Tourniert: Four Seasons Resort Los Cabos at Costa Palmas
Die meisten meiner Reisen haben einen kulinarischen Hintergrund. Eine Ausnahme war zuletzt ein achttägiger Aufenthalt – genauer: Urlaub – im Four Seasons Resort Los Cabos at Costa Palmas am Golf von Kalifornien. Umrahmt wurde die Reise von einigen Tagen in Mexiko-Stadt – dort wieder mit deutlich stärkerem Restaurantfokus.
Das Resort liegt bei La Ribera am East Cape der Gemeinde Los Cabos im mexikanischen Bundesstaat Baja California Sur, abseits der belebten Urlaubsorte Cabo San Lucas und San José del Cabo. Es gehört zum weitläufigen Immobilienprojekt Costa Palmas, dessen Dimension und Anspruch ich erst vor Ort wirklich begreife.
Sagen wir so: Es fiel mir schwer, wieder abzureisen. Oft saß ich bei neunundzwanzig Grad mit einem Sundowner unten am Strand des Hotels und beobachtete, wie sich der Himmel in märchenhafte Pastelltöne färbte. Natürlich nicht, ohne genau zu wissen, wo ich anschließend essen würde. Immerhin musste – durfte – ich fünfzehnmal diese Entscheidung treffen.
Ganz ohne kulinarische Hintergedanken war die Wahl des Hotels natürlich nicht. Ich schätze Four Seasons wegen vieler Annehmlichkeiten, nicht zuletzt aber wegen des wohl besten kulinarischen Angebots aller Hotelgruppen. Zur Erinnerung: Le George, Le Cinq, Caprice, Lung King Heen, The Surf Club Restaurant, Sushi Saito Hongkong, Sézanne und viele mehr – sie alle sind in Hotels der Gruppe beheimatet.
In einem Strandresort erwartet man naturgemäß andere gastronomische Konzepte als in einem Hotel in einer Metropole. Essen unter freiem Himmel ist hier das Thema, zwischen Palmen, Strand und Pool. Wie sich der kulinarische Anspruch von Four Seasons dabei äußert, konnte ich während der acht Tage ausgiebig erkunden.
Limón
Das Dinner-Restaurant Limón versteckt sich in einem namensgebenden, idyllischen Zitronenbaumhain auf dem weitläufigen Areal des Resorts. Wenn man das Adjektiv »atmosphärisch« bebildern müsste, sollte man das Limón zeigen.
Diverse Lichterketten zwischen den Bäumen hüllen Sitzplätze, Bar und offene Küche in warmes Licht und erzeugen eine fast verwunschene Stimmung. Gegen die abendliche Schwüle helfen große Ventilatoren, die, je nach Entfernung, unterschiedlich viel Linderung schaffen.
Kulinarisch verbindet das Limón mediterrane, vor allem italienische Einflüsse mit mexikanischen Akzenten. Die Speisekarte reicht von Gemüsegerichten und hausgemachter Pasta bis zu Fleisch und Fisch vom Mesquite-Holzfeuer.
Man beginnt zum Beispiel mit einem Salat von regionalen Tomaten mit Cashew-Hummus, geröstetem Knoblauch und Staub von Guajillo-Chili. Das ist gut, aber nicht aufregend. Bei umgerechnet etwa 30 € bleibt einem der Bissen allerdings eher wegen des Preises als wegen der Chili-Würzung im Hals stecken. Mein Motto: Augen zu und durch, denn leider nutzt man schamlos aus, dass niemand in ein Four Seasons reist, um sich dann über Preise aufzuregen.
Das betrifft leider auch – in noch größerem Ausmaß – die Weinauswahl. Die Aufschläge bewegen sich hier auf einem Niveau, dem ich selbst in der internationalen Luxushotellerie und -gastronomie noch nicht begegnet bin. So kostet ein trivialer »Josh Cellars« Chardonnay aus Kalifornien umgerechnet rund 100 €, ein simpler Bourgogne Pinot Noir von Louis Latour etwa 150 €, ein Muga Reserva Rioja mehr als 180 €. Die Handelspreise dieser Weine in Deutschland bewegen sich zwischen 14 € und 22 €. Ein Far Niente Chardonnay aus Kalifornien, den ich gerne genossen hätte, kostet mich zu Hause 90 €, hier im Resort wären es 584 €. Ein Irrsinn.
