Riviera by Jean Imbert ‒ die Ferne so nah

Ankunftstag in Dubai. Es sind laue fünfundzwanzig Grad ‒ dreißig mehr als in Hamburg. Mein Ziel für die nächsten Tage ist nicht die Stadt an sich, von der man halten kann, was man möchte, sondern das Hotel, das ich für meinen Aufenthalt gewählt habe: The Lana.

Das zur renommierten Dorchester Collection gehörende und von noch renommierterem Architekturbüro Foster + Partners gebaute Hotel begeisterte mich schon »auf dem Papier« und ist für die nächsten Tage meine Basis für Exkursionen zu Dubais neuesten Drei-Sterne- und weiteren Restaurants.

Mein erstes Ziel ‒ nach etwas realisiertem Schlafnachholbedarf am Morgen ‒ ist das Hotelrestaurant Riviera by Jean Imbert. Der französische Gastronom, der inzwischen auch kulinarisch das Plaza Athénée in Paris dirigiert, setzt hier in der vierten Etage des The Lana ein mediterranes Gastronomiekonzept mit Blick auf einen Yachthafen um, der zum Spaziergehen einlädt.

Die Kulisse ist surreal. Ich komme aus dem Staunen kaum heraus. Trotz der Künstlichkeit, die man der Wüstenstadt vorwirft – was immer das bei einer Stadt dieser Größenordnung bedeuten soll –, atmet jedes Detail hier Anspruch und kosmopolitische Raffinesse.

Die souveränen Kellner stammen aus Frankreich oder Südafrika, sind lässig und weltgewandt und reichen mir die Speisekarte. Ich habe dazu einen offen servierten Chablis von Michel Laroche im Glas (115 AED, ca. 27 €), qualitativ wenig erwähnenswert, aber die immense Einfuhrsteuer auf Alkohol macht Weinliebhabern hier das Leben schwer.

Die Speisekarte ist französisch-mediterran, produktorientiert, appetitanregend. In einem solchen Hotel ‒ an einem Ort, der nur Superlative will ‒ ist nicht mit Mittelmaß zu rechnen.

Ich möchte mich ein wenig durch die Karte arbeiten und bestelle zuerst ein Tatar vom Blauflossen-Thun mit Kaviar als Zusatzoption (ca. 110 €) ‒ es darf ruhig etwas luxuriös sein, hier in Dubai. Das Gericht wird sorgfältig am Tisch fertig gestellt.

Der Thunfisch ‒ ein Bauchstück ‒ besitzt eine bemerkenswert buttrige Konsistenz. Das Fett, das beim Biss austritt, schmeckt maritim, leicht tranig, zugleich aber klar und sauber, fast süßlich, mit jener tiefen Umami-Würze, die nur wirklich herausragender Thunfisch entwickelt. Der Kaviar dazu ‒ ein Ossietra von Gourmet House ‒ bringt seine nussige Salzigkeit dazu hervorragend zur Geltung, weil sie vom Fett des Thunfischs getragen wird. Das ist großes Produktkino der Kategorie »eigentlich ganz einfach, muss man aber trotzdem erst mal so auf den Teller bringen«. (8/10)

Die üppige Portion Thunfisch durchkreuzt allerdings auch meine Pläne, mich ausführlicher durch die Karte zu probieren. Etwas Kleineres muss her, herzhaft und heiß darf es auch sein, wie: Schnecken (ca. 27 €).

Diese hier stammen aus dem Burgund, sind groß und saftig und klassisch in Butter, mit Knoblauch und Petersilie gegart. Mit dem hausgemachten Baguette dazu tilge ich jede Spur der Schnecken auf dem Blech. Einfach und köstlich. (6,9/10)

Mehr als ein hervorragender Espresso mit ebenso hervorragenden Madeleines ‒ buttrig und luftig (7,5/10) ‒ muss es dann hier nicht mehr sein.


Das bleibt jedoch nicht meine Meinung. Zu reizvoll sind für mich Atmosphäre, Stimmung, Lässigkeit und Genuss, als dass ich nicht noch einmal einkehren möchte. Ich bestelle an einem weiteren, lauen Mittag ohne feste Pläne eine Pissaladière (ca. 20 €).

Was mich dann erreicht, ist nur auf den ersten Blick ein trivialer Zwiebelkuchen mit Sardellen. In Wahrheit ist es ein Musterbeispiel für Einfachheit auf hohem Niveau. Der präzise Mürbeteig; die geduldig süßgeschmorten Zwiebeln; die mit Umami und Salz würzenden Sardellen; und eine punktuell kontrastierende Olivencreme ergeben ein stimmigesSpiel aus Süße, Salz, Umami und Textur. (7/10)

Wer sich bei solchen Gerichten fragt, ob man nach Dubai fliegen muss, um mediterrane Küche zu essen, hat den Kern des Themas verfehlt. Es geht hier nicht um Herkunft, sondern um Verdichtung. In einer Stadt wie Dubai kommt nichts zufällig zusammen: Produkte, Handwerk, Personal und Ambition werden mit maximalem Aufwand kuratiert. Die Ergebnisse können sich entsprechend sehen lassen.

Also: Riviera-Vibes? Nein, ganz klar die Vibes einer Metropole, die vom Besten nur das Beste will.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Riviera by Jean Imbert (→ Website)
Chef de Cuisine: Etienne Laffaille
Ort: Dubai, VAE
Datum dieser Besuche: 27.12.2025, 29.12.2025
Guide Michelin (Dubai 2025): E
Meine Bewertung dieser Essen: 7 (Was bedeutet das?)
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