmt man da die Reservierungszeiten nicht so genau. Angekommen, mussten wir uns erst durch das enge „Gewusel“ in der Bar durchdrängeln, bis wir einen ansprechbaren Kellner fanden. Unser für 20 Uhr reservierter Tisch war noch nicht fertig, und man sagte uns auch nicht, wann er fertig würde. Da ich wegen meiner leichten Gehbehinderung nicht lange stehen kann, erbat ich einen Stuhl, den ich auch bekam, gleichwohl war das Warten im engen Durchgang von der Bar zum linken Speisesaal kein Vergnügen, weil sich ständig Mengen von Leuten und Kellner mit heißen Platten an mir „vorbeiquetschten“.
    Nach einer halben Stunde bekamen wir endlich unseren Tisch im linken quirligen Speisesaal. Das „Menü“ ist in der Tat sehr einfach: „Steak for 1, for 2, for 3 and for 4“ nebst Beilagen. Die Qualität versöhnte uns mit der unangenehmen Wartezeit über alle Maßen: herrliches „succulentes“ Fleisch von formidabler Qualität! Unser Kellner war ein älterer Österreicher, bereits über 30 Jahre dort beschäftigt und mit herrlichem österreichischem „Schmäh“, der sich freute, mal wieder Deutsch mit uns sprechen zu können. Durch die Enge der Tische kamen wir auch mit dem Nachbartisch ins Gespräch, wo zwei schwarze Pärchen aus New York saßen. Herrliche Leute, wir hatten viel Spaß und viel gelacht. Insgesamt ein toller, unvergesslicher Abend!
    Sicher reicht die Qualität des Fleisches nicht an das Niveau des Kobe-Restaurants Aragawa in Tokyo heran, war aber dennoch fulminant. „Diesseits des Atlantiks“ kann man aber außerhalb der üblichen Steakhouses durchaus etwas (annähernd) Vergleichbares finden, nämlich bei uns in Düsseldorf das „Reef & Beef“ und das „Classic Western Steakhouse“, beide nicht weit voneinander entfernt auf derselben Straße und dem gleichen Inhaber gehörend. Außerhalb von Düsseldorf habe ich aber in der Tat noch nichts annähernd Vergleichbares gefunden.

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  3. Leisler

    Man möge mir nachsehen, noch keine eigene Peter-Luger-Erfahrung gesammelt zu haben und somit auch keinen Vergleich anstellen zu können – doch von Hamburger zu Hamburger („no pun intended“) möchte ich auf die absolut vorzeigbare Fleischqualität des „Butcher’s Steak House“ in Pöseldorf verweisen. Kein Dry-Aged-Zirkus, kein Geschwafel über Lavagrills, sondern einfach nur wirklich gute, fachmännisch zubereitete Steaks.
    Und die Beilagen und Saucen kann man sich auch dort getrost ersparen.

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  4. klaus

    Gefällt mir! Ich glaube unser Chuleton von 10 Jahre alten Rindern aus der
    Extremadura kann da mithalten!
    Und genau in der Kombination: Fleisch und Rotwein!!!
    http://www.asadoreltoro.de. Mal reinschauen!! Würde mich freuen!

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    • Stefan

      Zu behaupten, dass das fleisch im asador el toro mit Peter Luger’s steaks mithalten kann ist sehr mutig. Thoretisch möglich, aber aller wahrscheinlichkeit nicht möglich, es sei denn es wird der selbe riesenaufwand betrieben, wie ihn Peter Luger’s vormacht. Ich verstehe, dass dieser einwand unbegreiflich arrogant klingt, wenn man die Luger steaks noch nie gegessen hat. Die sind aber _wirklich_ eine klasse für sich. Ich habe schon einige steaks – auch in den USA wo es in besseren lokalen USDA Prime cuts gibt und auch teilweise vermeindliche „dry aged“ stücke woanders gegessen. Alles sehr ordentliche steaks die auch sicher die richtige flasche wein tragen konnten, aber die klasse eines Peter Luger Steak hat noch kein anderes annähernd erreicht. Ich wäre echt froh soetwas diesseits des atlantiks zu finden.

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      • Julien Walther (Trois Etoiles)

        Stefan, auch ich habe solches Fleisch noch nicht diesseits des Atlantiks finden können. Andere Macharten, andere Schnitte, keine Frage – aber allein diese hauchdünne, knusprige Kruste ist in der Tat schon eine Klasse für sich.

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  5. Peter

    Und für was gibt es den Stern? Für das Fleisch… egal wenn die Beilagen nur Durchschnitt sind? In Deutschland würde es für so was kaum eine Auszeichnung geben.

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Hallo Peter, es ist richtig, dass in einem Restaurant mit Stern die Beilagen nicht so minderwertig sein dürften. Davon abgesehen bin ich kein Befürworter der Theorie, dass Sterne in den USA leichter vergeben werden als in Europa, wie manche meinen. Ich habe so etwas zumindest noch nicht bemerkt. Es ist eher anders herum: es gibt in den USA viel mehr unbeschwerte, lockere Restaurants mit sehr guter (= ein Stern) Küche. Das Fleisch bei Peter Luger ist sensationell – so etwas gibt es in Deutschland einfach nicht. Für solch ein Erlebnis kann man dann auch schon mal einen Stern vergeben. Lieber dafür als für verkrampfte Allerweltsküche ohne Handschrift wie in vielen Ein-Sterne-Restaurants in Deutschland. Santé! ;)

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