Auch die mexikanischen Weine bieten keinen Ausweg. Dabei hat Mexiko, insbesondere im Norden der Baja California, eine durchaus spannende Weinszene entwickelt, wie ich anderenorts feststelle. Wein ist hier zwar grundsätzlich teuer, doch die Preise, die hier im Hotel für mäßige Qualität aufgerufen werden, machen wenig Lust auf Entdeckungen. Recht gut ist beispielsweise ein »Norte 32« Cabernet Sauvignon aus dem Norden der Halbinsel, der jedoch mit ca. 190 € mindestens doppelt so teuer ist wie er es mir hier wert wäre.
Mein »Stammwein« wird ein Barda Pinot Noir des hervorragenden patagonischen Weinguts Chacra, der mit umgerechnet ca. 200 € zwar auch grotesk überteuert ist, bei dem ich mich aber immerhin nicht noch zusätzlich über die Qualität ärgern muss. Es ist schlimmer, 100 € für einen Wein auf Supermarktniveau zu bezahlen als das Doppelte für einen sehr guten.
Trotzdem überwiegt für mich insgesamt die Freude über die atmosphärischen Details dieses spektakulären Resorts.
Was das Limón weiter betrifft, genießt man zum Beispiel süffige hausgemachte Pappardelle mit regionalen, auffällig guten Garnelen, Knoblauch und Kapern (ca. 33 €), wenn einen nach vielen Ceviche und Tacos die Lust nach Herzhaftem überkommt.
40 Tage gereiftes Rib-Eye mit Gemüsen und Kartoffelpüree kostet mit ca. 150 € zwar so viel wie anderenorts ein ganzes Zwei-Sterne-Menü, ist aber immerhin qualitativ makellos.
Geschmorte Rippchen vom Schwein (ca. 62 €) kommen mit Soja-Agaven-Honig, Kochbananen-Püree und Chicorée und sind leider völlig trocken. Es ist meine einzige Reklamation vor Ort; das Gericht verschwindet umgehend von der Rechnung. In den folgenden Tagen schlägt zudem die halbe Küchenbrigade des Resorts bei mir auf. Die heiteren und interessanten Gespräche, die daraus entstehen – typisch Four Seasons –, waren das allemal wert.
Ich bin insgesamt drei Mal im Limón. Die Atmosphäre ist zu bezaubernd, um hier irgendetwas schlecht zu finden.
| Informationen zu diesen Besuchen | |
|---|---|
| Restaurant: | Limón (→ Website) |
| Ort: | La Ribera, Baja California Sur, Mexiko |
| Datum dieser Besuche: | 19.10.2026, 22.10.2026, 23.10.2026 |
| Meine Bewertung dieser Essen: | |
Zest
Das Zest findet in einem eigenen Gartenbereich des Limón statt und lässt sich ausschließlich für eine einzige Tischgesellschaft für ein neungängiges Tasting-Menü buchen.
Meine Reservierung dort fiel wegen des einzigen Regentags vor Ort ins Wasser. Ob die umgerechnet ca. 333 € pro Person sich auch auf den Tellern wiedergefunden hätten, finde ich trotz Umbuchungsmöglichkeit nicht mehr heraus und gehe lieber ein zweites Mal ins Mozza Baja.
El Puesto
Zu einem Fels in der Brandung entwickelt sich während meines Aufenthalts ein kleiner, u-förmiger Tresen zwischen einem der großen Pools und dem Bar-Bereich am East Cape Beach.
Mittags serviert man dort Ceviche, Salate und Sashimi; problemlos lässt man sich aber auch einen Smash-Burger aus einem der anderen Restaurants liefern.
