Tourniert: Westküste, Golfküste

Moules-frites auf der Terrasse mit Blick ins Napa Valley, Burger von verschiedenen Restaurants mit offener Feuerstelle – und Seafood vom Feinsten in einer unscheinbaren Markthalle in L.A.: Von der amerikanischen Pazifikküste bis in den arabischen Golf habe ich auch in den letzten Monaten viele kulinarische und gastronomische Eindrücke erlangt, über die ich bisher nicht berichtet habe.

Im Einzelnen:


Auberge du Soleil, Rutherford

Die Auberge du Soleil zählt seit Jahrzehnten zu den renommiertesten Herbergen im Napa Valley – Relais & Châteaux-Mitgliedschaft, drei Michelin Keys und fünf Sterne vom Forbes Travel Guide inklusive.

Auf meiner Reise in die Region ist das Haus eine Woche lang meine Unterkunft und gelegentlich auch mein Ort zum Essen. Die Terrasse mit ihrem weiten Blick über das Tal liefert eine überzeugende Ausrede, das Gelände hin und wieder gar nicht erst zu verlassen.

Im seit vielen Jahren mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Hotel-Restaurant wählt man am flexibelsten à la carte (drei Gänge 180 $, vier 205 $). Das Menü beginnt an einem Abend mit zwei sehr guten Einstimmungen – einem kühlen Cracker mit Sesamcreme, Schnittlauch und Granatapfel sowie einem fruchtig-süßen Löffelhappen mit Walnuss, Apfelcreme und Kerbelöl (beide 7/10).

Auch die folgenden Gänge sind handwerklich überzeugend: goldbraun gebratenes Kalbsbries als Roulade mit Steinpilz, Friséesalat und umamitiefer Wachtelfondsauce (7/10) sowie ein einwandfreier Heilbutt mit Beurre blanc, subtil geschärft durch Chorizo und Piment d’Espelette (7/10).

Zum Abschluss gibt es ein leicht säuerliches Pré-Dessert mit Panna Cotta und Apfel (6,9/10) und ein makelloses, wenn auch etwas altmodisch anmutendes Dessert aus Minzeis und Valrhona-Mousse – geschmacklich wie ein (stark optimiertes) After Eight (6,9/10).

So anstandslos alles ist, Begeisterung will sich nicht einstellen. Gute Produkte, solide Küche – doch die Gerichte sind oft eine Nuance zu groß; es fehlt die Leichtigkeit, der man hier in Kalifornien so häufig begegnet.

Viel überzeugender ist die Barkarte, die ebenfalls auf der Terrasse serviert wird: etwa Austern mit Ingwer-Mignonette (6 $ pro Stück) oder ein großartiger Teller mit in Sauvignon Blanc gedämpften Muscheln, Limette, Thai-Basilikum und glasiertem Schweinebauch (42 $). Mit Pommes frites und geröstetem Brot ist das für mich das beste Gericht, das diese Küche hervorbringt – besternt oder nicht. (7,5/10)

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Auberge du Soleil (→ Website)
Chef de Cuisine: Robert Curry
Ort: Rutherford, CA, USA
Datum dieser Besuche: 22.10.2025, 27.10.2025
Guide Michelin (California 2025): *
Meine Bewertung dieser Essen: 7 (Was bedeutet das?)
Dieser Bericht in den sozialen Netzen: Facebook, Instagram

The Charter Oak, St. Helena

Christopher Kostow, einst Küchenchef des 2020 zerstörten Drei-Sterne-Restaurants The Restaurant at Meadowood, führt neben anderen Projekten rund um die Welt im Napa Valley das populäre The Charter Oak in St. Helena – ein local favorite, wie man hier sagt.

Das eindrucksvolle Gebäude, das von üppiger Vegetation fast verschlungen wirkt, bietet große Außenflächen und ein rustikales Interieur mit offener Küche, Bar und viel Platz. Gemütlich ist das nicht, aber lebhaft.

Herzstück der Küche ist eine große Feuerstelle – entsprechend verlockend das Angebot an Grillgerichten, die nach opulenten kalifornischen Cabernets verlangen. Gut, dass ich selbst einen dabeihabe: einen 2009er Caymus »Special Selection«, heute Mittag direkt beim Weingut gekauft. Eine Flasche BYO ist hier sogar kostenlos.

Ich starte mit Gemüsen aus dem eigenen Garten mit Soja-Dip (25 $). Rohe Zucchini ist zart und mit feinem Biss, die Karotten duften nach frisch aufgelockerter Erde, und die Radieschen sind fast überzeichnet knackig und saftig. Eindrucksvoll. (7/10)

Vom Grill folgt ein Cheeseburger mit Pommes frites (28 $) – mustergültig in Fleischqualität, Grillaromen, Saftigkeit, Schmelz und fluffigem Bun, das nicht zerfällt. Scheinbar banal, tatsächlich sehr gut. (6,9/10)

Auch ein Spieß vom Schweinekinn (32 $) überzeugt mit prägnanten Aromen vom Feuer, aber genug Fett und Saftigkeit, um den authentischen Fleischgeschmack im Vordergrund zu lassen. Eine leicht gekühltes Apfelkompott passt mit seiner feinen Süße perfekt dazu. Das ist so gut und so bodenständig, wie man sich das hier wünscht. (6,5/10)

Auf den sonnenverwöhnten Cabernet mit 15 Vol.-% Alkohol kommt auch wieder der Korken drauf – so schnell, wie ich das Essen verputzt habe, konnte ich gar nicht trinken.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: The Charter Oak (→ Website)
Chef de Cuisine: John Ellsworth
Ort: St. Helena, CA, USA
Datum dieses Besuchs 25.10.2025
Guide Michelin (California 2025): E
Meine Bewertung dieses Essens: 6,9 (Was bedeutet das?)
Dieser Bericht in den sozialen Netzen: Facebook, Instagram

Holbox, Los Angeles

Ein Essensstand in einer Markthalle, spezialisiert auf Seafood und mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet – es gibt solche Konzepte. Und Holbox liefert.

