Ein Blog über die kulinarischen Abenteuer eines Essverrückten

Fisch, frischer, Le Bernardin

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Wenn man mich fragt, wo man auf der Welt hervorragenden Fisch essen kann, dann ist das Le Bernardin immer Teil meiner Aufzählung. Unweit vom MoMA, in Midtown Manhattan, serviert der charmante französische Küchenchef Eric Ripert hier bereits seit fast zwanzig Jahren Meeresküche und andere Köstlichkeiten auf allerhöchstem Niveau.

Das vor kurzem aufgefrischte Interieur wird jetzt dominiert von einer großen Leinwand mit einem Foto von schäumender Gischt. Auch habe ich den Eindruck, dass jetzt noch mehr Gäste hier Platz finden als noch vor einigen Jahren. Es dürften an die hundert sein, die hier mittags und abends, teilweise in mehreren seatings, verpflegt werden.

Doch Le Bernardin ist kein „Fischrestaurant“, sondern eine von New Yorks feinsten Adressen, wenn es ums Essen geht. Elegant geht es hier zu; vielleicht auch eine Spur zu förmlich, aber vermutlich auf einer Linie mit den Erwartungen der hier wohl überwiegend speisenden upper eastsiders oder asiatischen Touristen. Am besten sitzt man hier an einem der größeren runden Tische mit Blick über das emsige Treiben im Saal.

Die Speisekarte bietet flexible Menüs (ab $45!) und eine große Auswahl verführerisch klingenden Kreationen, bei denen man im Le Bernardin immer von einer raffinierten, eleganten und frischestmöglichen Zubereitung ausgehen kann.

Dies bestätigt bereits ein kleiner Snack vorweg in Form eines Schälchens mit Salmon rillettes, den man auf dünnem, getoastetem Weißbrot genießen kann. Der überfrische Lachs ist herrlich cremig durch seinen natürlichen Fettgehalt, dezent gewürzt und einfach wunderbar. Die Schüssel ist nach wenigen Minuten leer. Ausschlecken schickt sich hier leider nicht.

Mein erster Gang, Caviar – Wagyu, ist ein vorzügliches Tartar vom Nebraska Wagyu Beef und etwas Kaisergranat, getoppt mit einer großzügigen Portion Osietra-Kaviar, dazu eine erfrischende black pepper/vodka crème fraîche. Hauchdünne, krosse Pommes Gaufrettes sorgen für texturelle Abwechslung. Schmeckt fantastisch. Ein perfekter kleiner „Luxusgang“.

Es folgt Salmon. Wie alle Gerichte ist auch dieses nur nach der Hauptzutat benannt, andere Komponenten findet man in einer kleinen Beschreibung darunter. Auf meinem Teller finde ich eine üppige Portion von leicht geräuchertem Wildlachs (cured salmon), der eigentlich schon für sich spricht. Gleichwohl sorgen die leichte Schärfe einer sehr gelungenen Kardamom-Ingwer-Vinaigrette und etwas Biss von hauchdünnen Palmenherzen-Scheibchen für einen weiteren Kick. Zum Nachbestellen gut! (Doch vor einem allzu opulenten Mahl sollte ich mich jetzt hüten; in nur wenigen Stunden steht bereits die Reservierung zum Abendessen im Eleven Madison Park.)

Nicht nur hervorragend wie bisher, sondern grandios geht das bisher durch und durch erfreuliche Mittagessen weiter mit Octopus. Dieses perfekt gegarte Exemplar in Scheiben geht mit fermentierten schwarzen Bohnen und einer Sauce Vierge mit Birne eine würzige, tiefe und süffige Harmonie ein. Eine kleine Kreation von verblüffendem Wohlgeschmack.

Der Black Bass ist dann ebenfalls ein Gericht auf sehr hohem Niveau mit einem makellosen Produkt, doch auf der Haut gebratener Fisch fasziniert mich – so gut er auch ist – meist etwas weniger. Dieses dennoch nicht anzweifelbare Prachtexemplar wird hier mit einer aromatischen, hervorragend passenden dunklen Sauce mit schwarzem Knoblauch und Limette serviert. Besonders faszinierend an diesem befreiend unkomplexen Gericht mit wenigen Komponenten ist die frappierende Klarheit: der frische Fisch, die exzellente Sauce… und das Meer, das man schmecken kann.

Die süßen Freuden aus der Patisserie sind ebenfalls alle wunderbar bis perfekt, wie bspw. das Yuzu Parfait mit knusprigem Sesam-Reis, Ingwer und Eis von grünem Tee. Das Dessert besticht mit einer feinen Süße und der eleganten Säure der Zitrusfrucht. Himmlisch.

Ein in einer Eierschale serviertes Karamelleis mit Salz und verführerische, buttrige Financiers machen den Abschluss dieses Mittagessens perfekt!

Eric Riperts Küche ist wunderbar unprätentiös, spricht eine klare Sprache – die des Produkts – und kommt ohne jeglichen Firlefanz aus. Wohlgeschmack und Frische stehen hier bei jedem Gericht an erster Stelle. Kurzum: Das Essen im Le Bernardin ist immer wunderbar und macht dieses Restaurant für mich stets zu einem Pflichtbesuch in dieser Stadt. New York, Stadt des Fischs, du lebest hoch!

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Le Bernardin (→ Website)
Chef de Cuisine: Eric Ripert
Ort: New York City, USA
Datum dieses Besuchs: 26.01.2012
Guide Michelin (NYC 2012): ***
Meine Bewertung dieses Essens (?): 9

3 Antworten zu “Fisch, frischer, Le Bernardin”

  1. Eric Pankert

    Hallo. Ich kann diesen Bericht übers Essen im ‚le Bernardin‘ nur bestätigen. Nie habe ich so guten Fisch gegessen, perfekt gegart, leckere Sossen, topfrisch sowieso und keinen ablenkenden Firlefanz. Einwandfreier Service. Tipp, die gute Preis/leistung gilt nur mittags. Abends gibt es eine andere Karte, dann sind die Preise den anderen Spitzenhäuser angepasst.

    Antworten
  2. Georg

    Das sieht wirklich sehr schön aus. Und ist für *** ja immer erstaunlich preiswert.

    Welches Menü hattest Du denn genau? Ein verkürztes lunch tasting? Oder ein angereichertes prix fixe?

    Antworten
    • Eric Pankert

      Hallo Georg,
      bin nur zufällig auf deine Frage gestoßen.
      Ja, ein angereichertes Prix fix Menü.
      Das tue ich gerne wenn ich in NY oder Paris ein drei Sterne Haus besuche. Das reicht mir vollkommen und gibt mir auch ein genügenden Eindruck von der Küche. Abends gehe ich lieber auf Entdeckung in ein-Sterne Restos.
      Heisser Tip in Paris. Das „Tablettes“ im 16.Arrondissement, Av.Bugeaud

      Antworten

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