Im Schatten duftender Frangipani-Bäume und unter einem Strohdach wird das Ceviche mit mittelfettem Thunfisch (Chutoro), Yuzu-Soja-Sauce und fruchtig-pikanter Jalapeño (ca. 32 €) zu einem meiner Favoriten. Das Yuzu-Aroma stammt zwar nicht von einer frischen Frucht, dafür ist der Thunfisch, der hier direkt aus dem Meer kommt, von hervorragender Qualität.
Ein zweiter Standard wird ein Poké-Bowl mit sehr gut gegartem japanischem, kurzkörnigem Reis, üppigem Lachs, Edamame, Avocado und pikanter Aioli (ca. 34 €). So trendbewusst das Gericht erscheint, freue ich mich über die guten Produkte und die frische, sorgfältige Zubereitung direkt vor meinen Augen.
Im Glas ist dazu manchmal ein Corona oder ein leider kaum erwähnenswerter 2022er Chardonnay von Monte Xanic aus Valle de Guadalupe in Mexiko (ca. 145 €).
Abends verwandelt sich das legere Poolrestaurant in einen reservierungspflichtigen Omakase-Tresen. Dazu mehr an anderer Stelle.
| Informationen zu diesen Besuchen | |
|---|---|
| Restaurant: | El Puesto (→ Website) |
| Ort: | La Ribera, Baja California Sur, Mexiko |
| Datum dieser Besuche: | 20.10.2026, 24.10.2026, 25.10.2026 |
| Meine Bewertung dieser Essen: | |
Estiatorio Milos
Ein weiteres Restaurant auf dem Anwesen ist das Estiatorio Milos, ein Ableger einer in Montreal gegründeten, inzwischen international tätigen Restaurantgruppe mit griechischer Küche.
Als einziges Restaurant des Resorts bietet es auch Sitzplätze im Inneren. Die Klimaanlage tut zwar gut, besonders gemütlich wird es in dem hallenartigen Raum allerdings nicht.
Das Milos dient gleichzeitig auch als Frühstücksrestaurant. Wenn sich hier morgens hundert Gäste versammeln, die man in dem weitläufigen Resort tagsüber kaum zu Gesicht bekommt, und den Lautstärkepegel nach oben treiben, verschwindet für einen kurzen Moment das Gefühl von Exklusivität. Ich sehe mir das nur einmal kurz an und verlagere mein Frühstück lieber ins kleine, ruhige Café Ginger’s. Das liegt an einer Art Plaza, wo man in verschiedenen Boutiquen Kleidung, Accessoires, aber auch gleich ganze Grundstücke und Villen auf Costa Palmas kaufen kann. Ich bleibe bei einem großen Pistazien-Keks oder einem einwandfreien Käse-Schinken-Croissant.
Abends bestellt man im Milos zum Beispiel vorweg einen leicht frittierten, außen knusprigen und innen saftig-zarten Oktopus mit Fava-Püree nach Santorin-Art und Zitrone (ca. 36 €) und danach einen gegrillten Fisch des Tages, zum Beispiel Wolfsbarsch, mit Kapern und Zitrone (Tagespreis nicht notiert, vielleicht auch besser so). Der Kopf wird zusätzlich serviert – die Bäckchen sind eine Delikatesse.
Als ich an einem anderen Abend draußen sitze, erlaubt sich der neue, junge Küchenchef ein paar Experimente abseits der Karte und serviert Maine-Hummer mit Avocado und Safran-Orangen-Sauce – sternewürdig – und ebenfalls sehr gutes Thunfischtatar mit Stracciatella. Erfrischend zu sehen, dass das Personal hier eigene Ambitionen verfolgt.
| Informationen zu diesen Besuchen | |
|---|---|
| Restaurant: | Estiatorio Milos (→ Website) |
| Ort: | La Ribera, Baja California Sur, Mexiko |
| Datum dieser Besuche: | 20.10.2026, 26.10.2026 |
| Meine Bewertung dieser Essen: | |
Casa de Brasa
Direkt an einer der großen Pool-Landschaften gelegen, bietet das Casa de Brasa unkompliziertes, herzhaftes Mittagessen – ideal, um nach einem kleinen Frühstück und einer ersten Piña Colada etwas Substanzielles zu sich zu nehmen.