Ich fahre extra ins wenig glamouröse Downtown Los Angeles, um rechtzeitig – kurz nach elf Uhr am Mittag – hier anzukommen. Die berüchtigte Schlange ist da noch kurz.

Wenig später sitze ich am Tresen, blicke auf erstaunliche Zutaten in den Kühlschränken und auf den Posten der vielen Köche – und verliere keine Zeit, die ersten Speisen zu bestellen.

Eine Tostada mit Kanpachi (Große Bernsteinmakrele) und Uni (Seeigel) aus Santa Barbara (22 $) ist gleich eine Wucht: der Maisfladen leicht und knusprig, der üppige Fisch als appetitlich säuerliches Ceviche darauf angerichtet, der Seeigel schmelzig, jodig und nussig, aufgelockert durch Limette und Koriander. Das ist präzise und qualitativ herausragend. Bestelle ich das gleich noch einmal? (8/10)

Ich probiere lieber weiter. Aus der Taco-Rubrik bestelle ich den mit gebratenem und frittiertem Tintenfisch aus dem Golf von Mexiko (7 $). Die Garung des Mollusken ist bemerkenswert gut – innen zart, keine Spur gummiartig, außen fein knusprig. Eine Creme mit Tintenfischtinte fügt alles zusammen. Dazu schwarze Bohnen als Side Dish, sämig und perfekt gewürzt. (7/10)

Verschiedene Saucen – in unterschiedlichen Schärfen – füllt man sich selbst in kleine Plastikschälchen. Silberbesteck und teures Geschirr braucht hier niemand.

Dann noch, weil ich davon nicht genug bekomme, Seeigel, serviert in seiner imposanten Schale zusammen mit Jakobsmuscheln aus der Baja-Bucht als Ceviche (27 $): perfekt kühl temperiert, mit leicht prickelnder Schärfe. (7,5/10)

Zum Schluss Almeja reina, eine große Venusmuschel von der mexikanischen Pazifikküste (18 $ pro Pfund), zusammen mit Jakobsmuschel einmal als Ceviche und einmal mit Chilisauce zubereitet – erneut mehr als sehr gut. (7,5/10)

Und wer redet von Schluss? Ohne ein paar von den köstlichen Churros (7 $) verlasse ich den Laden nicht. Eigentlich eine Reise wert.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: Holbox (→ Website)
Chef de Cuisine: Gilbert Cetina
Ort: Los Angeles, USA
Datum dieses Besuchs: 29.10.2025
Guide Michelin (California 2025): *
Meine Bewertung dieses Essens: 7,5 (Was bedeutet das?)
Dieser Bericht in den sozialen Netzen: Facebook, Instagram

11 Woodfire, Dubai

Ein legeres À-la-carte-Konzept rund um Speisen vom offenen Feuer, ausgezeichnet mit einem Michelin-Stern: gute Voraussetzungen für ein ungezwungenes Lunch im Woodfire in Dubai.

Die vielen Plätze lassen vermuten, dass hier sonst mehr los ist als an diesem Dienstagmittag, an dem ich einer von nur einer Handvoll Gästen bleibe.

Zum Start wähle ich aus der umfangreichen Karte das Ceviche Azul mit Hamachi, blau gefärbter Leche de Tigre und geräuchertem Kaviar (95 AED, ca. 23 €). Der Fisch hat eine vermutlich durch Reifung erlangte festere Textur, kann sich aromatisch gegen die sehr säurebetonte Komposition aber nur bedingt behaupten. Das frische, »grüne« und leicht fruchtige Geschmacksbild wirkt dennoch belebend. Warum das Gericht in der Karte mit dem Symbol für Holzkohlefeuer markiert ist, erschließt sich mir aber nicht. (6,9/10)

Die gegrillte Jakobsmuschel mit Apfel-Relish (ca. 14 €) gefällt mir besser, mit appetitlichen Röstaromen und einem feinsüßlichen Sud mit Rosmarin und exotischen Gewürzen. Sehr gut. (7/10)

Weswegen man aber eigentlich herkommen sollte, ist der Wagyu-Smash-Cheeseburger – rauchig vom Holzfeuer, saftig, voller Umami und mit genau der richtigen Menge geschmolzenem Käse. Nachvollziehbar, warum dieser Burger regelmäßig in weltweiten Ranglisten weit oben auftaucht. (7/10)

Da das Restaurant keine Schanklizenz besitzt, muss ein alkoholfreies Bier dazu passen.

Mit mehr Gästen und deutlich mehr Gerichten auf dem Tisch macht das hier sicherlich noch eine Spur mehr Spaß.

Informationen zu diesem Besuch
Restaurant: 11 Woodfire (→ Website)
Chef de Cuisine: Brando Moros
Ort: Dubai, VAE
Datum dieses Besuchs: 30.12.2025
Guide Michelin (Dubai 2025): *
Meine Bewertung dieser Essen: 7 (Was bedeutet das?)
Dieser Bericht in den sozialen Netzen: Facebook, Instagram