Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Tourniert: Gramercy Tavern, New York City

Die Gramercy Tavern ist eine 25 Jahre alte Restaurant-Institution im gut situierten New Yorker Stadtteil Gramercy Park. Ich war bis zu diesem Abend nie dort, blicke aber mit Freude auf die Reservierung. Es gibt hier in zwei Bereichen ‒ einer davon in kneipenähnlicher Atmosphäre ‒ moderne bis bodenständige amerikanische Küche, die im Guide Michelin mit einem Stern ausgezeichnet ist.

Das Restaurant ist urig und wirkt wie eine Mischung aus Studentenlokal und kitschigem Verkostungsraum eines mittelmäßigen amerikanischen Weinguts. Ich bin heute Abend im einfacheren, vorderen Bereich, für den man nicht reservieren kann.

Die Speisekarte enthält jeweils sieben Vorspeisen, Hauptspeisen und Desserts und spricht die ungezwungene Sprache eines Restaurants mit amerikanischen Wurzeln und europäischen Einflüssen. Austern, Salate, Seafood-Etageren, halbes Hühnchen, Burger, Schokoladenkuchen …

Ich bestelle einen 2017er Antica Terra Pinot Noir „Ceras“ aus Oregon ($ 315, ca. € 277), einen Chicorée-Salat mit Süßkartoffeln und Birne (€ 19) und den „Tavern Burger“ mit Cheddar, Bacon und Chips (€ 28).

Das zunächst servierte Amuse-Bouche ist dann gleich die beste Speise. Marinierte Flunder, frisch und kühl, aber nicht kalt, kommt mit weißen Rüben, Estragon und einem süffigen Sud mit Habanada-Chili, die geschmacklich der wunderbar fruchtigen Habanero gleicht, aber ohne deren extreme Schärfe auskommt. Sehr fein. — 7

Birne und Süßkartoffel ergänzen den knackig frischen, leicht bitteren Radicchio-Salat um eine zurückhaltende, passende Süße. Das ist ordentlich, aber rustikal. — 6,9

Der Burger beinhaltet dann zwar saftiges Fleisch von erkennbar guter Qualität, und auch die hausgemachten buns sind gut, doch der zähe Cheddar und das Fehlen weiterer Begleiter macht die üppige Konstruktion zu einer recht drögen Angelegenheit. Mein Appetit auf Burger ist allerdings größer als die Lust, das Gericht noch auszutauschen. Durchaus gut, aber hier leuchtet der Stern nur in weiter Ferne. — 6,5

Ich vermute, dass sich auch der Rest der Karte auf ähnlichem Niveau bewegt, d. h. irgendwo zwischen gut und sehr gut. Die Gramercy Tavern ist ein schönes Nachbarschafts-Juwel, aber bei den vielen Möglichkeiten in New York wohl kein Muss.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Gramercy Tavern (→ Website)
Chef de Cuisine: Michael Anthony
Ort: New York City, USA
Datum dieses Besuchs: 29.12.2019
Guide Michelin (New York City 2019): *
Meine Bewertung dieses Essens (?): 6,9 (Was bedeutet das?)
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2 Antworten zu “Tourniert: Gramercy Tavern, New York City”

  1. Nicolas Wischberg

    bin Ich der einzige der bei dem Salat eher radicchio vermutet?;)

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    • Julien Walther (Trois Etoiles)

      Radicchio ist natürlich korrekt. Ich hatte hier zunächst die Beschreibung aus der Speisekarte übernommen („chicory salad“ = Chicorée-Salat), was in diesem Fall jedoch falsch ist. Chicorée (lat. Cichorium intybus var. foliosum) und Radicchio (lat. Cichorium intybus) gehören zwar beide zum Familie der Zichorien, aber nur Chicorée heißt bei uns auch Chicorée. Daher: vielen Dank, so viel Genauigkeit muss sein.

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