Die Tacos kommen in hausgemachten Mais- oder Mehltortillas – ich wähle stets Mais – und sind beispielsweise mit Rib-Eye, Zwiebeln, Shishito-Pfeffer und Koriander (2 Stück ca. 30 €) oder mit Hühnchen, Paprika und Guacamole (ca. 23 €) gefüllt, immer begleitet von guter Salsa Verde und einer pikanten Habanero-Sauce.
Auch einen Smash-Burger kann man sich hier gefallen lassen: saftig, mit luftig-buttrigem Bun, Avocado, Speck und Monterey Jack-Käse. Das Gute am mexikanischen Peso ist, dass der Umrechnungskurs, ähnlich wie bei Dänischen Kronen, so kontraintuitiv ist, dass man gar nicht bemerkt, dass mit dem Burger weitere 40 € auf der Hotelrechnung landen.
Abends ist die Karte etwas anders, mit deutlicherem Schwerpunkt auf verschiedene, mexikanisch beeinflusste Fisch- und Fleischgerichte. Trotz des Namens (brasa bedeutet Glut) spielt der Grill jedoch eine kleinere Rolle, als es der Name erwarten lässt.
| Informationen zu diesen Besuchen | |
|---|---|
| Restaurant: | Casa de Brasa (→ Website) |
| Ort: | La Ribera, Baja California Sur, Mexiko |
| Datum dieser Besuche: | 21.10.2026, 23.10.2026 |
| Meine Bewertung dieser Essen: | |
Außer Haus
Auf dem Gelände außerhalb des Four Seasons gibt es weitere gastronomische Optionen. Man erreicht sie am besten mit den Wassertaxis, die Hotelgästen und Anwohnern von Costa Palmas jederzeit kostenlos zur Verfügung stehen.
Damit lässt man sich zum Beispiel zum Dinner ins atmosphärische Mozza Baja fahren, dem Ableger von Nancy Silvertons populären Mozza in Los Angeles, oder zum schattigen Lunch ins Delphine von Ludo Lefebvre, dem Franzosen, der ebenfalls in Los Angeles unter anderem mit dem inzwischen geschlossenen Trois Mec bekannt wurde.
Mehr zum Mozza Baja und Delphine an anderer Stelle.
Fazit
Keine Frage: Man kommt hier gut über die Runden. Wenn man einmal seine kulinarischen Favoriten gefunden hat, macht es Spaß, zu diesen zurückzukehren. Die Entscheidung, wo ich als Nächstes esse, bestimmt dabei fast mehr die Atmosphäre als die Küche. Das liegt auch daran, dass das Speiseangebot etwas verschwimmt. Mit Ausnahme des Sushi- und Fisch-Tresens El Puesto erscheinen viele der Gerichte zwischen den Restaurants austauschbar. Wenn man das nicht als Problem betrachtet, sondern als Konzept, besteht kein Grund zur Klage. Etwas mehr kulinarische Eigenständigkeit würde den Restaurants des Resorts aber gut stehen.
Gerade bei den aufgerufenen Preisen wünschte ich mir mehr Gerichte, für die ich gezielt wiederkomme. Und eine Weinkarte, bei der ich mich auf die Auswahl freue, statt vor allem nach dem geringsten finanziellen und qualitativen Ärgernis zu suchen.
Wozu der aufwändige Outdoor-Steinofen im Limón, wenn er mutmaßlich nur zum Aufwärmen dient? Warum trägt ein Restaurant »Glut« im Namen, wenn es nicht nach Grill und Feuer duftet? Und warum hat man sich bei der Zusammenarbeit mit einem externen Restaurant ausgerechnet mit einer griechischen Restaurantkette zusammengetan? Ich erkenne jedenfalls in keinem der Restaurants einen klaren Anspruch an eine Spitzenposition.
Aber die Gastronomie des Hotels ist nicht festgefahren, wie ich in kurzweiligen Gesprächen mit dem Team immer wieder erfahre. Neues wird ausprobiert, Bewährtes in Frage gestellt, auf Feedback Wert gelegt. Hier ist meines.